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Beckenbauer im tz-Interview: "Es geht noch mehr!"

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Franz Beckenbauer erwartet einiges von seinen Bayern © sampics

München - Im tz-Interview spricht Franz Beckenbauer über Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller und Mario Gomez und sagt über seine Bayern: "Es geht noch mehr!"

Herr Beckenbauer, in der letzten Saison hat alles vom neuen, spielstarken FC Bayern geschwärmt – gehen Sie inzwischen so gern ins Stadion wie nie zuvor?

Franz Beckenbauer: Ja, schon. Die Mannschaft spielt einfach sympathisch. Früher hieß es immer: Bayern ist arrogant, die spielen langweilig und so weiter. Die Kritik war berechtigt. Aber jetzt wird hier auch Fußball gespielt. Wenn auf dem Platz alles in Bewegung ist, ist Spielfreude da – und dann hast du deinen Job getan. Es passt.

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Franz Beckenbauer im Gespräch mit tz-Reporter Tobias Altschäffl © Sampics

Ein Sinnbild der Entwicklung war Bastian Schweinsteiger. Besteht die Gefahr, dass er es wieder schleifen lässt?

Beckenbauer: Nein, denn dieses Jahr hat ihn ganz weit nach vorn gebracht. Er ist viel seriöser geworden. Früher hat er überlegt: „Färbe ich mir die Haare blond, mach’ ich mir schwarze Fingernägel?“ Alles furchtbar, furchtbar! Jetzt beschäftigt er sich mit Fußball. Dann hat ihm der Wechsel von links in die Zentrale gutgetan. Jetzt hat er viel mehr Entfaltungsmöglichkeiten. Früher kam da links gleich die Auslinie, da stand er nach einem Dribbling quasi auf der Tribüne. Er hat seine Position gefunden – und er ist erwachsen geworden.

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Gehört er zur absoluten Weltklasse?

Beckenbauer: Er hat schon die ganze Saison überzeugt, war einer der Besten in dieser starken Bayern-Mannschaft. Und wenn du nach einer starken Saison auch noch bei einer WM bestehst, dort wieder zu den Besten gehörst und am Ende Dritter wirst, dann kannst du dich schon in die Weltklasse einreihen, absolut.

Eine phänomenale Entwicklung hat Thomas Müller hinter sich. Jetzt muss er seinen Platz verteidigen. Das könnte ihn die Unbekümmertheit kosten…

Beckenbauer: Wird man sehen. Er wird sicher in der Zukunft anders bewertet, beobachtet und auch angegangen werden. Da muss man schauen, wie er sich durchsetzt. So leicht wie in der letzten Saison wird er nicht mehr davonkommen, jetzt kommt seine Reifeprüfung.

Machen Sie sich Sorgen um ihn?

Beckenbauer: Nein, gar nicht. Er ist charakterlich absolut in Ordnung.

Ein heiklerer Fall ist Mario Gomez. Er konnte noch nicht überzeugen…

Beckenbauer: Ja, das weiß er auch selbst. Ich finde es gut, dass er dableibt, dass er sagt: Ich ziehe hier nicht einfach ab, ich will mich beim FC Bayern beweisen. Er will zeigen, dass er sich in München durchsetzen kann. Louis van Gaal wird ihm die Chance geben – und die muss er dann nutzen. Ob das funktioniert, wird man dann sehen.

Trauen Sie es ihm zu, dass er es noch bei Bayern packt?

Beckenbauer: Ich wünsche es ihm. Weil er ein sympathischer Kerl ist. Und wenn er es nicht packt, wird er nach dieser Saison auch von sich aus sagen: Sorry – es hat nicht funktioniert. Dann muss man halt eine andere Lösung finden. Er wäre nicht der Erste, der beim FC Bayern scheitert.

Uli Hoeneß sagt, auf den deutschen Fußball kommen goldene Zeiten zu – teilen Sie diese Ansicht?

Beckenbauer: Ja, das kann schon gut sein. Die Talente sind da, der Fußball ist populärer denn je. Mehr Zuschauer als letztes Jahr kannst du fast nicht haben. Der deutsche Fußball ist im Moment auf dem Höhepunkt. Die englische Liga hat zum Beispiel mehr Probleme: Sie wird von den Ausländern geprägt. Bei Arsenal spielt ja praktisch kein Engländer. Da hat man in Deutschland wesentlich mehr Identifikationsfiguren. Die Mischung passt.

Der deutsche Fußball steht auf dem Höhepunkt – und der FC Bayern? Geht da noch mehr?

Beckenbauer: Es geht noch mehr! Sie haben ja erst ein halbes Jahr überzeugend gespielt. Das erste halbe Jahr unter van Gaal war alles andere als überzeugend. Letzte Saison hatten wir zwischendurch schon auch viel Massel: Gegen Florenz, in Manchester – sogar in der Gruppenphase, da waren wir ja schon weg. Aber ich bin überzeugt: Die Bayern werden noch einen Schritt nach vorne machen. Dieses Jahr kann man das Finale der Champions League auch gewinnen.

Interview: Tobias Altschäffl

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