„Frech und auch bitter“

Bayern-Star Sané von eigenen Fans ausgebuht - nun reagieren die Teamkollegen

Leroy Sane vom FC Bayern München
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Leroy Sané (FC Bayern München) wurde gegen den 1. FC Köln von den eigenen Fans ausgepfiffen

Bayern-Flügelflitzer Leroy Sané wurde beim 3:2-Sieg gegen den 1. FC Köln von den eigenen Fans ausgebuht. Teamkollegen springen ihm bei und appellieren an die Zuschauer.

München - Bayern-Star Leroy Sané erwischte beim 3:2-Heimerfolg seiner Münchner gegen den 1. FC Köln einen rabenschwarzen Tag. Verlorene Dribblings, Fehlpässe und eine teilnahmslose Körpersprache nahmen die 20.000 Fans der Roten zum Anlass, kräftig gegen den 25-Jährigen zu wettern: Pfiffe und Buhrufe begleiteten seine Aktionen in der Schlussphase des ersten Spielabschnitts, ehe ihn Trainer Julian Nagelsmann in der Halbzeit vom Spielfeld nahm. Einige Fans beklatschen hämisch die Auswechslung. Für ihr Verhalten bekamen der Bayern-Anhang nun eine Rüge von Sanés Spielerkollegen, auch eine Parallele zu Arjen Robben weckt Erinnerungen.

FC Bayern München: Sané in eigenem Stadion ausgepfiffen - Stars springen ihm bei

„Klar, Leroy hat kein Riesenspiel gemacht“, räumte Sportvorstand Hasan Salihamidzic ein und wurde deutlich: „Wir erwarten immer, dass die Spieler von unseren Fans unterstützt werden. Wir können nicht einen Einzelnen auspfeifen lassen in der Allianz Arena. Das geht gar nicht.“

Joshua Kimmich schlug in dieselbe Kerbe: Die Zuschauer-Reaktionen gegen den Teamkollegen seien „frech und auch bitter“. Der Mittelfeldmotor des FC Bayern betonte: „Das finde ich nicht in Ordnung. Das war nicht gerechtfertigt.“ Er verwies auch auf die Triple-Saison der Bayern 2020, in der die Münchner außergewöhnliche Leistungen zeigten. An Motivation fehle es Sané und Co. nicht. „Wir haben alle Titel gewonnen und immer erwähnt, dass wir diese Titel mit den Fans nochmal holen und diesen Erfolg bestätigen möchten“, erklärte Kimmich auf der PK anlässlich seiner Vertragsverlängerung.

Das Fehlverhalten des Münchner Anhangs, der ansonsten auffällig ruhig das Spiel verfolgte, kritisierte auch Trainer Julian Nagelsmann: „Es gehört sich, dass die eigenen Fans Spieler unterstützen. Das ist mir immer mehr wert und wichtig.“ Es gebe „keinen Spieler auf dieser Welt, der nicht am liebsten eine Topleistung abruft“, warb Nagelsmann für Leroy Sané.

Dass der Flügelflitzer innerhalb der Mannschaft ein hohes Ansehen genießt, betonte Thomas Müller. Sanè könne sich der Unterstützung der Mannschaft sicher sein. Zu den Pfiffen der eigenen Fans findet der Routinier gegenüber der Bild deutliche Worte: „Das wollen wir nicht, das ist nicht schön. Da erwarte ich von den Fans mehr Unterstützung für uns Spieler“, so Müller.

Wandelt Sané auf Robbens Spuren? Niederländer zeigte Leistungsexplosion nach Pfiffen

Das Trauma des verlorenen „Finale dahoam“ im Jahr 2012 saß bei den Bayern-Fans auch Monate später tief. Der Sündenbock: Arjen Robben, der zwei Elfmeter gegen den FC Chelsea vergab. Bei einem Versöhnungsspiel gegen die Niederlande pfiffen die Fans in der Allianz Arena den Niederländer gnadenlos aus. Im Anschluss soll der Bayern-Star sogar um seine Freigabe für einen Wechsel gebeten haben.

Letztlich blieb Robben den Münchnern erhalten und schoss im folgenden Jahr den entscheidenden Treffer im Champions-League-Finale. Die Fans feierten ihn, ein eigenes Lied widmeten sie Robben. Sané, der Robbens Rückennummer „10“ aktuell trägt, wäre wohl schon über ausbleibende Pfiffe dankbar. (jjf/dpa)

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