Neuzugang im tz-Interview

Bernat über Deutsche: "Kleinkariert? Organisiert!"

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Neuzugang Juan Bernat will so schnell wie möglich Deutsch lernen.

München - Freundlich und vorsichtig – so erwartet Neu-Bayer Juan Bernat die tz zu seinem ersten größeren Interview in München.

Hola, Juan! Hat nicht ganz geklappt mit Ihrem Weltmeister-Tipp Argentinien…

Bernat: (lacht) Das war ja nur ein Scherz. Für mich war klar, dass es Deutschland wird. Sie waren die stärkste Mannschaft des Turniers. Und das sage ich nicht, weil ich jetzt hier in München bin.

Haben Sie sich von ihren neuen Kollegen den ein oder anderen Spruch über die früh ausgeschiedenen Spanier anhören müssen?

Bernat: Nein, aber vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass von meinen Mitspielern nur Thiago Spanisch spricht.

Ist die spanische Ära vorbei?

Bernat: Ganz und gar nicht! Freilich lief die WM nicht so wie wir uns das alle vorgestellt haben. Aber der spanische Fußball ist deswegen noch lange nicht aus der Mode.

"Gebe mein Bestes, um die Sprache schnell zu lernen"

Wie man am Beispiel des FC Bayern sieht. Wo hatten Sie denn mehr spanische Mitspieler: hier oder beim FC Valencia?

Bernat: (lacht) Bei Valencia waren es schon ein paar mehr, aber es stimmt schon: Es kommen immer mehr Spanier. Javi Martínez, Thiago, ich, der Trainer – das spricht doch für die Bundesliga.

Unterhalten Sie sich mit dem Trainer auch auf spanisch?

Bernat: Ja. Und auf Valencianisch.

Aha.

Bernat: Es ist fast das Gleiche wie Katalanisch. Nur dass wir in Valencia Valencianisch dazu sagen.

Wie sieht’s mit Deutsch aus?

Bernat: Uff! Schwierig. Zum Glück können Thiago, Rafinha und Pizarro Spanisch, sie kümmern sich wirklich reizend um mich. Mit dem Rest versuche ich natürlich auch zu kommunizieren, da ist noch Luft nach oben. Aber ich gebe mein Bestes, um die Sprache schnell zu lernen.

Wie kommen Sie sonst mit der neuen Umgebung zurecht?

Bernat: Mich beeindruckt die Organisation hier. In Spanien fällt in diesem Zusammenhang oft der Begriff kleinkariert, aber so würde ich das nicht beschreiben. Eher organisiert. Das imponiert mir.

Vermissen Sie denn schon etwas?

Bernat: (blickt zum Himmel) Momentan ist es ja ganz angenehm. Aber was den Winter angeht, habe ich schon Schauergeschichten gehört. Da könnte es dann schon sein, dass ich mich ein wenig nach der spanischen Sonne sehne.

Ziehen Sie alleine nach München oder begleitet Sie jemand?

Bernat: Familie und Freunde haben sich schon für Besuche angekündigt. Aber erst mal will ich alleine hier sein.

Wie schwer war es, mit einem Schlag alles hinter sich zu lassen?

Bernat: Die ersten Tage waren nicht einfach. Man merkt, das auf einmal alles anders ist. Auch die Familie vermisst man natürlich. Aber das bringt so ein Schritt mit sich, denke ich.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie vom Interesse des FC Bayern erfahren haben?

Bernat: Ich war stolz und überglücklich, dass sich so ein großer Klub für mich interessiert. Und es war auch der Lohn für die Arbeit in den Jahren zuvor. Ich habe es mir nicht zweimal überlegen müssen.

Welche Rolle hat Pep Guardiola bei Ihrer Verpflichtung gespielt?

Bernat: Er hat mir in unseren Gesprächen stets vermittelt, dass er großes Interesse daran hat, dass ich hierher komme. Dafür war und bin ich ihm sehr dankbar.

Matthias Sammer sagte, dass Sie nicht als Backup eingeplant seien.

Bernat: Als Spieler will man natürlich immer spielen. Aber in einem Klub mit einer derartigen Leistungsdichte muss man sich den Stammplatz immer wieder im Training erarbeiten. Das werde ich auch tun.

Was halten Sie von David Alaba?

Bernat: Großartiger Spieler, der mir schon immer gefallen hat. Da ich ja auch vom Außenstürmer zum Außenverteidiger umgeschult wurde, habe ich mich immer an den Besten der Welt orientiert. Und Alaba gehört da zweifelsohne dazu.

Nach Toni Kroos’ Wechsel zu Real Madrid könnte Alaba ins Mittelfeld rücken. Dann wäre der Platz hinten links frei.

Bernat: Daran denke ich jetzt nicht. Für mich kommt es erst mal darauf an, mich zu beweisen. Den Rest entscheidet ohnehin Pep.

Mit Jordi Alba hat Guardiola damals einen Spieler zu Barca geholt, der Ihnen sehr ähnelt. Schmeichelt Ihnen der Vergleich?

Bernat: Prinzipiell lehne ich Vergleiche lieber ab, das sollen andere übernehmen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Jordi Alba ist ein herausragender Spieler, der in seiner Karriere schon eine Menge erreicht hat. Aber ich versuche, meinen eigenen Weg zu gehen.

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Quirlige, schnelle Außenverteidiger sind im Moment sehr gefragt, oder?

Bernat: Das stimmt. Jordi Alba, Alberto Moreno vom FC Sevilla – das sind alles Spieler, die von Flügelstürmern zu offensiven Außenverteidigern umgeschult wurden. Im modernen Fußball ist das eine sehr offensive Position, die schon viele gute Spieler hervorgebracht hat. Ich hoffe, dass ich mich in diese Riege einreihen kann.

Um dann alsbald den Sprung von den U-Nationalmannschaften in die spanische Seleccion zu schaffen?

Bernat: Das ist im Moment noch sehr weit weg. Ich konzentriere mich jetzt erst mal auf das Hier und Jetzt. Aber wenn es eines Tages so weit ist, dann werde ich natürlich nicht nein sagen.

Interview: Jose Carlos Menzel Lopez

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