Escher erklärt Peps Taktik-Plan

Taktik-Experte: So will Bayern in dieser Saison spielen!

+
Tobias Escher.

München - "Wer große Pläne hat, nehme sich Zeit", lautet ein Ausspruch des griechischen Dichters Sophokles. Ähnliches dürfte sich Pep Guardiola auch bei seinem Amtsantritt bei den Bayern gedacht haben.

Sein eigentlicher Plan lautete, im ersten Jahr den Spielern die taktischen Grundlagen seines Ballbesitz-Spiels beizubringen, um im zweiten Jahr an die Feinheiten zu gehen. So steht die neue Saison der Bayern im Zeichen einiger taktischen Veränderungen, deren Umsetzung aber durch Verletzungen und Formkrisen gebremst wird.

Die größte taktische Neuerung bei den Bayern ist die Dreierkette. Schon im Champions-League-Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid wollte Guardiola auf eine Dreierkette setzen, entschied sich dann aber um. Die 0:4-Niederlage dürfte ihn in seiner Entscheidung pro Dreierkette ebenso bestärkt haben wie der Pokalsieg über Borussia Dortmund, als die Bayern mit einem 3-6-1-System den DFB-Pokal gewannen. Die Bayern interpretieren die Dreierkette dabei anders als beispielsweise die erfolgreichen WM-Teilnehmer Holland und Costa Rica. Während diese Teams mit einem Mix aus Dreier- und Fünferkette agierten, spielen die Außenverteidiger bei den Bayern wesentlich offensiver. Durch den hohen Ballbesitzanteil und das aggressive Pressing stehen die Außenverteidiger fast nie auf einer Höhe mit den drei zentralen Verteidigern, sodass auch nur selten eine Fünferkette entsteht.

Pep Guardiola will, dass der FC Bayern möglichst unberechenbar ist

Somit liegen die Vorteile der Dreierkette bei den Bayern nicht in einer zahlenmäßig stärkeren Defensive, sondern im Spielaufbau. Mit drei Verteidigern plus dem spielstarken Manuel Neuer lässt sich ein gegnerisches Pressing leichter auflösen als mit nur zwei Innenverteidigern. Zugleich müssen sich die Außenverteidiger seltener in der eigenen Hälfte als Anspieloption anbieten. Dadurch können sie zusammen mit den Sechsern eine Überzahl im Mittelfeld herstellen – jene Zone, die Guardiola unbedingt kontrollieren will.

Offensiv probierte Guardiola verschiedene Formationen aus. Zuletzt agierten die Bayern mit einem Mix aus 3-4-2-1 und 3-4-1-2, doch sie testeten auch andere Formationen wie ein 3-6-1 oder ein hochmodernes 3-3-3-1. Zudem könnten die Bayern mit der Rückkehr von Robben und Ribéry auf eine klassische Flügelzange setzen, was die Formation zu einem 3-4-3 werden ließe. Guardiola selbst hält nicht so viel von solchen Zahlenkombinationen. Für ihn steht die taktische Flexibilität im Vordergrund. Er möchte sein Team auf die Stärken und Schwächen des Gegners einstellen und selbst nicht ausrechenbar sein. Momentan gestaltet sich das aufgrund der Personallage aber eher schwierig. Viele Schlüsselspieler sind verletzt oder nach der WM noch nicht in Form.

Im Ballbesitz-Spiel wartet noch viel Arbeit auf Pep und den FC Bayern

Zudem muss Pep Guardiola seine Neuzugänge erst an sein System gewöhnen. Gerade Robert Lewandowski fremdelte in den ersten Spielen noch etwas mit dem Ballbesitz-Spiel. Immer wieder bot er sich für lange Bälle an, die im Bayern-System nicht vorgesehen sind. So ist der Spielaufbau noch eine Baustelle. Von dem dominanten Passspiel im Mittelfeld war vor allem im Supercup gegen Borussia Dortmund wenig zu sehen. So sind die Bayern nicht nur in personeller, sondern auch in taktischer Hinsicht eine kleine Wundertüte. Es könnte sogar sein, dass Guardiola von der größten Konstante der Vorbereitung, der Dreierkette, wieder abrückt, schließlich fehlen ihm durch die Verletzung von Javi Martínez die Alternativen für die Innenverteidigung. Auch im Ballbesitz-Spiel wartet noch viel Arbeit, um an die starken Leistungen der Vorsaison anknüpfen zu können. Guardiola wird sich Zeit nehmen müssen – Zeit, die ein Trainer des erfolgsverwöhnten FC Bayerns eigentlich nicht hat.

Tobias Escher

Auch interessant

Meistgelesen

Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Goretzka: Angeblich gibt es eine Tendenz
Goretzka: Angeblich gibt es eine Tendenz
Transfergerüchte und aktuelle News: Welche Spieler sind beim FC Bayern München im Gespräch?
Transfergerüchte und aktuelle News: Welche Spieler sind beim FC Bayern München im Gespräch?
Vergleich mit Pep und Carlo: Wie Heynckes das FCB-Training umkrempelt
Vergleich mit Pep und Carlo: Wie Heynckes das FCB-Training umkrempelt

Kommentare