Rückkehr in frühere Ämter?

Hoeneß: Alles in Absprache mit der Justiz

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Uli Hoeneß geht am 02.05.2014 in München während der außerordentlichen Mitgliederversammlung des FC Bayern München vor seiner Rede zur Bühne.

München - Leise Zukunftsmusik um Uli Hoeneß: Theoretisch stehen ihm nach Ende der Haft alle Ämter offen. Doch was plant der Ex-Präsident des Rekordmeisters selbst?

Wenn sich der Audi Dome am 28. November mit Mitgliedern füllt, die Meisterschale, der DFB-Pokal und die Trophäe des Klubweltmeisters auf Hochglanz poliert auf dem Podium stehen, werden Erinnerungen wach werden an das Vorjahr. Rund 365 Tage ist es dann her, dass Uli Hoeneß auf eben diesem Podium seine wohl emotionalste Rede als Bayern-Präsident gehalten hat. Rührung, Trauer, Verzweiflung – die Tränen flossen bei dieser Jahreshauptversammlung 2013. Man ahnte: Bei der kommenden Vollversammlung wird Hoeneß nicht dabei sein.

So ist es. Die diesjährige Jahreshauptversammlung wird Mitglied Uli Hoeneß verpassen. Zwar durfte der 62-Jährige, der wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, die JVA Landsberg bereits dreimal für ein paar Stunden verlassen, eine Entscheidung über generelle Haftlockerungen steht jedoch noch aus. Es wird davon ausgegangen, dass Hoeneß ab Ende des Jahres Freigänger ist. Im Januar könnte er dann sein nach wie vor eingerichtetes Büro in der Säbener Straße tagsüber wieder beziehen und sich im Jugendbereich engagieren.

Es wäre ein erster Schritt zurück in die Normalität, ein logischer. Aber beim FC Bayern hält man sich zu diesem Thema bedeckt. Man will keinen Druck auf die Justiz aufbauen, nicht den Eindruck erwecken, Hoeneß werde wegen des starken Arbeitgebers in seinem Rücken bevorteilt.

Die Aussagen der Vereinsbosse sind daher seit Wochen identisch. „Ich wünsche mir, dass Uli Hoeneß so schnell wie möglich wieder zum FC Bayern zurückkehrt“, wurde dessen Nachfolger Karl Hopfner gestern in der „Sport Bild“ zitiert: „In welcher Funktion dies sein kann, das entscheidet zunächst er selber und dann die Mitglieder.“ Heißt nichts anderes als: Wenn seine Haftstrafe – bei guter Führung womöglich schon 2016 – zur Bewährung ausgesetzt wird, könnte Hoeneß beim FC Bayern wieder jedes Amt bekleiden. Auch das des Präsidenten. Oder das des Aufsichtsratsvorsitzenden. Und auch beide.

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

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Alles Zukunftsmusik – und so hält man es auch vereinsintern. Es ist logisch, dass der FC Bayern derzeit als Hoeneß’ letzter Arbeitgeber die erste Option ist. Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen soll den für die Behörden nötigen Arbeitsvertrag ausgearbeitet haben, aktuell ist man in Abstimmung mit der Justizbehörde. Das war im Fall Breno so, das ist im Fall Hoeneß so. Genaue Protokolle müssen über den Arbeitsalltag von Freigängern geführt werden. Sollte Hoeneß im neuen Jahr wieder bei den Bayern arbeiten, wäre sein Tagesablauf streng reglementiert.

Das sind die Fakten, die bekannt sind – im Gegensatz zu den Plänen von Uli Hoeneß selbst. Theoretisch ist alles möglich. Die Praxis aber sieht erfahrungsgemäß oft anders aus. Und ist Stand jetzt unklar.

Hanna Schmalenbach

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