Hoffnungen im Konjunktiv

Thiago furchtlos  - aber wie reagiert das Knie?

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„Beste Qualität auf dem Platz“: Nach Philipp Lahm (r.) drängt auch Thiago zurück ins Team.

München – Der so lange am Knie verletzte Thiago wirkt in seinen ersten Trainingseinheiten robust und furchtlos – noch aber weiß niemand, wie sein Knie reagiert.

Der Erste auf dem Platz konnte Thiago Dienstag Vormittag nicht sein, denn Hermann Gerland hatte die Jugendspieler, die den Trainingskader des FC Bayern in Länderspielpausen traditionell komplettieren, schon lange vor den Profis auf das Hauptfeld geschickt. Überhaupt wäre der Moment, in dem die wenigen derzeit in München befindlichen gestandenen Spieler den Rasen betraten, im Schatten der jugendlich frisch kickenden Talente fast untergegangen. Aber Thiago konnte man dann doch nicht übersehen.

Sammer: "Bei Thiago geht es um vollständige Genesung"

Die blauen, ohnehin schon kurzen Hosenbeine hatte der Spanier vorsichtshalber noch ein bisschen höher geschoben. Und im Gegensatz zu seinen Kollegen trabte er nicht vom Nebenplatz hinüber, sondern sprintete. Man sah dem 23-Jährigen in diesen Sekunden – wie auch in der Folge des ersten Trainings ohne die zwölf Nationalspieler – an, dass er einen Plan hat. Thiago will sich in diesen zwei intensiven Trainingswochen endlich zurückkämpfen. Um seinen Kritikern im Saison-Endspurt zu beweisen, dass seine Zeit wider anders lautende Gerüchte noch lange nicht zu Ende ist, sondern jetzt erst beginnt.

Der Spanier selbst, die Physiotherapeuten, die Trainer und Ärzte – sie alle glauben daran, dass dieses rechte Knie, das ihm im vergangenen Jahr so viele Probleme bereitet hat, nun hält. Und trotzdem vermag es niemand so recht zu beurteilen. „Bei ihm geht es nicht um den Zeitpunkt, sondern um die vollständige Genesung“, hatte Matthias Sammer vor wenigen Tagen gesagt. Und so verhält es sich weiterhin.

Zwar ist Thiago seit vergangener Woche wieder im Teamtraining und stand am Sonntag gegen Mönchengladbach zum ersten Mal nach 358 Tagen im Kader. Sollte das Knie, in dem in März, Mai und Oktober des vergangenen Jahres jeweils das Innenband gerissen war, wieder zwicken, würde er aber sofort kürzer treten. Man will aus den Fehlern lernen, die man nach dem ersten Riss im Vorfeld der WM in Brasilien gemacht hat. Damals wollte Thiago pünktlich zurückkommen, schneller als möglich. Der Ertrag der daher eingesetzten Kortison-Spritzen aber war keineswegs positiv: Das Gewebe in Thiagos Knie hat nachhaltig Schaden genommen.

Es gab Momente, in denen man Angst haben musste, dass dieser begnadete Kicker gar nicht mehr zurückkommen würde. Derzeit aber scheint es, als hätten er und seine Ärzte die Kurve gekriegt. Alternative Methoden sollen angewandt worden sein, um den Knorpel im Knie wieder aufzubauen. Und wenn man Thiago in seinen ersten Team-Einheiten beobachtet, hat man nicht den Eindruck, als ob er vor irgendetwas zurückschrecke.

Als „meinen besten Freund“ bezeichnet der Nationalspieler den Ball, den er sich am Dienstag auch in jeder freien Sekunde schnappte. Trinkpause? Braucht er nicht. Er spielt lieber, hält den Ball hoch, schießt – schließlich musste er lange genug verzichten. Einmal, bei einer Direktabnahme, ging sogar ein Raunen durch die Menge. Das Bezeichnende aber: Es kam nicht nur von Zaungästen, sondern auch von Thiagos Teamkollegen.

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Jeder weiß aus den 16 Bundesliga-, zwei DFB-Pokal- und vier Champions-League-Partien, die er bisher für die Bayern absolviert hat, dass dieser Thiago im besten Gesundheitszustand Gold wert ist. Der Spanier liebt enge Räume, je mehr Gegenspieler er um sich scharen kann, umso genialer werden seine Tricks. Man hofft, dass er das in dieser Spielzeit noch zeigen kann. „Die Gegner werden immer besser werden. Dementsprechend brauchen wir die beste Qualität auf dem Platz“, sagte Karl-Heinz Rummenigge mit Blick auf Thiago und auch Philipp Lahm, der die Länderspielpause nach einigen Kurzeinsätzen nutzen will, „um ganz fit zu werden“. Kommt dann in Bälde auch noch Javi Martinez zurück, der am Dienstag mit dem Ball auf dem Nebenplatz schuftete, hat Pep Guardiola im Mittelfeld ein Überangebot. Aber es ist unbestritten, dass die Rückkehrer der Mannschaft guttun werden.

Gegen Gladbach wurde mehr als deutlich, dass Bastian Schweinsteiger und Xabi Alonso zwar einzeln begnadete Fußballer sind, sich zu zweit aber in Teilen egalisieren. Beide lassen sich gerne fallen, lenken das Spiel aus der Tiefe. Thiago würde offensiv mehr Kreativität bringen, ohne Frage. Und trotzdem formuliert man Sätze über Thiago am besten im Konjunktiv. Den kann man erst weglassen, wenn er sich tatsächlich am Spielfeldrand die Hosenbeine hochkrempelt – und lossprintet wie am Dienstag.

Hanna Schmalenbach

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