Zunehmende Dünnhäutigkeit

Das sagt Pep Guardiola zu seinem Ausraster 

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Pep Guardiola an der Seitenlinie

München - Die Reaktion auf de Jongs Foul demonstriert Pep Guardiolas zunehmende Dünnhäutigkeit. Unterdessen gibt es Entwarnung bei Joshua Kimmich.

Die kleine Randnotiz kam am Tag drauf – und immerhin: In einem hatte Pep Guardiola Recht. Joshua Kimmich hat das gestrige Finale des Audi Cups gegen Real Madrid verpasst. Eine „leichte Oberschenkelprellung“ hat sich der Neuzugang des FC Bayern beim 3:0 im Halbfinale am Dienstag gegen den AC Mailand zugezogen und muss daher „ein paar Tage mit dem Training aussetzen“, hieß es offiziell. Der Coach hatte einen langfristigen Ausfall Kimmichs befürchtet, die Entwarnung sollte ihn also eigentlich freuen. Andererseits lässt sie seinen Auftritt am Abend zuvor in ein noch fragwürdigeres Licht rücken, als er sowieso schon stand.

Man hat Guardiola in den vergangenen beiden Jahren schon in vielen Stimmungslagen gesehen. Ab und an mal lustig, häufig leicht angenervt, manchmal enttäuscht, selten auch mal säuerlich – so wie am Dienstagabend aber hat man ihn in München noch nie erlebt. Ab der 9. Minute des Testspiels hatte sich der Spanier so gut wie gar nicht mehr im Griff. Als Milan-Kapitän Nigel de Jong ein – zugegeben unnötiges – Foul an Joshua Kimmich beging, also jenen jungen Mann, den Guardiola in dieser Partie erstmals als alleinigen Sechser testen wollte, dann aber auswechseln musste, rastete der Trainer aus. Das Protokoll von Guardiolas Abend: Aggressives Rennen in Richtung Spielfeld, Kick gegen eine Werbebande, lautstarkes Einreden auf den vierten Offiziellen, Wortgefecht mit de Jong in der Halbzeit im Kabinengang – und dann: Ein Auftritt in der Pressekonferenz, der sein Übriges tat.

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„Ich bin traurig wegen Kimmich. Es tut mir leid für ihn. Deshalb habe ich de Jong etwas gesagt“, sagte Guardiola auf die Nachfrage zu seinem Verhalten. Viel mehr kam nicht. Überhaupt war er so wütend, dass er am liebsten gar nicht reden wollte. Mit dem letzten Wort seiner letzten Antwort sprang er von seinem Sitz auf, verließ das Podium im Stechschritt, kickte die Tür zu den Katakomben auf und verschwand. Zurück blieben Mediendirektor Markus Hörwick und Milan-Trainer Sinisa Mihajlovic – beide verdutzt wie der Rest der Anwesenden im Presseraum.

„Wir spielen Fußball, das ist kein Ballett“, hatte Mihajlovic zu dem Einsteigen seines Spielführers gesagt. De Jong ist bekannt für solche Aktionen, der negative Höhepunkt seines rüden Spiels war der Kung-Fu-Tritt im WM-Finale 2010 mit den Niederlanden gegen den heutigen Bayern Xabi Alonso. „Klar legt man bei einem Freundschaftsspiel Härte an den Tag, aber nicht übertrieben. Wenn sich der Trainer so aufregt, wird es irgendeinen Grund gegeben haben“, sagte auch Philipp Lahm. Dennoch lässt Guardiolas übertriebene Reaktion den Schluss zu, dass der ohnehin schon die gesamte Vorbereitung angespannte Coach immer dünnhäutiger wird.

Kimmich, der im Gegensatz zu de Jong schon am Abend gesprochen hatte („Verletzung ist nicht schlimm“), wird laut Guardiola „einer der besten deutschen Spieler in den nächsten zehn Jahren“ sein. Es hätte den Bayern aber zumindest im Moment noch kein Stammspieler gefehlt, wenn der 20-Jährige etwas länger ausgefallen wäre. Trotzdem rastete Guardiola aus wie selten zuvor. Das zweimalige Aus im Halbfinale der Champions League hat der 44-Jährige vergleichsweise gelassen zur Kenntnis genommen.

Der Druck auf Guardiola ist enorm, die Fragen nach seiner ungeklärten Zukunft nerven ihn. Das Problem aber: Die Diskussionen werden – läuft die Saison erst mal – nicht abklingen. Im Gegenteil. Der Coach braucht Erfolg, um in Ruhe arbeiten zu können, um selbst wieder ein bisschen runter zu kommen.

Dabei kann Kimmich nun zumindest theoretisch helfen. Ob auch praktisch, muss sich zeigen.

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