Geisterkick in Moskau

Elfmeter, drei Punkte - und nichts wie weg!

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Champions League ohne Zuschauer - das braucht eigentlich keiner.

Moskau - Der FC Bayern hat sich im skurrilen „Geisterspiel“ von Moskau nicht erschrecken lassen und hält mit dem 100. Sieg in der Champions League Kurs Richtung Achtelfinale.

Was für ein ekliges Ding! Erst die Evakuierung aus dem Nobelhotel, dann das Geisterspiel in der Arena Khimki und am Ende auch noch Beton anrührende Moskauer – doch die Reise hat sich gelohnt. Eine Müller’sche Elferkiste reichte den Bayern, um die Exkursion ins zapfige vier Grad kalte Moskau mit einem Dreier abzuschließen. Es war der zweite in der laufenden Saison, der 100. in der Königsklasse – nastrovje!

„Es war ein komisches Spiel“, resümierte Goalgetter Müller hinterher. „Nicht nur wegen der Fans, auch wegen der Spielweise des Gegners. Aber wir fahren hochzufrieden nach Hause. Wir haben die drei Punkte eingefahren, etwas anderes gab’s hier eh nicht zu gewinnen.“

ZSKA sucht Schutz am eigenen Strafraum

Thomas Müler (r.) erzielte das Tor des Tages in Moskau.

Das bizarre Szenario hatte erst etwas von Bezirksliga bei Flutlicht. Rund 400 Zuschauer, dazu mehrere Zaungäste und 22 brüllende Kicker – das Niveau gab dann schließlich aber doch Aufschluss über den Wettbewerb – vor allem das der Bayern. Kaum hatte Schiri Collum den Geisterkick angepfiffen, spielten sich die Münchner das Leder elegant hin und her. Die Reaktion der Moskauer: Schutz suchen in der eigenen Hälfte.
Früher oder später mussten die Chancen kommen. Und sie kamen. Erst zielte Götze zu hoch (15.), dann scheiterte Robben an Akinfeev (18.) – und nach zwanzig Minuten stürzte das Bollwerk schließlich ein. Götze nahm die Kugel am Sechzehner an, tanzte Fernandes aus, der den bayerischen Wirbelwind direkt umsenste. Elfmeter. Chefsache. Müller macht’s. Der Kommentar des Torschützen: „Ich bin leicht gerutscht. Aber solange er drin ist, ist mir das wurscht.“
Doch die folgenden Minuten sollten Pep Guardiola die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Hatten sich die Bayern bis dahin noch lockerfröhlich vors ZSKA-Tor kombiniert, drehten nun die Hausherren auf – und zwar wie. Erst ließ Musa Benatia tatsächlich wie einen Bezirksligisten stehen, dann ließ auch noch Eremenko einen Strahl raus. Am Ende grinste aber immer nur einer: Manuel Neuer.

Einmal die 5! Bilder & Noten zu Bayerns Sieg vor Moskauer Geisterkulisse

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Guardiola selbst sah es hernach nicht so eng. „Wir waren aufmerksam, haben das kontrolliert“, sagte der Spanier bei Sky. „Es war ja auch eine weite Reise nach Moskau und ein bisschen seltsam ohne die Fans.“ Sah auch Karl-Heinz Rummenigge so: „Es war ein komisches Spiel ohne Atmosphären und ohne Emotionen“, so der Vorstandsboss der Münchner. „Wir sind zufrieden, dass wir die drei Punkte mitgenommen haben. Wir haben einige Chancen liegen lassen, sonst wäre es wohl deutlicher ausgefallen.“

In der Tat. Nach einer Dreierchance durch Robben, Lewandwoski und Götze ging’s zum Pausentee, nach der Pause ging das fröhliche Chancenvergeben aber weiter. Doch auch ZSKA lauerte auf die ein oder andere Konterchance. Immer wieder stellten Musa, Tosic & Co. Neuer auf die Probe (52, 54, 74.), sodass es Guardiola zu bunt wurde. Der Spanier brachte Rafinha für Robben, um die drei Punkte sicher nach Hause zu bringen. Es gelang – auch wenn Müller (85.) und Shaqiri (86.) noch zwei Hochkaräter liegen ließen.

Nach einem leckeren Gaumenschmaus von Chefkoch Alfons Schuhbeck ging es gestern Abend noch zurück in die Heimat. Im Gepäck: Der zweite Dreier in der laufenden Champions League und ein weiterer Rekord. In Moskau spielten Xabi Alonso & Co. die Kugel 918 Mal hin und her – Bestwert seit Beginn der Aufzeichnungen 2003.

Das Spiel im Ticker nachlesen!

lop, sw

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