Bayerns Meisterstück ohne Meisterjubel

Müller hadert : "Können uns ja nicht abschießen"

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Thomas Müller findet es schade, dass der Meistertitel derzeit nicht gebührend gefeiert werden kann.

München - Nach Schweinsteigers Siegtor gegen Hertha schert sich Bayern-Coach Guardiola nicht um mathematische Gewissheiten beim 25. Titelgewinn. Groß gejubelt wird am Tag der Jugend in München aber auch nicht.

Pep Guardiola weigerte sich einfach, erst noch die rechnerische Gewissheit und das Wolfsburger Gastspiel in Gladbach abzuwarten. "Wir sind schon Meister", entschied der Trainer nach dem ökonomischen 1:0-Heimsieg des FC Bayern gegen Hertha BSC.

Für den Katalanen war Bastian Schweinsteiger mit seinem goldenen Schuss das Meisterstück gelungen - basta! Die mathematischen Restzweifel im Promillebereich juckten Guardiola nicht mehr. Auch Hertha-Coach Pal Dardai gratulierte dem deutschen Rekordchampion vorzeitig zur 25. Meisterschaft: "Glückwunsch FC Bayern."

Müller: "Es ist ein bisschen schade"

Haken drunter, weiter geht's! Zeit und Muße zum Genießen haben die Münchner vor den großen Halbfinalspielen im Pokal gegen Borussia Dortmund und der Champions League gegen den FC Barcelona eh nicht. Das Timing beim "wichtigsten Titel" (Guardiola) passt in diesem Jahr halt nicht. "Feiern können wir sowieso nicht. Wir können uns ja nicht abschießen - Dienstag ist wieder ein wichtiges Spiel", sagte Thomas Müller zur Aussicht auf einen Wolfsburger Punktverlust am Sonntagabend, zum möglichen Titelgewinn daheim auf der Coach.

Der Weltmeister bedauerte die gebotene Nüchternheit, mit der die Münchner Vielspieler den 989. Sieg im 1700. Bundesligaspiel mit den 75 000 Zuschauern im Stadion bejubeln mussten. "Es ist ein bisschen schade, weil diese Meisterschaft so in den Hintergrund rückt, für die man sich das ganze Jahr den Arsch aufgerissen hat", sagte Müller.

Bierduschen, Meisterschale, Jubeltrauben auf dem Platz - all das muss noch ein paar Wochen warten. "Irgendwann werden wir auf dem Rathausbalkon stehen. Und dann werden wir richtig feiern", sagte Kapitän Philipp Lahm zum verabredeten Party-Programm nach dem Saisonfinale im eigenen Stadion gegen den FSV Mainz am 23. Mai.

Weiser landet Geniestreich

"Alles zu seiner Zeit", sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Hertha war grauer Alltag, ein Zwischenspiel nach der Porto-Gala und vor dem Emotions-Klassiker gegen Dortmund. Guardiola funktionierte die Partie in einen Tag der Jugend um, schickte Mitchell Weiser (21), Gianluca Gaudino (18) und den Bundesliga-Debütanten Sinan Kurt (18) in die Manege. "Das war notwendig, dass der Trainer dem einen oder anderen Spieler eine Pause verschafft", bemerkte Rummenigge.

Und es war ausgerechnet der Azubi Weiser, der vor 75.000 Zuschauern für den einen großen Moment sorgte, den Altmeister Schweinsteiger bei seinem Comeback nach drei Wochen Abstinenz in der 80. Minute mit dem umjubelten Siegtor vollendete. Gleich vier Berliner tanzte Weiser auf dem rechten Flügel ebenso filigran wie energisch aus, bevor er Schweinsteiger den Ball maßgerecht auflegte. "Es ist einfach schön, dass ich der Mannschaft zum Sieg verhelfen konnte", sagte Weiser strahlend. "Ein Geniestreich von Mitch", lobte Manuel Neuer.

Der Nationaltorhüter hatte davor geglänzt, als er mit einem großen Reflex im Eins-gegen-eins-Duell mit Nico Schulz den Schuss des frei auf ihn zustürmenden Herthaners parieren konnte (54.). So sorgte Neuer für das 21. Saisonspiel ohne Gegentor, womit die Bayern den eigenen Bundesliga-Rekord aus der Saison 2012/13 einstellten.

Dortmund im Angriffsmodus

"Wenn du Manuel Neuer hast, kannst du Großes erreichen", schwärmte Sportvorstand Matthias Sammer nach der Monsterparade. Großes heißt, das Titel-Triple von 2013 unter Jupp Heynckes zu wiederholen. Schon am Dienstag (20.30 Uhr) geht es wieder um alles oder nichts, wenn Dortmund in München aufkreuzt, letztmals mit Jürgen Klopp am Spielfeldrand.

Einen Blumenstrauß der Münchner zum Abschied vor Beginn des Pokal-Fights lehnte der Borussen-Coach am Wochenende ab. "Man ist natürlich auf Angriffsmodus, das wissen wir", kommentierte Sammer verständnisvoll: "Es geht um viel. Dortmund und auch wir wollen nach Berlin. Insofern erwarte ich ein hochklassiges Spiel mit den entsprechenden Emotionen." Also ganz anders als gegen Hertha.

dpa

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