Taktik-Triumph des Trainers

Rummenigge adelt Pep: "Genialer Trainer"

+
Karl-Heinz Rummenigge.

Berlin -  Die Diskussion um den Wert der Saison von Bayern München ist beendet, Trainer Pep Guardiola hat mit einem überraschenden taktischen Schachzug seinen genialen Ruf zurück.

Der große Triumphator Pep Guardiola stand im Hintergrund und lächelte ein wenig verlegen. Als Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge den spanischen Starcoach in der Nacht seines bisher wichtigsten Sieges und nach dem zehnten Double des Fußball-Rekordmeisters zum Genie erklärte, war ihm das schon fast unangenehm.

„Dieser Trainer hat geniale Züge“, sagte Rummenigge während seiner Bankettrede in der Repräsentanz des Hauptsponsors der Münchner: „Pep, du passt wunderbar zum FC Bayern. Ich bin glücklich, dass du bei uns bist.“

Dann umarmte der 58-Jährige den Angesprochenen in tiefer Zufriedenheit, bevor bei rosa Gebratenem vom Kalb, Havelzander und erntefrischem Spargel ausgelassen gefeiert wurde. Rummenigge wusste, diese Saison mit der frühesten Meisterschaft der Bundesliga-Historie glänzt jetzt ohne gravierende Kratzer.

Hier bekommen Sie die neuesten Infos vom Tag nach dem Pokaltriumph.

Wie bedeutend das 2:0 (0:0) nach Verlängerung gegen Borussia Dortmund für Guardiola aber gewesen ist, war ihm Stunden zuvor nach dem Schlusspfiff im Berliner Olympiastadion anzusehen. Der 43-Jährige fiel jedem in die Arme, der seinen Weg kreuzte. Guardiola küsste die Goldmedaille, die ihm Bundespräsident Joachim Gauck für den 17. Pokalsieg in der Geschichte des FC Bayern umgehängt hatte, bevor Kapitän Philipp Lahm die Trophäe im goldenen Konfettiregen in die Höhe stemmte.

Guardiola hatte mit einer taktischer Variante den Schlüssel zum Erfolg gegen den BVB gefunden und bewiesen, dass er keineswegs stur an seiner Grundidee hängt, sondern sie sehr wohl flexibel auszulegen weiß. „Das war mein wichtigstes Jahr überhaupt als Trainer. Ich habe viel gelernt, ich bin als Trainer besser geworden und ich kenne jetzt die Mentalität in Deutschland: Auch wenn du alles gewinnst, ist es nicht genug“, sagte Guardiola.

Auf eine Dreierkette mit dem letztlich überragenden Javi Martinez als zentralem Mann zu setzen, brachte den Bayern die nötige Stabilität und nahm dem BVB seine gefährlichste Waffe. „Dortmund ist die beste Kontermannschaft nach Real Madrid. Wir haben die Konter kontrolliert, das war der Unterschied“, sagte der Coach.

Dazu zeigte seine Elf einen enorm starken kämpferischen Auftritt und hatte „Mister Endspiel“ Arjen Robben beim 1:0 in der 107. Minute zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Thomas Müller (120.+3) löste mit einer wahren Energieleistung endgültig den kollektiven Jubelsturm aus. „Unsere Saison ist ein bisschen von diesem Spiel abhängig gewesen“, sagte Müller mit Blick auf die Debatten der Vorwochen, in denen sich auch Guardiola mit ungewöhnlich starker Kritik auseinandersetzen musste.

Der Vorwurf, er habe keinen Plan B, wenn sein Spiel der erdrückenden Dominanz nicht funktioniert, stand gerade seit dem Ausscheiden in der Champions League gegen Real Madrid im Raum. Nach Ansicht der Bayern waren diese Anschuldigungen vollkommen deplatziert gewesen. „Es ist nicht der richtige Zeitpunkt den Leuten zu erklären, dass diese Diskussion unglaublich ist. Aber unglaublich schlecht“, sagte Sportvorstand Matthias Sammer bei Sky mit beißender Ironie.

Den Kritikern hat der FC Bayern die Angriffsfläche genommen. „Jetzt haben wir zumindest bis Ende Juli den Deckel drauf“, sagte Thomas Müller zufrieden, denn vor dem deutschen Gigantenduell hatten nicht wenige dem Meister eine Niederlage vorhergesagt.

„Wir wollten unbedingt gewinnen. Alle hatten uns ein bisschen abgeschrieben. Ich freue mich noch mehr darüber wegen der Kritik. Ich glaube, ich weiß, was losgewesen wäre, wenn wir nicht gewonnen hätten“, sagte Robben, den Rummenigge als „Dortmunds Bestia Negra“ bezeichnete, weil er wie schon im Champions-League-Endspiel in London vor einem Jahr zum BVB-Schreckgespenst wurde.

Den Startschuss für die große Partynacht gab dann der verletzte, aber ebenfalls höchst vergnügte Bastian Schweinsteiger. „Feuer frei! `, rief der Vize-Kapitän, den Knieprobleme in die Zuschauerrolle gedrängt hatten, weit nach ein Uhr ins Mikrofon. Für den 29-Jährigen war es bereits der siebte Pokalerfolg mit den Bayern, womit er vor Oliver Kahn nun alleiniger Rekordhalter ist.

Nur noch ein Randthema war die Ausbootung von Stürmer Mario Mandzukic, und irgendwie entstand auch der Eindruck, dass den Kroaten keiner so richtig vermisste. Guardiola hatte auch hier sehr konsequent gehandelt und bewusst ein Risiko einkalkuliert. `Der Trainer hat entschieden - und fertig“, sagte Sammer, der die Saison nun sogar als „herausragend“ einstufte. „Es ist jetzt unglaublich zu genießen“, fügte er an.

Dem großen Gewinner Guardiola ging das genauso.

SID

Auch interessant

Meistgelesen

Spielpraxis für Talente: Plant der FCB Kooperation mit Top-Klub?
Spielpraxis für Talente: Plant der FCB Kooperation mit Top-Klub?
Ticker: Bayern-U19 verliert dramatisches Elferschießen
Ticker: Bayern-U19 verliert dramatisches Elferschießen
Hummels hilft in Afrika: „Macht mich tief betroffen“
Hummels hilft in Afrika: „Macht mich tief betroffen“
Griezmann mit Manchester einig? Stürmer dementiert Gerüchte
Griezmann mit Manchester einig? Stürmer dementiert Gerüchte

Kommentare