Taktische Flexibilität sorgt für Freude

Ribéry begeistert: "Das macht Spaß"

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Franck Ribéry.

München - Die Bayern geben sich mit dem "hässlichen Sieg" bei Hertha BSC zufrieden - Dämpfer in Maßen sind sogar willkommen. Franck Ribéry erfreut sich an der taktischen Flexibilität.

Fußball nur noch so nebenbei? Die Bayern können sich diese Haltung in diesen Tagen leisten. Bei ihrem Trip nach Berlin am Samstag wirkte es am Ende fast so, als sei das Gastspiel im Olympiastadion einfach nur aus Verpflichtung der Bundesliga gegenüber abgewickelt worden. Weitaus nachhaltiger als der 1:0-Sieg blieb letztlich jedenfalls die Eröffnung des neuesten Fanshops in Erinnerung. Die Bayern haben nun auch die Hauptstadt erobert.

Fußball nur noch so nebenbei, das entspricht natürlich keineswegs dem Arbeitsethos von Pep Guardiola. Der Trainer legte die hohe Stirn in tiefe Falten, als er den knappen Sieg analysierte: „In der zweiten Halbzeit haben wir gemerkt, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. Es gibt viel zu verbessern.“ Die Bayern hatten sich einmal eine Partie auf Normal- statt Superniveau geleistet. Es reichte, die Konkurrenz kommt ihnen ja trotzdem kaum nach, und so scheinen dem Katalanen Dämpfer in überschaubaren Maßen rein aus pädagogischen Zwecken willkommen zu sein. „Wir haben erst November“, erinnerte er in Berlin. Die Spannung im Kader muss noch einige Monate anhalten, will man seine großen Ziele verwirklichen. Zumindest bei Arjen Robben rannte Guardiola offene Türen ein. „Wir wissen selbst, dass die zweite Hälfte nicht gut war“, sagte der Niederländer, der den Treffer des Tages erzielt hatte. „Jetzt können wir eine Woche regenerieren, dann geben wir noch zwei Wochen Vollgas, dann ist Winterpause.“ Den Adventssonntag gab Guardiola schon mal frei, um den Akku aufzuladen.

Dreimal die 4, eine 2 - Bilder & Noten zu Bayerns Sieg in Berlin

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Dass der Rhythmus nach der Pause verloren gegangen war, kreidete sich der Trainer am Ende übrigens selbst an. Guardiola hatte schon wieder eine neue Taktik getestet: Das Mittelfeld lief zunächst „in einer Art Raute“ (Robben) mit dem Matchwinner in vorderster Spitze auf. Das Konzept griff ansehnlich, dennoch befahl der Chefcoach später eine Rochade zwischen dem Torschützen und Mario Götze. „Das war keine gute Entscheidung“, gestand er. Wohl dem, der bei gescheiterten Experimenten keine anhaltenden Schäden davonträgt.

Robben fand, es war „ein hässlicher Sieg“. Seiner neuen Ausrichtung gegen Hertha konnte er dennoch viel abgewinnen. „Der Trainer schaut den Gegner immer vorher an. Er variiert gern“, erklärte er, „manchmal spielst du dann eine andere Position. Franck (Ribery/d. Red) war heute etwas mehr im Mittelfeld, ich etwas mehr hinter den Spitzen. Wir sind flexibel, können mehrere Systeme. Das macht Spaß.“ 80 Prozent Ballbesitz verbuchten die Münchner, das war stattlich. Ebenso ist bemerkenswert, dass Manuel Neuer in der Liga erst drei Mal hinter sich greifen musste. Zu so einem Saisonzeitpunkt eine solche Gegentor-Bilanz hatte einst nur der VfB Stuttgart 03/04 – die Schwaben wurden damals Meister.

Trotz allem hielt die Bayern am Ende nichts mehr in der zugigen Hauptstadt. Noch am Samstagabend flogen sie nach Hause, wobei sie erst im Stau steckten (trotz Polizeieskorte) und dann auch noch warten mussten, bis die Tragflächen enteist waren. „Im Moment sind die Verhältnisse bei uns sehr, sehr gut, ohne Frage“, meinte Karl-Heinz Rummenigge, der sich bei der Eröffnung des Fanshops angesichts der sportlich so klaren Sachlage mehr mit abseitigen Fragen konfrontiert sah. Ob er denn auch mal zuhause in der Adventszeit mitmischt, wenn es ans Plätzchenbacken geht – schließlich gibt es sogar Stechformen von seinem Verein? „Backen und Kochen ist nicht so mein Spezialgebiet“, sagte der Vorstandschef, „leider, ich bedauere das.“

Und was er an Weihnachten am liebsten verschenkt, wurde er dann noch gefragt. Antwort: Trikots. Nimmt man den Andrang der Berliner im Münchner Fanshop als Grundlage, drängt sich der Verdacht auf, dass unter den Christbäumen in der Hauptstadt heuer auch das eine oder andere Bayern-Dress mehr als gewöhnlich darauf wartet, ausgepackt zu werden. Schöne Bescherung.

Heidi Vilia

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