Bayern kassiert Gegentore am Boden

Kopfballschwach? Die Größe ist nicht das Problem

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Gegen Mario Mandzukic kann man schon mal ein Kopfballduell verlieren, so wie hier Joshua Kimmich.

Turin - Die vermeintlich so kopfballschwache Abwehr des FC Bayern wird von Juventus erst spät gefordert – dann aber heftig.

Ein bisschen schriller als bei den anderen Bayern sind die Pfiffe der Turiner Fans gegen Arturo Vidal schon gewesen, aber das hat den Adressaten nicht weiter gestört. Es war ihm auch herzlich egal, dass der Stadionsprecher an dieser Stelle eine kleine Kunstpause einlegte, um die unfreundliche Begrüßung etwas nachwirken zu lassen. Vidal nahm die Botschaft ungerührt zur Kenntnis. Eher noch erfreut. Er mag ja solche Gefühlsaufwallungen.

Der Einsatz des Chilenen war aus Münchner Sicht die einzig überraschende Personalie. Der Rest der Defensive war erwartungsgemäß angeordnet, mit David Alaba und Joshua Kimmich im Zentrum und Philipp Lahm sowie Juan Bernat außen. Dort hielten sie sich aber nie sehr lange auf. Bei Ballbesitz begaben sich beide flott ins Mittelfeld, das bei den Bayern das natürliche Revier kleingewachsener Spieler ist.

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Die Größe der Defensivkräfte war im Vorfeld ein gewaltiges Thema gewesen. „1,75 m im Schnitt“, sei die Viererkette bloß groß, darauf hatte nicht nur Lahm hingewiesen (was für ihn mit seinen einssiebzig aber immer noch eine Menge war). Die Furcht vor den langen Turinern und ihrer Lufthoheit war sehr real, doch in der Praxis lösten die Bayern das Probleme von Anfang an auf ihre Weise. Sie ließen die Gastgeber gar nicht erst vor ihr Tor kommen.

Arturo Vidal ist immerhin 1,81 m groß, was zwar auch kein Gardemaß ist, aber für diese Defensive eine willkommene Unterstützung war. Wenn die Münchner am Ball waren, ließ er sich tief fallen, oft noch hinter Kimmich und Alaba, und sicherte sie ab. In der Anfangsphase unterlief ihm dabei einmal ein schlimmer Ballverlust, ansonsten verlieh er der Defensive mit seiner Präsenz und Energie zusätzliche Stabilität.

Das erste der befürchteten Kopfballduelle mussten die Bayern nach 21 Minuten bestreiten. Alaba und Thiago verloren es gegen Bonucci, aber das war nicht schlimm, weil der Juve-Verteidiger mit seinem Versuch keinerlei Druck entwickelte. Und das war es vor der Pause auch schon mit den heiklen Situationen. Alaba agierte wach und souverän wie immer, doch noch eindrucksvoller war die abgeklärte Vorstellung des jungen Kimmich. Einmal lupfte er den Ball vor dem eigenen Tor über den heranstürmenden Pogba. Nicht um des schönen Effekts willen, sondern weil es anders nicht ging.

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Doch dann war es ausgerechnet Kimmich, der mit einem Fehler die Italiener zurück ins Spiel brachte., als er den Ball nicht unter Kontrolle brachte und Mandzukic auf Dybala passen konnte. In seiner Entstehung war dieses Tor, das Juve überhaupt erst aufzuwecken schien, ärgerlich. Doch mit der vermeintlichen Schwäche der Bayern bei hohen Bällen hatte auch diese Szene nichts zu tun.

Am Ende durfte dann noch Medhi Benatia eine gute Viertelstunde mitwirken. Der Marokkaner ist nach langer Verletzungspause zwar noch nicht wirklich fit, hat aber den unschätzbaren Vorteil, sehr groß gewachsen zu seiin. Wenig später fiel das 2:2, wieder war Kimmich beteiligt. Auch diesmal war es ein Zweikampf in Bodennähe.

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