So lief die Privat-Audienz

FC Bayern spendet dem Papst eine Million Euro

+

Rom - Der FC Bayern bedankt sich für seine Privataudienz im Vatikan bei Papst Franziskus mit einer außergewöhnlichen Spende.

Es ist in der Regel eine unlösbare Aufgabe, herauszubekommen, was sich so hinter den Mauern des Vatikans abspielt – und freilich sind vor allem die Gedanken des prominentesten Bewohners des Kirchenstaates immer geheime Verschlusssache. Am Mittwoch sickerte aber tatsächlich einmal eine charmante Anekdote durch: Um kurz nach neun Uhr hatte sich Papst Franziskus erkundigt, ob der für 9.30 Uhr angesetzte Besuch auch tatsächlich wie vereinbart zur Privataudienz käme. Als dem Heiligen Vater bestätigt wurde, die Gäste seien bereits mit einer Polizeieskorte durch die Straßen Roms auf den Weg, verfügte er sofort, der Bus solle reinfahren, bis auf den Hof hinter den Petersplatz. So eine Genehmigung gab es noch nie in der langen Historie des Stadtstaates. Eine Wertschätzung für den Gast. Es handelte sich um den FC Bayern.

Papst Franziskus begrüßte den 40-köpfigen Tross, bestehend aus Funktionären, Trainern und Profis, zunächst auf Deutsch, ehe er dann für seine Ansprache auf Italienisch umschaltete. Als der Bus eine gute halbe Stunde später in Richtung Flughafen rollte, saßen die Spieler bemerkenswert in sich gekehrt auf ihren Plätzen. „So etwas vergisst du nie mehr“, schilderte Thomas Müller die Audienz, „der Papst ist ein weiser Mann. Er war sehr sympathisch, das hat sogar diejenigen bewegt, die mit dem katholischen Glauben vielleicht nicht so viel anfangen können.“ Der Heilige Vater hatte darauf bestanden, jedem Einzelnen die Hand zu schütteln, zur Erinnerung gab es für alle Besucher einen geweihten Rosenkranz, der ihnen in einem kleinen grünen Päckchen mit dem päpstlichen Siegel überreicht wurde.

Auch der FC Bayern hatte Präsente vorbereitet. Die Kapitäne Philipp Lahm und Manuel Neuer übereigneten dem „Pontifex Maximus“ ein gerahmtes Trikot mit allen Autogrammen, den Rücken zierte eine „1“ sowie der Name des Papstes. Doch das Hauptgeschenk war ein Ball aus den Händen des Vorstandschefs Karl-Heinz Rummenigge. Der Ball steht als Symbol für ein Benefizspiel im kommenden Sommer, bei dem eine Million Euro der Einnahmen dem Papst zukommen werden. Er persönlich, nicht die katholische Kirche, ist der Adressat, und er persönlich darf dann entscheiden, welchen Notleidenden mit dieser Summe geholfen werden soll. Ein Geschenk, das weit über das hinausgeht, was Fußballteams üblicherweise bei Besuchen im Vatikan mitbringen.

„Diese Audienz war einer der ganz großen Momente in der Geschichte des FC Bayern“, sagte Medienchef Markus Hörwick nach dem Besuch, die Spieler seien beeindruckt gewesen von der Ruhe, der Ausstrahlung und der Menschlichkeit des Heiligen Vaters. Man traute sich sogar, ein wenig zu scherzen. Papst Franziskus ist ja Fußballfan, und da er zudem Argentinier ist, kam die Final-Niederlage bei der WM gegen Deutschland zur Sprache. Der Papst schmunzelte und erwiderte, er könne sich auch noch ans Endspiel von 1986 erinnern. Dass Rummenigge damals ein Tor geschossen habe, wusste er nicht, und der Vorstand gab zu, dass die Südamerikaner um Diego Maradona sowieso zu stark gewesen sein. Auch das Münchner 7:1 vom Vorabend über den AS Rom hatte Papst Franziskus sehr wohl registriert. „Sie haben da ein wunderschönes Spiel abgeliefert“, lobte er. Das hohe Resultat habe ihn „überrascht“. Es herrschte eine ungezwungene Atmosphäre.

Ehe sich der Heilige Vater zur Generalaudienz auf dem Petersplatz begab, wandte er sich noch einmal auf Deutsch an seine Gäste. „Vielen Dank für Ihren Besuch“, sagte er, „beten Sie für mich, ich kann es gebrauchen.“ Diese Worte ließen die Münchner nachdenklich zurück, sie sorgten für einen letzten Gänsehautmoment an einem Tag, der Anlass gab, über das Fußballgeschehen hinauszuschauen.

Selbst der sonst nie um flotte Sprüche verlegene Thomas Müller schlug nach der Visite beim Papst ausschließlich ernsthafte Töne an. Ganz geerdet reagierte er auf die Frage, ob er sich jemals die Hand waschen würde nach dem Händedruck mit dem Heiligen Vater. „Irgendwann muss ich sie mal wieder waschen, was ist das für eine Frage?“

Es war mal Zeit, ernsthaft zu sein. Das war angebracht.

von Andreas Werner

auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Hackenberg über Bayern: „Die sprechen alle Deutsch!“
Hackenberg über Bayern: „Die sprechen alle Deutsch!“
Systemfrage nervt Müller: „Lasst doch die Kirche im Dorf“
Systemfrage nervt Müller: „Lasst doch die Kirche im Dorf“
Finalsieg gegen Mainz: Bayern räumt Telekom Cup ab
Finalsieg gegen Mainz: Bayern räumt Telekom Cup ab
Bayern sichtet Megatalent - und holt Luxemburg-Juwel
Bayern sichtet Megatalent - und holt Luxemburg-Juwel
<center>Samt-Trachtenhut mit Hahnenschlappenfeder schwarz</center>

Samt-Trachtenhut mit Hahnenschlappenfeder …

35,00 €
Samt-Trachtenhut mit Hahnenschlappenfeder schwarz
<center>Bayerisches Schmankerl-Memo</center>

Bayerisches Schmankerl-Memo

9,95 €
Bayerisches Schmankerl-Memo
<center>De gloane Raupm Griagnedgnua - Hörbuch auf Bayerisch</center>

De gloane Raupm Griagnedgnua - Hörbuch auf …

10,50 €
De gloane Raupm Griagnedgnua - Hörbuch auf Bayerisch
<center>Baby-Rassel aus Holz</center>

Baby-Rassel aus Holz

17,50 €
Baby-Rassel aus Holz

Kommentare