Sie haben auch einiges gemeinsam

Ancelotti und Pep: Das sind die größten Unterschiede

München - Der FC Bayern München wird ab kommender Saison von einem Genussmenschen trainiert. Damit unterscheidet sich Carlo Ancelotti deutlich von Pep Guardiola. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten.

Carlo Ancelotti (56) wird den FC Bayern ab Sommer übernehmen, bereits jetzt fragen sich die Fans: Wer ist dieser Mann? Aufgewachsen als Sohn eines Kleinbauern in Reggiolo, einem Nest mit 9200 Einwohnern in der Nähe von Bologna, eroberte er die Fußballwelt: Beim AC Mailand reifte er zum Mittelfeldstrategen, als Trainer gewann er die Champions League dreimal. Ein vielschichtiger Mann, im Sommer überraschte er mit der Nachricht, er habe im neuen „Star Trek“ eine Gastrolle übernommen. Carlo Ancelotti, den alle „Carletto“ (Karlchen) rufen, mitten in einem Blockbuster aus der Science-Fiction-Szene? Hört sich leicht absurd an, aber es sagt auch viel aus, dass es der Mann bis nach Hollywood geschafft hat – obwohl er ein Gegenentwurf zu dem Autorenkino ist, das seine Trainerkollegen, diese neue Riege um Männer wie Pep Guardiola, zuletzt aufgezogen haben.

Zlatan Ibrahimovic etwa hat Guardiola gefressen. Die beiden sind sich so grün wie Uli Hoeneß und Willi Lemke zu schlimmsten Zeiten, dabei ist der Schwede nicht auf jeden Übungsleiter schlecht zu sprechen. Über Ancelotti sagt er zum Beispiel: „Ein überragender Trainer. Zwar old school, aber toll als Person.“

Ancelotti ist old school und toll

Old school und toll – „Carletto“ ist lange unterschätzt worden, was eigenartig ist, hat er doch bereits als Spieler eine Ära geprägt und dann als Trainer historische Meilensteine gesetzt. Er wurde in seiner Heimat Meister, in England und Frankreich, bei Real Madrid entschädigte er die Fans für das Verpassen des Titels mit dem Gewinn in der Champions League. Doch da er so pragmatisch wie leisetreterisch ist, fiel er nicht so auf in dieser neuen Trainer-Welt, in der die Mythen Pep Guardiola gehören und die Medien Jose Mourinho oder vielleicht noch einem Louis van Gaal.

Arrigo Sacchi war Anfang der 90er Coach des AC Mailand, der damals Europa dominierte. Die Stars des Teams waren die Niederländer Ruud Gullit, Marco van Basten und Frank Rijkaard, aber Sacchi sagt bis heute, Ancelotti sei sein wichtigster Spieler gewesen. Weil er schon damals wie ein Trainer dachte. Da gibt es Parallelen zu Guardiola, der als Spieler auch nie der Top-Star und dennoch der Kopf gewesen ist. Sacchi galt schon damals als Italiens modernster Trainer, als ein Mann, der das typische Catenaccio mal hübsch bleiben und lieber die Offensive wirbeln ließ. Ancelotti ist eine moderne Version seines einstigen Mentors.

Neben seinen Fähigkeiten als Taktikfuchs – unter anderem überlistete er Guardiola im Halbfinale der Champions League 2014 nachhaltig – ist seine Menschlichkeit sein Qualitätssiegel geworden. Er gilt als Spielerversteher, der sogar mit den Ersatztorhütern spricht, das entspricht seinem Charakterzug, ein wahrer Genießer zu sein. Wer kein Kostverächter ist, schätzt in der Regel auch ein harmonisches Umfeld. Und „Carletto“ Ancelotti, hört man, ist ein Genussmensch, so ganz nach Uli Hoeneß’ Geschmack.

Ancelotti schlingt Essen wie ein Pferd

2010 schrieb er in seiner Biographie: „Ich schlinge Essen herunter wie ein Pferd. Nehmt mich zu einer Trattoria mit und schaut mir einfach nur zu.“ Carlo Ancelotti ist in der ländlichen Idylle der Emilia-Romagna aufgewachsen, die Spezialitäten dort rühmen viele als Italiens höchste kulinarische Genüsse, obwohl es in den Töpfen dort deftig köchelt. Der Spitzname der Küche lautet „grassa“, die Fette, und von Ancelotti, der Tortellini mit Mortadella-Füllung liebt, gibt es eine Anekdote mit seinem früheren Kapitän beim AC Mailand, Paulo Maldini. „Er isst, trinkt. Dann isst und trinkt er noch ein bisschen mehr. Aber nicht allein“, erzählte Maldini mal. Ancelotti rief ihn zu sich, sagte, er solle mit ihm essen. Der Kapitän aber weigerte sich, er wolle doch Vorbild für seine Kollegen sein, schlemmen sei da nicht okay. „Ich bin dein Trainer“, unterbrach ihn Ancelotti, „probier es – ist gut!“

Zuhause kocht Carlo Ancelotti selbst gerne, laut seiner Gattin Mariann experimentiert er viel und lecker, vor allem mit Pasta oder Rind. „Er ist wie eine Hausfrau, das Erste, was er mich fragt, wenn er morgens aufwacht, ist: Was essen wir heute Abend? Und dann plant er die Gerichte.“

Die Fans dürfen gespannt sein, was Carlo Ancelotti in München so ausköchelt. Es könnte großes Kino werden. Vielleicht kein Science Fiction. Aber zum Genießen.

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