tz-Interview

Paderborn-Manager: Das sind unsere Sorgen

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Paderborn-Manager Michael Born.

München - Michael Born ist der Manager des Überraschungsaufsteigers SC Paderborn. Im tz-Interview spricht er über den Höhenflug der Ostwestfalen und verrät, welche Sorgen der Klub hat.

Herr Born, wie stellen Sie sicher, dass Ihr Team den Tabellenvierten nicht unterschätzen wird? 

Born (lacht):Ich glaube, diese Gefahr ist nicht gegeben. Die Jungs wissen schon genau, gegen welchen außergewöhnlichen Gegner sie spielen.

Sie sind immerhin Tabellenführer, die Favoritenrolle müssen Sie schon annehmen!

Born: Wir sind in der Bundesliga angekommen, aber wir sind immer noch krasser Außenseiter. Wir gucken einfach nicht zu sehr auf die Tabelle.

Gut, um die Schmunzelpunkte dann abzuschließen: Sie haben Distanzschütze Stoppelkamp im Team, der FC Bayern Ausflügler Manuel Neuer. Das spricht auch für Sie!

Born (lacht): Das stimmt sogar! Aber da hat er gegen Hannover ein Tor geschossen, wie es nur alle 50 Jahre einmal fällt. Das werden wir in München wohl nicht noch mal sehen.

Als Leverkusen am Sonntagabend verloren hatte, stand Platz eins endgültig fest. Haben Sie da einen Sekt aufgemacht?

Born: Nein. Bei Leverkusen sitzt unser Ex-Trainer Roger Schmidt auf der Bank. Und wenn Roger verliert, dann ist das für mich kein Grund zur Freude. Zudem war ich selbst unterwegs, habe mir mit unserem Co-Trainer unseren nächsten Gegner Mönchengladbach angesehen. Aber klar: Für unsere Fans ist Platz eins etwas Besonderes!

Was bedeutet es ganz generell den Menschen in Ostwestfalen, was da derzeit passiert?

Born: Es ist eine unheimliche Euphorie in der Stadt und in der Region. Das ist nicht selbstverständlich, aber es ist eben auch das Ergebnis sehr harter Arbeit und Akribie. Da muss ich vor allem unser Trainerteam hervorheben.

Wie zeigt sich die Euphorie? Bekommen Sie beim Bäcker auch schon mal ein Brötchen umsonst?

Born: Mein Frühstück besteht meistens nur aus einem Kaffee, daher kann ich das nicht sagen (lacht). Aber es ist schon eine große Veränderung eingetreten, das spürt man allein durch die riesige Medienpräsenz, die wir genießen dürfen.

Jos Luhukay hat bei Ihnen gearbeitet, genau wie Roger Schmidt. Irgendwann könnte auch André Breitenreiter gehen.

Born: Ja, aber im Moment ist das überhaupt kein Thema. Das gehört in dem Geschäft dazu, es gibt nur wenige Vereine, die sich dem widersetzen können. Gegen einen spielen wir ja nun. Aber wir beschäftigen uns nicht damit.

Gäbe es auch einen Punkt, an dem Sie gehen könnten?

Born: Auch damit beschäftige ich mich nicht. Es ist gerade erst ein Traum in Erfüllung gegangen, nämlich dass wir mit Paderborn in der Bundesliga spielen dürfen. Es ist das Ergebnis einer sehr guten, kontinuierlichen Entwicklung. Denn wir wissen doch alle, dass wir keine wahnsinnigen Entwicklungsschritte machen können wie Hoffenheim oder Leipzig.

Sehen Sie das kritisch? Fühlen Sie sich im Vergleich zu Red Bull Leipzig benachteiligt?

Born: Ich sehe das pragmatisch. Jeder andere Verein, der diese Möglichkeiten geboten bekäme, würde sie gern annehmen.

Wäre Herr Mateschitz nach Paderborn gereist, hätten Sie sich also zusammengesetzt?

Born: Das wäre eine Entscheidung des Gesamtvereins. Aber es gäbe sicher nur wenige Klubs, die dann kein Gespräch geführt hätten. Durch die DFL ist ja auch geregelt, dass der Einfluss bei den Vereinsverantwortlichen bleibt.

Es heißt, Sie würden sich mit Herrn Watzke sehr gut verstehen, viele Spieler des SCP kommen aus der Dortmunder Jugend.

Born: Ich kenne Aki Watzke schon sehr, sehr lange, schon vor seiner Zeit als Schatzmeister und dann Geschäftsführer bei Dortmund. Er war damals Präsident des kleinen Vereins Rot-Weiß Erlinghausen. Seit dieser Zeit besteht ein guter Kontakt.

Dass Sie sich so gut verstehen trübt aber nicht Ihr Verhältnis zu Herrn Rummenigge – oder doch?

Born: Nein, Herrn Rummenigge oder auch Herrn Sammer sehe ich oft bei den Tagungen. Ansonsten habe ich auch Herrn Hopfner schon oft getroffen. Das Miteinander ist immer absolut okay.

In München stehen Themen wie Financial Fairplay, Länderspiel-Terminhatz, Störfeuer von außen auf dem Plan. Was sind die Sorgen eines SC Paderborn 07?

Born: An erster Stelle wollen wir unsere Infrastruktur nachhaltig verbessern, im Moment haben wir nämlich nur einen einzigen Trainingsplatz ohne Rasenheizung. Deshalb arbeiten wir im Moment sehr intensiv mit der Stadt Paderborn daran, ein Trainingszentrum zu verwirklichen. Das ist ein sehr wichtiger Schritt, um dauerhaft im Profifußball konkurrenzfähig zu sein.

Interview: Michael Knippenkötter

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