Erstes Interview nach dem Bayern-Aus

Nerlinger: So wurde ich von Hoeneß gefeuert

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Erstmals nach dem Aus im Sommer als Sportdirektor beim FC Bayern hat sich Christian Nerlinger öffentlich zu Wort gemeldet.

München - Erstmals nach dem Aus im Sommer als Sportdirektor beim FC Bayern hat sich Christian Nerlinger öffentlich zu Wort gemeldet. Er verrät, wie seine Entlassung ablief.

„Um ganz ehrlich zu sein: Mein Ende beim FC Bayern kam für mich nicht ganz unerwartet und hat mich daher auch nicht getroffen", sagte Nerlinger gegenüber der Sport Bild.

Von seiner Entlassung hatte Nerlinger am 2. Juli - sechs Wochen nach dem verlorenen CL-Finale - erfahren. Das finale Gespräch mit Uli Hoeneß sei im Gegensatz zu mehrerern Unterredungen in der Woche nach dem Chelsea-Spiel "realativ emotionslos und sachlich verlaufen". Nerlinger: „Im Endeffekt wusste ich aber in dem Moment, als wir das Champions-League-Finale gegen Chelsea verloren haben, dass es für mich vorbei ist....Ich habe mir da ja auch nichts vorgemacht. In der Geschichte des FC Bayern war es immer so: Nach einem titellosen Jahr folgten stets Richtungsänderungen."

Nerlingers Transfers: Die Tops und Flops

Christian Nerlinger war seit dem 1. Juli 2009 der Macher des FC Bayern und als Sportdirektor der Nachfolger des Erfolgsmanagers Uli Hoeneß. Das war alles andere als einfach. Oft schon hagelte es Kritik für den Ex-Profi mit dem abgebrochenem BWL-Studium. Zur Saison 2012/13 wird er durch Matthias Sammer abgelöst. Wir nehmen alle Nerlinger-Transfers unter die Lupe. Maßgeblich für das Urteil ist das Preis-Leistungsverhältnis. © dpa
Takashi Usami wurde vor der Saison 2011/12 vom japanischen Klub Gamba Osaka ausgeliehen. Die Bayern kostete der Flügelflitzer schlappe 300.000 Euro - und halb Fußball-Asien blickte plötzlich nach München.  © dpa
Der Japaner konnte sich nicht gegen die starke Konkurrenz in der Bayern-Offensive durchsetzen und absolvierte nur drei Spiele für die Profis. Den Rest der Zeit half Usami in der Regionalliga aus. kommende Saison spielt der 20-Jährige für die TSG Hoffenheim. Fazit: Eher Flop © dpa
Wie Usami wechselte Nils Petersen vor einem Jahr von Energie Cottbus zu den Bayern. Der Sturm-Reservist kostete 2,8 Millionen Euro. Petersens Vertrag beim FC Bayern wurde amEnde sogar um ein Jahr bis 2015 verlängert, wobei Petersen umgehend an Werder Bremen verliehen wurde. © dpa
In der vergangenen Spielzeit traf Petersen zwar vier Mal, spielte aber auch nur in elf Spielen. Acht mal wurde der 23-Jährige dabei nur eingewechselt. Es gelang Petersen nicht, sich gegen Ivica Olic durchzusetzen und den Platz hinter Mario Gomez einzunehmen. Fazit: Eher Flop © dpa
Breno Vinícius Rodrigues Borges kam einst als 18-Jähriger für zwölf Millionen Euro von Sao Paulo zu den Bayern. Nach einer Ausleihe nach Nürnberg holte Nerlinger den Abwehrspieler wieder in den Kader. Sein Vertrag bei den Bayern läuft aus. Ein Wechsel zu Lazio Rom ist noch nicht fix, da Brenos Verfahren wegen Brandstiftung noch aussteht. Es droht eine Gefängnisstrafe. © dpa
Der 22-Jährige Brasilianer konnte sich in der Bundesliga auch nach drei Saisons nie richtig akklimatisieren. Er kam nur auf 39 Einsätze für die Roten. Fazit: Flop © dpa
Nerlinger holte den ausgeliehenen Toni Kroos nach einer Bomben-Saison bei Bayer Leverkusen zurück nach München. Das Bayern-Talent ist noch bis 2015 an den Verein gebunden. © dpa
Kroos ist eine der positiven Überraschungen der Saison. Er konnte sich im offensiven Mittelfeld behaupten und beförderte Thomas Müller desöfteren auf die Bank. Kroos ist mit seinen Standards, seiner grandiosen Schusstechnik und seiner Übersicht unverzichtbar für die Bayern geworden. Fazit: Top © dpa
Luiz Gustavo wechselte vom Ligakonkurrenten Hoffenheim für stolze 17 Millionen Euro an die Isar. Der Sechser ist wie Kroos noch bis 2015 an die Bayern gebunden. © dpa
Gustavo hatte vergangene Saison seinen Stammplatz im defensiven Mittelfeld weitestgehend sicher. Über die Saison gesehen brachte der 24-Jährige eine solide Leistung. Hinter seinem Platz in der Startelf für die nächste Saison steht ein Fragezeichen. Fazit: Neutral © dpa
Marcio Rafael Ferreira de Souza, kurz Rafinha, wechselte von Schalke 04 zu den Bayern. Ablösesumme waren 5,5 Millionen Euro. © dpa
Rafinha sollte die Lücke auf der Rechtsverteidigerposition ausfüllen. Das gelang ihm nicht. Zu oft ließ sich der Brasilianer zu Fehlpässen oder schlechten Dribblings verleiten. Er wurde von Nerlingers nächstem Transfer auf die Ersatzbank verdrängt. Fazit: Flop © dpa
Er ist DER Überflieger der vergangenen Saison. David Alaba spielte seine gesamte Jugend für den FC Bayern. Nach einem Kurzaufenthalt in Hoffenheim holte Nerlinger den ausgeliehenen Österreicher zurück nach München. Alaba hat noch bis 2015 einen gültigen Vertrag. © dpa
Alaba glänzte auf der Position des Linksverteidigers und harmonierte perfekt mit seinem Flügelpartner Franck Ribery. Lukrative Angebote aus dem Ausland hat der 19-Jährige ausgeschlagen. Fazit: Top © dpa
Der nächste Nerlinger-Transfer: Jerome Boateng. Der Innenverteidiger kam vom englischen Meister Manchester City nach München und kostete 13,5 Millionen Euro. Auch Boateng ist bis 2015 vertraglich an die Bayern gebunden. © dpa
Boateng hatte aus Mangel an Alternativen seinen Stammplatz in der Innenverteidigung neben Holger Badstuber sicher. Er wird nächste Saison mit dem Neuzugang Dante und dem wiedergenesenen Daniel van Buyten um seinen Startplatz kämpfen müssen. Dennoch war er in den meisten Spielen ein solider Verteidiger. Fazit: Neutral © dpa
Manuel Neuer wechselte für stolze 25 Millionen Euro vom FC Schalke zu den Bayern. Der Nationalkeeper bleibt voraussichtlich mindestens bis 2015 in München.  © dpa
Neuer spielte eine durchwachsende Saison: mal nichts zu tun, mal Weltklasseparaden und dann wieder grobe Schnitzer. Dennoch ist Neuer die unangefochtene Nummer eins im Bayern Tor. Seine Position wird auf Jahre besetzt sein. Fazit: Eher Top © dpa
Edson Braafheid kam 2009 auf Wunsch des damaligen FC-Bayern-Trainers Louis van Gaal für zwei Millionen Euro von Twente Enschede an die Isar. Weil er in München nicht überzeugte, wurde er vorübergehend an Celtic Glasgow verliehen - und danach immer noch für untauglich befunden. Der 29-Jährige spielte vergangene Saison für die TSG Hoffenheim. © dpa
Braafheid konnte im Bayern-Dress nicht überzeugen. Er wirkte unsicher und anfällig für Ballverluste. Van Gaal sortierte den Niederländer nach einer Saison aus. Fazit: Flop © dpa
Der Ur-Bayer: FCB-Eigengewächs Andreas Ottl wurde nach einer Ausleihe an den 1. FC Nürnberg von Nerlinger wieder zurückbeordert. Der Mittelfeldakteur spielt momentan für Hertha BSC Berlin. © dpa
Ottl hatte viele Chancen - und konnte keine richtig nutzen. Der 27-Jährige blieb gegen Kollegen wie Bastian Schweinsteiger oder Toni Kroos immer blass, war aber als zuverlässiger Rollenspieler stets willkommen. Jetzt ist er mit Hertha BSC abgestiegen. Fazit: Neutral © dpa
Maximilian Riedmüller (l.) und Rouven Sattelmaier (r.) absolvierten beide kein Spiel für die Profis, sondern nur für das Regionalliga-Team der Bayern. Riedmüller kommt aus der eigenen Jugend, Sattelmaier vom 2. Liga-Aufsteiger Jahn Regensburg. Bewertung: Nicht möglich © dpa
Bei folgenden Transfers ist noch keine Bewertung möglich, weil die Spieler erst zur Saison 2012/13 gekommen sind: Tom Starke wechselt als Ersatztorwart hinter Manuel Neuer von der TSG 1899 Hoffenheim nach München. Er hat einen Dreijahresvertrag bis 2015 unterschrieben. © Getty
Mario Mandzukic soll die "Sturm-Bombe" sein, die Uli Hoeneß den Fans versprochen hat. Er kommt vom Magath-Verein VfL Wolfsburg und kostet den FCB 13 Millionen Euro. Der Kroate bekommt einen Vertrag bis 2016. © sampics
Claudio Pizarro kehrt zum FC Bayern zurück und soll den "Super Mario Brothers" Gomez und Mandzukic Konkurrenz machen. Er ist ablösefrei und erhält einen Einjahresvertrag. © dpa
Xherdan Shaqiri soll auf dem Flügel Druck auf die Superzange aus Arjen Robben und Franck Ribéry machen. Er spült dem FC Basel mehr als zehn Millionen Euro in die Kassen und erhält einen Vertrag bis 2016. © dpa
Mitchell Weiser ist ein Mann für die Zukunft. Mit 500.000 Euro Ablöse ist der Jungspund vom 1. FC Köln ein wahres Schnäppchen, sollte er die Erwartungen halbwegs erfüllen. Bis mindestens 2015 darf er sich beim deutschen Rekordmeister beweisen. © Getty
Dante soll die Bayern-Innenverteidigung sattelfest machen. Er kommt von Borussia Mönchengladbach, erhält einen Vertrag bis 2016 und kostet 4,6 Millionen Euro. Ob Nerlinger bei all diesen Transfers ein gutes Näschen hatte, wird sich noch zeigen. © dpa

Mit Uli Hoeneß versteht sich Nerlinger nach wie vor gut. "Nach meiner Beurlaubung hat es später ein nettes Essen gegeben, bei dem ich schon gemerkt habe, dass es zwischenmenschlich bei uns immer noch passt."

Nerlinger steht beim FC Bayern noch bis Juni 2014 auf der Gehaltsliste. So lange läuft sein Vertrag. Der 39-Jährige ist freigestellt.

Ab Juli 2009 war Nerlinger als Nachfolger von Manager Hoeneß für den sportlichen Bereich verantwortlich gewesen. Danach sei es ihm bis zur Entlassung gelungen, „eine Mannschaft zu entwickeln, die den Anspruch und die Qualität hat, dauerhaft auf internationalem Niveau mitzuspielen“. In der Tat hatte Nerlinger auch noch alle Transfers für die laufende Saison getätigt (Shaqiri, Dante, Mandzukic) und die Verpflichtung von Javi Martinez in die Wege geleitet.

Er sei mit sich und dem Klub „im Reinen“, sagte Nerlinger - und legte dem FC Bayern zudem indirekt nahe, eine Vertragsverlängerung mit Trainer Jupp Heynckes anzustreben. Heynckes habe sich noch mal verändert im vergangenen Jahr, „er hat sein Profil nochmals gestärkt und in der Vorrunde eine fantastische Erfolgsstory geschrieben.“ Er wisse nicht, wie Heynckes denke, ergänzte Nerlinger, „was ich aber weiß, ist: Jupp Heynckes isst und schläft - alles, was er darüber hinaus tut, macht er für den FC Bayern München.“

ole/sid 

 

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