tz-Interview

Breitner: "Pep wird den richtigen Zeitpunkt finden"

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Macht Pep Guardiola den Abflug? Geht es nach Paul Breitner, wird der Trainer des FC Bayern den richtigen Zeitpunkt für eine Vertragsverlängerung schon finden.

München - Er hätte es nicht für möglich gehalten, doch Paul Breitner hat zuletzt einen FC Bayern gesehen, der noch einmal stärker aufgetreten ist als in den Erfolgsjahren zuvor. In Sachen Guardiola bleibt er gelassen.

Die Vorrunde bezeichnet Breitner im Interview mit der tz als „wertvollste und überzeugendste“ der Geschichte und erläutert, welchen Anteil der Trainer an dieser Leistung hat. Dass Pep Guardiola dadurch wieder einmal Begehrlichkeiten weckt, auch und gerade beim vermeintlichen Herzensverein FC Barcelona – Breitner ist’s egal! Der FCB-Botschafter bleibt gelassen.

Herr Breitner, in der Winterpause gab es Gerüchte, nach denen Joan Laporta Pep Guardiola zurück zum FC Barcelona holen möchte. Wie wichtig wäre eine Vertragsverlängerung Guardiolas für den FC Bayern?

Breitner: Unser Kader und der Trainer ergänzen sich perfekt. Wir sind in der glücklichen Situation, dass es eine 100-prozentige Symbiose zwischen den Spielern und dem Trainerstab gibt. Das ist auch ein Grund, warum die Mannschaft diese fantastische Vorrunde gespielt hat. Es passt einfach alles. Ich bin mir sicher, dass Pep den richtigen Zeitpunkt finden wird, um seine Entscheidung bekannt zu geben.

Hat er den FC Bayern noch stärker gemacht?

Breitner: Entgegen vieler Erwartungen ist es Pep gelungen, unser Spiel noch einmal einen Tick weiter zu veredeln. Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal einen dermaßen variablen Trainer wie ihn gesehen zu haben. Es ist unglaublich, wie dieser Mann ein Spiel von der ersten Minute an seziert. Er hat einen Röntgenblick und zieht von der einen auf die andere Sekunde die richtigen Schlüsse.

Wenn jetzt bald alle Spieler wieder fit sind, muss er sie bei Laune halten. Auch das ist eine Kunst…

Breitner: Das ist keine Kunst, das ist ein Hochgenuss. Heute ist die Rotation doch üblich. Und es ist doch kein Glück, wenn Spieler verletzt sind. Im Gegenteil: Es gibt für die Mannschaft und den Trainer nichts Schöneres, als mit dem kompletten Kader trainieren zu können. Vor allem, wenn er so gigantisch ist wie unserer.

Gibt es überhaupt Spieler, die den FCB noch besser machen können? Lionel Messi scheint in Barcelona ziemlich unzufrieden zu sein…

Breitner: Der FC Barcelona interessiert mich derzeit ehrlich gesagt relativ wenig. Denn ich kann nicht beurteilen, was da los ist und das steht mir auch nicht zu. Und wenn sich irgendjemand außerhalb Kataloniens Gedanken über Lionel Messi machen möchte, dann soll er das tun.

Wann wird der FCB in dieser Saison zum ersten Mal richtig gefordert? Wenn die Champions League in die heiße Phase geht oder wenn der interne Konkurrenzkampf erst mal richtig tobt?

Breitner: Wir richten uns nicht nach dem Gegner. Der FC Bayern war schon immer von seiner eigenen Stärke abhängig. Mit seiner Vertragsunterschrift hat jeder Spieler zu verinnerlichen, dass er möglichst jedes Spiel und jeden Titel gewinnen muss. Deshalb ist jeder immer gefordert, sein Bestes zu geben. Die Frage, wann die Mannschaft richtig gefordert wird, ist für mich daher nicht existent. Das ist sie sowieso in jedem Spiel, in dem sie versucht, an ihre absolute Leistungsgrenze zu gehen.

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Ist das auch das Geheimnis der momentanen Stärke?

Breitner: Meiner Meinung nach war diese Vorrunde die beste, die wertvollste und die überzeugendste, die es jemals in der Bundesliga-Geschichte des FC Bayern gab. Wie sich unsere Mannschaft nach dieser WM in Brasilien präsentiert hat, ist beeindruckend. Egal, wie schwer es ihr manchmal gefallen ist, sie wollte jedes Spiel gewinnen und konnte am Ende sogar noch mal ein, zwei Gänge hochschalten wie in Mainz. Das ist ‚Mia san Mia‘ bis zum letzten Atemzug. Ich weiß nicht, ob es das in so einer überzeugenden Form schon einmal gab.

Was muss das Team besser machen, um einen Einbruch wie in der vergangenen Saison zu vermeiden?

Breitner: Die Mannschaft wird ganz sicher nicht mehr den ein oder anderen Gang zurückschalten. Das ist in der letzten Saison leider passiert. Wenn man sich zwei, drei Spiele lang schont und nicht voll dabei ist, kann man nicht mal eben mit den Fingern schnipsen und wieder von 70 auf 100 Prozent hochschalten. Das funktioniert nicht. Für mich kommt es darauf an, dass jeder Spieler ein Gespür dafür entwickelt, wann und wie weit er sich mal zurücklehnen kann, aber trotzdem jederzeit in der Lage ist, den Turbo sofort wieder anzuwerfen.

Interview: sw

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