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Bayern nach Peinlich-Pleite gegen Stuttgart: „Nach Madrid war ein bisschen die Luft raus“

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FC Bayern München feiert Meisterschaft
Nach der Meistersause auf dem Rasen gingen die Festlichkeiten der Bayern-Spieler am Nockherberg weiter. © dpa / Adam Pretty

Sein letztes Heimspiel als Trainer von Bayern München hatte sich Jupp Heynckes anders vorgestellt. Aber das 1:4 (1:2) gegen den VfB Stuttgart sollte weder die Saison noch die Meisterfeierlichkeiten trüben.

München - Jupp Heynckes nahm es mit Humor. Was passend war an einem Ort, an dem sich jährlich über Politiker lustig gemacht wird - "derblecken" nennen sie das in Bayern. "Das Spiel", sagte Heynckes am frühen Samstagabend auf dem Nockherberg in München zu den Gästen der internen Meisterfeier des FC Bayern, "bitte verzeihen sie uns das." Er habe für Sonntag "einen freien Tag angesetzt" gehabt, aber die Spieler hätten sich "wohl im Datum geirrt und ihn heute wahrgenommen." Gelächter. Applaus.

Alles gut? Alles gut. Das völlig unerwartete, aber dennoch auch gerechtfertigte 1:4 (1:2) gegen den VfB Stuttgart hatte Heynckes die Laune nicht verhagelt. "Das Spiel schmälert die überragende Saison nicht, wischt sie nicht weg", sagte er. Aber es ließ die ohnehin routiniert ablaufenden Feierlichkeiten noch etwas kühler und freudloser erscheinen als sonst schon. Heynckes beteiligte sich ohnehin nur kurz. Nach der Übergabe der Meisterschale ging er flugs in die Kabine - und den Bierduschen aus dem Weg.

Heynckes: „In Berlin wird eine andere Bayern-Mannschaft spielen als heute“

Das Spiel war zumindest ein kleiner Stimmungsdämpfer. "Wir haben scheiße gespielt", meinte Niklas Süle drastisch. Nach dem Bad im rot-weißen Konfettiregen und dem obligatorischen Verschütten von literweise Weißbier, bei dem sich vor allem der seit September verletzte Kapitän Manuel Neuer hervortat, zogen sich die Bayern auf den Nockherberg zurück. Übermäßig ausgelassen sollte es dort allerdings nicht zugehen. "Wir haben noch ein wichtiges Ziel vor der Brust", sagte Torwart Sven Ulreich.

Es wird gewiss auch Heynckes ein Anliegen sein, sich nach dem DFB-Pokal-Finale am kommenden Samstag gegen Eintracht Frankfurt nicht mit einem ähnlich dürftigen letzten Eindruck wie gegen den VfB ins Schwalmtal zurückzuziehen. Dieser "Weckruf", wie Thomas Müller die Niederlage nannte, wird die Sinne wohl noch einmal schärfen. "In Berlin wird eine andere Bayern-Mannschaft spielen als heute", versicherte Heynckes und kündigte eine "optimale" Vorbereitung ab Dienstag an.

Irgendwie, bekannte Mats Hummels nach Teil eins der Festivitäten zum 28. Meistertitel, hatte sich der Larifari-Auftritt unter der Woche bereits angedeutet - und seine Ursache im Halbfinal-Aus in der Champions League. "Nach Madrid war ein bisschen die Luft raus", sagte er. "Die Mentalität war nicht mehr vorhanden, wir haben es laufen lassen. Wir haken es als Betriebsunfall ab, ab Dienstag gilt: volle Kraft voraus", machte Müller klar. Unklar ist, inwieweit das für den am Fuß verletzten Hummels gilt.

Spieler haben am Nockherberg bis in die Morgenstunden „getanzt, gesungen und gefeiert“

Zu den defensiven Aussetzern, die die Stuttgarter Tore von Daniel Ginczek (5./55.), Chadrac Akolo (52.) und Anastasios Donis (42.) begünstigten, kam außerdem ein verschwenderischer Umgang mit den eigenen Chancen. So verpasste Torschützenkönig Robert Lewandowski mehrfach seinen 30. Treffer, nur Corentin Tolisso (21.) war erfolgreich.

Gefeiert wurde selbstverständlich dennoch standesgemäß, die Bayern hatten sich auch nicht lumpen lassen und zu Unterhaltung der Gäste in Wyclef Jean einen singenden Weltstar verpflichtet. "Sechsmal in Folge Meister zu werden ist nicht nur ein Rekord, es ist etwas Unglaubliches", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Bis in die frühen Morgenstunden, vermeldete der FC Bayern am Sonntag auf seiner Homepage, wurde deshalb am Nockherberg "getanzt, gesungen und gefeiert".

In einer Woche, wenn dann die traditionelle Sause auf dem Marienplatz steigt, soll es weitaus emotionaler werden bei den Bayern, dann zusätzlich mit dem Pokal. "Dann hätten wir mit dem Double und den guten Spielen in der Champions League eine tolle Saison gespielt", sagte Rummenigge vorausschauend. "Jeder brennt auf den Titel", versicherte Müller, dies habe auch nichts mit dem Abschied von Heynckes zu tun. Das Double allein ist Anreiz genug.

Und die Stuttgarter werden dafür die Daumen drücken: Ein Pokalsieg der Münchner würde der zweitbesten Mannschaft der Rückrunde einen Start in der Qualifikation für die Europa League ermöglichen - als Aufsteiger.

SID

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