Der Mann für den Familienverein

Hoeneß: Was er bei Bayern bewegen könnte

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München – 2015 ist ein gewisser Uli Hoeneß der spektakulärste Neuzugang beim FC Bayern – er stellte schon früh die Weichen für den Juniorenbereich.

Wenn Pep Guardiola die Stars des FC Bayern heute Nachmittag zum ersten Training 2015 bittet, wird sich Uli Hoeneß auch irgendwo in der Nähe aufhalten. Nur: Wie nah genau wird er sein? Als Manager und Präsident gehörte ein Vorbereitungsstart einst quasi zum Pflichtprogramm, doch der Verein erlebt in diesen Tagen ja ein historisches Kuriosum: Hoeneß arbeitet im Zuge seiner Freiheitsstrafe wegen Steuerhinterziehung seit der letzten Woche als Freigänger für die Juniorenabteilung.

Ihn begleitet nun die Frage, wie er die Schnittstelle zum Profibereich deutet. Im Frühjahr stellte er erste Weichen, indem er Michael Reschke als Kaderplaner von Leverkusen loseiste. Mit ihm, Juniorenchef Wolfgang Dremmler und dessen Vertrautem Michael Tarnat sowie Sportvorstand Matthias Sammer wird er ab sofort eng zusammenarbeiten.

Selbst wenn die Personalie Marco Reus im Hintergrund schwebt und man heute noch nicht wissen kann, was der Transfersommer so mit sich bringen wird, lässt sich schon jetzt sagen: Der spektakulärste Neuzugang in diesem Jahr ist Uli Hoeneß. Nicht nur wegen seiner Persönlichkeit und der Umstände seiner Rückkehr. Sondern auch wegen seiner neuen Position. Man hat keine Erfahrungswerte mit so einer Dimension, es ist ein bisschen so, als würde ein ehemaliger Kapitän in der Kombüse neustarten, oder als würde man einen früheren Torjäger künftig zwischen den Pfosten aufstellen. Er soll im Juniorenbereich Akzente setzen, weil der Zufluss an Talenten für die Profis zuletzt stagnierte. Das ist keine leichte Aufgabe, denn es liegt ja auch daran, dass die hohe Qualität der Profis den Durchlass erschwert. Umso interessanter wird das Projekt.

Die Bayern haben in jüngster Zeit ihre Transfers umstrukturiert; Sinan Kurt und Joshua Kimmich waren ihnen Millionen wert, den Norweger Martin Ödegaard würden sie sich auch einiges kosten lassen. Denkbar ist, dass ein Wort von Hoeneß ein Talent schneller zu einem Ja bewegt, doch in erster Linie darf man sich den Macher in der Logistik vorstellen. Die Bayern planen ein neues Leistungszentrum im Münchner Norden, von der Infrastruktur bis zur Finanzierung gibt es da viel zu regeln. Denkbar ist alles, bis zur Akquise eines extra Sponsors. Hoeneß gilt seit jeher als routinierter Klinkenputzer.

Fest steht aber auch, dass er eine bestimmte Philosophie weiterhin großschreiben wird: Hoeneß ist und bleibt der Mann für den Familienbetrieb FC Bayern. Ihm ist es wichtig, Identikationsfiguren wie einst seine Teamgefährten Franz Beckenbauer und Sepp Maier sowie aktuell Philipp Lahm, Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger auf dem Platz zu haben. „Mia san mia“ soll gelebt werden, möglichst von klein auf, wie etwa bei Gianluca Gaudino, der alle Juniorenteams durchlief und zuletzt erste Profisporen verdiente.

Vor einigen Jahren meinte Dremmler zu Hoeneß, man sollte die U 8 zugunsten von Spielgruppen deinstallieren. Der Chef war skeptisch, ließ sich überzeugen, stellte aber zwei Leitsätze auf: „Ihr müsst dafür sorgen, dass wir auch in dem Alter die Besten beim FC Bayern haben – ich will keinen bei 60!“ Und: An der U 9 werde nicht gerüttelt. Da wurde er richtig energisch. „Wir sind ein Familienverein: Die junge Mutter soll auch mit ihrem Kleinsten zu uns kommen und ihm hier zuschauen dürfen, wie er sich entwickelt. So fiebern sie doch am Ende mit unseren Sternen auf der Brust mit. Das ist der FC Bayern, so entsteht Verbundenheit.“

Anekdoten wie diese deuten an, wie Uli Hoeneß seine neue Tätigkeit auslegen wird.

Andreas Werner

 

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