Guardiola und der Maulwurf

Nichts hasst Pep mehr als "el topo"

+
Pep Guardiola.

München - Die Maulwurf-Affäre beim FC Bayern bestimmt die Schlagzeilen. Die Vergangenheit lehrt: Es gibt nur wenig, das Pep Guardiola mehr hasst als "el topo".

Müsste Pep Guardiola eine Liste verfassen, auf der steht, was er hasst, würde wohl eine Serviette, die einen Tapas-Teller bedeckt, genügen. Das Wort „Niederlagen“ würde er da draufschreiben, ebenso den Namen Jose Mourinho. Und auch: „el topo“. Spanisch für: Maulwurf.

Nicht, dass der Bayern-Coach etwas gegen die tierischen Knuddelbuddler hätte, das ist kein Fall für die Tierschützer. Aber im Fußball ist der Maulwurf das Synonym für einen Nestbeschmutzer.

Ein Fußball-Maulwurf trägt die Kabinengeheimnisse nach draußen wie sein tierisches Pendant den Dreck aus seinem Erdloch. Und wenn Interna seines Teams extern die Runde machen, trifft das diesen Guardiola bis ins Mark. Kaum einem sind Erziehung, Stil und Perfektion so wichtig wie ihm – ein Maulwurf übt Verrat an all seinen Idealen.

Dem „kicker“ hat ein Bayern-Profi, der aus nachvollziehbaren Gründen nicht namentlich erwähnt sein wollte, dass die Stimmung zwischen Team und Trainer „nicht gut“ sei. Das Fachmagazin berichtete, es brodle hinter den verschlossenen Türen, laut des anonymen Informanten läge das zum einen an den vielen Verletzungen, aber auch am Verhältnis zu Guardiola. Dabei könne die Atmosphäre sogar noch gereizter werden, es sogar zur Explosion kommen. „Wenn alle fit sind“, orakelt der Maulwurf, „kracht es.“

Doch allein mit nebulösen Unkenrufen ließ es der geheime Informant nicht bewenden. Er plauderte zudem aus, dass Guardiola seinen Stars vor dem Spiel beim Hamburger SV eine lasche Lebensweise unterstellt habe. Das Wiegen habe ein paar Übergewichtige entlarvt, zudem hätten dem Trainer die zahlreichen Reiseaktivitäten an freien Tagen missfallen. Mittels einer Mail wurden die Spieler aufgefordert, Privattrips künftig anzumelden. Um die Undiszipliniertheiten einzugrenzen, soll man laut „kicker“ über einen Zapfenstreich diskutiert haben. Übergewicht und Lustreisen – das ist gar nicht pfundig, wenn man eigentlich Großes anstrebt.

Guardiola läuft weiter Gefahr, angesichts seiner Demission im Sommer zur „lame duck“ zu werden. Denn kaum etwas untergräbt eine Autorität mehr als ein Maulwurf. Im November 2013 hatte es ihn schon einmal gehörig auf die Palme gebracht, dass taktische Anweisungen den Weg nach draußen gefunden hatten. Sollte er den Verräter entlarven, würde der nie wieder für Bayern spielen, tobte der Coach. Auch Karl-Heinz Rummenigge drohte: „Ich rate demjenigen, den Spielbetrieb einzustellen. Sonst bekommt er ernsthafte Probleme. Nicht nur mit Guardiola, sondern mit dem ganzen Verein.“ Inzwischen wurde der Spieler allerdings verkauft.

Damals kamen Anweisungen vor dem Duell mit Dortmund ans Licht (ohne Folgen, Bayern gewann 3:0) – doch diesmal reicht der Verrat noch tiefer, geht es ja um die Beschaffenheit des Betriebsklimas. Aus Pep Guardiolas Umfeld heißt es, solche Vertrauensbrüche würden ihn mehr belasten als alles andere. Er betrachtet sie als einen eklatanten Mangel an Respekt, vor ihm als Menschen wie vor seiner Arbeit.

In Barcelona trug auch das zu seinem Abschied bei, heißt es. Im Frühjahr 2012 waren noch vier Spiele zu spielen, Real Madrid reiste an. Die entscheidende Finte von Guardiola sickerte damals sechs Stunden vor Anpfiff durch. Real hatte genug Zeit, zu reagieren – Barcelona verlor 1:2.

Ein paar Wochen später war Real Meister, und Guardiola ging. Die Kombination aus Niederlage und „el topo“ hatte zu viel Misstrauen provoziert. Der Nutznießer hieß zu allem Überfluss: Jose Mourinho.

Maulwurf-Affäre: Jetzt äußert sich der FC Bayern

Auch interessant

Meistgelesen

Hoeneß-“Granaten“: Diese Spieler fallen in die Superstar-Kategorie
Hoeneß-“Granaten“: Diese Spieler fallen in die Superstar-Kategorie
Das sagt Goretzka zum Wechsel zum FC Bayern
Das sagt Goretzka zum Wechsel zum FC Bayern
Abschied von Bayern? Boateng spricht Klartext
Abschied von Bayern? Boateng spricht Klartext
Diese fünf Baustellen warten auf den FC Bayern im Sommer
Diese fünf Baustellen warten auf den FC Bayern im Sommer

Kommentare