Ex-Stürmer Giovane Elber im tz-Interview

Bayern vor dem Umbruch: "Dann wechselt das Kommando"

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Noch haben Schweinsteiger, Ribéry und ­Robben das Kommando – bis wann?

München - Trotz der erfolgreichen Zeiten ist der nächste Umbruch beim FC Bayern nicht mehr weit. In der tz erklärt Giovane Elber, warum den Bayern vor dem Generationswechsel nicht bange sein muss.

Die Dominanz des FC Bayern in der Bundesliga ist fast schon beängstigend, der dritte Meistertitel in Serie ist den Roten bei elf Punkten Vorsprung auf den VfL Wolfsburg kaum noch zu nehmen. Zu gut sind die Münchner für den Rest der Liga, selbst ohne Topstars wie Robben, Ribéry, Neuer und Alonso fuhren sie in Bremen einen ungefährdeten 4:0-Sieg ein. Doch kein geringerer als Franz Beckenbauer glaubt nicht an ein Dauer-Abo seines FCB auf die Schale. „In den nächsten zehn Jahren werden sie sicher nicht jedes Mal Meister. In den nächsten zwei, drei Jahren kommt ein Umbruch, dann werden die Karten neu gemischt“, erklärte der Kaiser bei Sky90.

Giovane Elber.

Einer, der am letzten Meisterhattrick der Roten (1999-2001) großen Anteil hatte, ist Giovane Elber. Von 1997 bis 2003 stand er beim Rekordmeister unter Vertrag und erlebte in dieser Zeit auch die Abgänge von den Leitwölfen Lothar Matthäus und Stefan Effenberg. In der tz erklärt der Brasilianer, warum den Bayern vor einem Umbruch nicht bange sein muss.

Herr Elber, büßt der FCB an Dominanz an, wenn Spieler wie Lahm, Schweinsteiger, Robben und Ribéry in einigen Jahren nicht mehr da sind?

Elber: Nein, das glaube ich nicht. Das ist eine ganz normale Situation, irgendwann muss mal ein Umbruch kommen. Die Spieler werden älter – auch die goldene Generation des FC Bayern. Ich bin mir sicher, dass die Bayern gute Spieler finden werden, um diese Lücken zu schließen. Allerdings müssen sie aufpassen, dass dieser Prozess nicht zu lange dauert. Das kann die Ansprüche der Bayern gefährden.

Während Ihrer Zeit sind 2000 mit Matthäus und zwei Jahre später mit Effenberg zwei absolute Leader gegangen. Wie hat man diese Verluste aufgefangen?

Elber: Wir haben sie damals sehr gut aufgefangen. Als Lothar in die USA gewechselt ist, war Stefan ja da und auch Oliver Kahn. Und als Stefan wegging, war nicht nur Olli da, sondern inzwischen auch ein Michael Ballack, der in eine Führungsrolle gewachsen war. Dann wechselt das Kommando und die Jagd nach Titeln geht weiter.

Wie kristallisieren sich neue Leitwölfe heraus?

Elber: Das geschieht ganz automatisch. Wenn ein Führungsspieler geht, treten andere aus seinem Schatten hervor. Das funktioniert innerhalb der Mannschaft von alleine, da gibt es keine Anweisungen vom Trainer.

Wer übernimmt denn dann beim FCB in einigen Jahren die Rolle von Lahm, von Schweinsteiger?

Elber: Da gibt es einige. Manuel Neuer ist ja jetzt schon dritter Kapitän. Und auch Thomas Müller ist jetzt schon ein großer Spieler, der mehr und mehr in Führungsaufgaben hineinwächst. Ich vergleiche ihn ein bisschen mit mir. Ich war zwar nie Kapitän, aber trotzdem zählte mein Wort in der Kabine. Der Respekt war da, so ist es bei Thomas auch. Und vergessen sollte man auch Jerome Boateng nicht. Er hat eine gute Entwicklung genommen und definitiv das Potenzial zum Führungsspieler.

Wie verändert sich die Hierarchie auf dem Feld? Darf jeder Anweisungen geben, der sich dazu berufen fühlt?

Elber: Da geht es nur ums gewinnen. Das war zu meiner Zeit schon so. Ob ich Anweisungen von Olli Kahn oder Willy Sagnol erhalten habe, war egal. In erster Linie will man erfolgreich sein.

Nicht alle Abgänge kann man immer intern auffangen. Für Nachfolger von Robben und Ribéry wird man tief in die Tasche greifen müssen…

Elber: Das stimmt. Heutzutage musst du schon für gute Spieler viel Geld bezahlen. Und die beiden sind nicht nur gut, sondern weltklasse. Leider werden auch sie älter. Deshalb wird der FC Bayern schon eine Menge Geld in die Hand nehmen müssen, um adäquaten Ersatz für die beiden zu finden.

Wer schwebt Ihnen da so vor? Gibt es in Brasilien vielleicht ein hoffnungsvolles Talent?

Elber: Mit der Qualität allein ist es nicht getan. Wenn ein Spieler den FC Bayern besser machen soll, muss er auch von der Mentalität her nach München passen. Wenn er nicht ins Kollektiv passt, wird es selbst für einen Weltklassespieler schwer. Ich nenne gerne ein Beispiel: Arjen Robben. Über seine fußballerische Qualität brauchen wir uns nicht unterhalten. Aber anfangs passte er bei den Bayern nicht ins System, war zu eigensinnig. Die Verantwortlichen achten sehr darauf, dass ein neuer Spieler zum Verein passt. Einen Spieler wie Zlatan Ibrahimovic wird es beim FC Bayern nicht geben, egal wie gut er ist.

Interview: sw

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