Sportvorstand über seine Rolle

Sammer vergleicht sich mit Sandra Bullock

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Matthias Sammer und Sandra Bullock.

München - Nur ein Mahner? Matthias Sammer ist viel mehr. In einem sehr direkten Interview vergleicht er sich mit Sandra Bullock in einem Film.

Christian Streich hatte am Sonntag wohl den Doppelpass geguckt. Die Sendung, in der Paul Breitner nicht nur auf die Unfähigkeit anderer Vereine aufmerksam machte, sondern auch den FC Augsburg für seinen engagierten Auftritt am Tag zuvor gegen den FC Bayern (0:4) zurechtwies. „Die hätten ja am liebsten schon die Torlinie von Manuel Neuer angelaufen“, meinte der FCB-Markenbotschafter und riet den kommenden Konkurrenten: „Ich muss einfach tiefer stehen und dann versuchen, zu kontern. Mehr ist einfach nicht möglich gegen uns.“

Freiburgs Trainer schien sich Breitners Empfehlung zu Herzen genommen zu haben. Für den SC war am Dienstagabend allerdings nicht mal das Kontern möglich. „Das war ja Einbahnstraßenfußball“, meinte FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach dem nie gefährdeten 2:0-Sieg über das Breisgau-Bollwerk. Die Roten kamen sich teilweise vor wie beim Handball. Deshalb waren trotz des 13. Erfolgs im 16. Saisonspiel auch nicht alle Pro­tagonisten rundum glücklich. „Freiburg hat alles hinten reingestellt. Das hatte nichts mit Fußball zu tun“, haderte Arjen Robben mit der destruktiven Spielweise der Gäste. Und da sportliche Sorgen beim FC Bayern derzeit so weit entfernt sind wie Borussia Dortmund von den CL-Rängen, nutzte Matthias Sammer die Situation, um sein Image in der Öffentlichkeit geradezurücken. „Erfolg hat man nicht, weil man irgendwann mal etwas sagt oder irgendwo hinrennt. Das ist lächerlich. Mich stört es, dass meine Arbeit möglicherweise ein bisschen zu sehr darauf reduziert wird“, machte Sammer deutlich. Klartext vom Sportvorstand. Doch was genau meint er damit?

Immer wieder wird der 47-Jährige als Mahner bezeichnet. Einer, der Missstände und Probleme offen anspricht, der wachrüttelt und warnt, wenn scheinbar alles rund läuft. Am Sonntag hatte Sky-Experte Lothar Matthäus mit Blick auf die taumelnden Dortmunder gesagt: „Ich würde dem BVB einen Typen wie Matthias Sammer bei Bayern München empfehlen. Einen Mahner, der die Dinge auch mal etwas schärfer anspricht.“ Auch wenn Bayerns Sportvorstand noch vor einigen Wochen im tz-Interview betont hatte, sein Image bedeute ihm „gar nichts“, wird ihm seine Arbeit in der öffentlichen Wahrnehmung nicht korrekt gewürdigt. Dabei sprechen die Zahlen für sich: Acht Titel holte der FCB seit Sammers Amtsantritt im Juli 2012, darunter 2013 das erste Triple der Vereinsgeschichte.

„Scheinbar genügt es zu mahnen, um alles zu gewinnen“, meint Sammer spöttisch und schiebt nach: „Das ist schon sehr billig.“ In der Sport Bild spricht der Sportvorstand über seine Rolle und seine Aufgaben beim Rekordmeister: „Meine Arbeit kann man von außen nicht auf Anhieb verstehen. Die Position des Sportvorstandes hat es im deutschen Fußball vielleicht so noch nicht gegeben.“ Dabei vergleicht er sich mit Schauspielerin Sandra Bullock im Film The Blind Side und erklärt: „Es geht darum, dass von dem Spieler eine Seite aufgedeckt wird – seine Blind Side –, die zuvor nicht mal er selbst als eine Stärke erkannte.“ Sammer ist also eher Bayern-Bullock als Mahn-Matthias…

Sven Westerschulze

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