Müller beim Elfer ganz cool

"Er hat sich erkundigt, wohin ich den Elfer schieße"

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Thomas Müller ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

München - Thomas Müller blieb beim entscheidenden Elfer gegen den FC Augsburg ganz cool, auch wenn es gekribbelt habe. Was FCA-Keeper Marwin Hitz zu ihm sagte, wollte er nicht ganz verraten.

Nach dem Spiel befahl Pep Guardiola die Bayern-Profis noch nachdrücklicher als sonst in die Kabine. Hinter verschlossenen Türen tobte der Coach, las ihnen die Leviten, obwohl sie 2:1 gegen den FC Augsburg gewonnen hatten. Die Strafpredigt dauerte eine geraume Weile, ehe der Trainer seine Stars in den Feierabend schickte. Er hatte sie erst wachrütteln müssen.

„Wir waren zu schläfrig, vor allem in der ersten Hälfte“, gab Thomas Müller auf seinem Heimweg zu. Erst spät gelang es, den 0:1-Rückstand zu drehen. Ein geschenkter Elfmeter war am Ende dafür nötig, Douglas Costa hatte einen Auffahrunfall mit Markus Feulner provoziert. „Die erste Hälfte reicht auch nicht für die Zweite Liga“, sagte Jerome Boateng. Mit Blick auf den Start der Champions League am Mittwoch bei Olympiakos Piräus ging er mit seiner Mannschaft hart ins Gericht: „Wir müssen an der zweiten Hälfte anknüpfen und es noch besser machen – weil das die Königsklasse ist.“

Die Bayern sind in dieser Saison bisher generell noch nicht ganz wach, sie lassen zu viele Wünsche offen und ihr wahres Potenzial schleifen. Davon profitiert ihr neuer, alter Rivale Dortmund, der aufgrund des besseren Torverhältnisses in der Tabelle höher steht. „Der BVB will wieder attackieren“, ist Müller aufgefallen. „Das ist schön für die Liga, aber unentspannter für uns.“ Er habe die Borussen bereits vor der Saison auf seiner persönlichen Titelkandidaten-Liste aufgeführt, „das ist ja nichts Verrücktes, und ich kann mir nicht vorstellen, dass es denen die letzten drei Jahre Spaß gemacht hat, deutlich hinter uns zu stehen“.

Die Münchner sollten also aufpassen, dass sie den Anschluss nicht verschlafen. Auf Touren müssen sie außerdem kommen, denn in den nächsten 23 Tagen stehen sieben Spiele an, darunter auch das Kräftemessen mit Dortmund am 4. Oktober in der Allianz Arena (Anstoß 17.30 Uhr). „Unsere Körpersprache war nicht gut, ich hoffe, das ist uns eine Lehre für die Zukunft“, kritisierte Guardiola, der einen Kräfteverschleiß nach der Nationalteamphase nur bedingt als strafmildernd zuließ: „Es ist immer schwer nach Länderspielen, aber das ist keine Entschuldigung.“

„Wir haben uns diesmal in der Nachländerspielphase ein bisschen gehen lassen und konnten uns in der ersten Halbzeit von dieser Gemächlichkeit nicht lösen“, sagte Müller, der mit der Vorlage zu Robert Lewandowskis 1:1 (es war der neunte Treffer des Polen im neunten Spiel) und seinem verwandelten Strafstoß entscheidenden Anteil daran hatte, dass es kein böses Erwachen gab. Dabei blieb er vor allem beim Elfmeter cool, was nicht leicht gewesen ist.

„Da kribbelt es selbst bei einem erfahrenen Spieler wie mir, wenn du in der 90. Minute einen wichtigen Elfer vor dir hast“, sagte der Nationalspieler, der auch noch ein paar Psychospiele des Augsburger Torwarts Marvin Hitz ertragen musste. Was er denn gewollt hatte, wurde Müller später gefragt. „Ach, er hat sich erkundigt, wohin ich den Elfer schieße“, witzelte der Münchner. „Das habe ich ihm auch gesagt.“ Nur half das offensichtlich nichts, und so konnte Philipp Lahm beruhigt feststellen, man habe am Ende „den Schalter umgelegt – aber wir müssen daraus lernen: So geht es nicht.“

Die ganzen Emotionen um den Strafstoß könne er nachvollziehen, sagte Müller, „das ist ja normal, bei so einer Entscheidung in der 90. Minute – da hätten sich die Augsburger auch aufgeregt, wenn Markus Feulner die Blutgrätsche ausgepackt hätte“. Dass der Rempler gegen Douglas Costa so überhart sanktioniert wurde, sei bitter: „Aber unser Sieg war nicht unverdient, das steht ja auch außer Frage.“

Dann trollte sich Müller, er hatte noch was vor um Mitternacht: Auf seinen 26. Geburtstag anzustoßen. Dass er diesen Termin verschlafen hat, ist schwer denkbar.

Andreas Werner

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