DFB-Pokal: Bayern-Frauen schalten Frankfurt aus

Behringer: "Hatte das Gefühl, wir können nicht verlieren"

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Traumtor zum Endstand: Melanie Behringer (r.) krönte ihre starke Leistung mit einem Schuss in den Winkel.

FC Bayern München (Frauen) - Simone Laudehr schaute nicht nach rechts und auch nicht nach links. Frankfurts Welt- und Europameisterin hielt den Kopf gesenkt, mit Tunnelblick stapfte sie in Richtung Kabine.

Da musste sie Vero Boquete schon mit dem Finger antippen, um sich bemerkbar zu machen. Als Simone Laudehr zu ihrer Ex-Kollegin aufblickte, knipste sie kurz ein Lächeln an, dann umarmte sie die Neu-Münchnerin. Ein kurzer Plausch, jedoch mehr gab es nicht zu holen für die Hessinnen. Der FC Bayern hatte sie mit einem 2:0 aus dem DFB-Pokal gekegelt.

Vor der Kabine blieb Simone Laudehr noch eine ganze Weile im Gang stehen. Sie gestikulierte wild, enttäuschte Gesichtszüge sprachen zudem Bände. „Wir haben heute gar nichts gezeigt“, stammelte Frankfurts Manager Siegfried Dietrich später, „ich bin erschüttert. Und sprachlos.“ Sein Team hatte keine echte Chance aufs Viertelfinale gehabt. Zur Erinnerung: Der 1. FFC Frankfurt ist aktuell Champions League-Sieger.

„Wir waren von Anfang an hellwach“, analysierte Melanie Behringer, die mit dem 2:0 nach 39 Minuten bereits alles klargemacht hatte. Vivianne Miedema war in der 14. Minute das 1:0 gelungen, beide Treffer hatten eine historische Dimension – der 1. FFC hatte noch nie in seiner Geschichte im Pokal-Achtelfinale ein Tor kassiert, bisher lautete die Bilanz 53:0. „Wirklich? Wusste ich nicht“, sagte Melanie Behringer, als sie auf die kuriosen Pointen angesprochen wurde. Es sagt einiges aus, wie unbeeindruckt diese Bayern inzwischen ihre Kreise ziehen. „Ich persönlich hatte das Gefühl: Dieses Spiel können wir nicht verlieren“, so die Kapitänin.

„Mein Fazit? Das war absolut verdient, die Münchnerinnen haben souverän, ganz ohne Angstschweiß gewonnen“, gab sich auch Frankfurts Trainer Colin Bell entsprechend kleinlaut. Bloß bei einem Lattentreffer durch die Ex-Bayern-Spielerin Mandy Islacker hätte die Partie womöglich eine Wende nehmen können. Doch den „Roten“ wurde auch ein Elfmeter verweigert. Den Sieg begleiteten also wirklich keine Zweifel.

Nicky Rolser war strafstoß-verdächtig gefoult worden, sie humpelte mit einer Sprunggelenksverletzung durch die Katakomben. Ob es eine schwere Blessur ist, erweist sich erst heute. „Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes. Sie ist schon seit Wochen im Kommen, sie ist wichtig“, sagte Trainer Thomas Wörle über die Offensivkraft, die sich gegen die Hessen wieder mal als Vorbereiterin verdient gemacht hatte.

Wörle zollte seiner Mannschaft wie so oft „ein großes Kompliment – vor allem in der ersten Halbzeit waren wir sehr energiegeladen“. Vor einem Jahr war Frankfurt im Viertelfinale noch die Endstation, „daraus haben wir unsere Lehren gezogen“, sagte der Bayern-Coach, während Managerin Karin Danner in ihrer Analyse zurecht die Kernbegriffe „Konstanz“ und „Beständigkeit“ herausarbeitete: „Das war heute wie ein Finale – genau so sind wir das angegangen.“ Wer so auftritt, beschwört die Frage herauf, wo das alles enden soll. Nur wollen die Bayern davon weiter nichts wissen. Dass Dietrich sagt, der Meister aus München hätte die Hessen nun überrundet, bestritt Wörle etwa: „Da werden Dinge verdreht dargestellt – Frankfurt ist von der Qualität und vom finanziellen Background weiter deutlich vor uns.“ Doch das stellt sich auf dem Platz immer häufiger anders da.

„Wenn wir so spielen, ist die Saison für uns im November vorbei. Das kann nicht sein“, lamentierte etwa Bell. Bayern hat hingegen Kaliber wie die angeschlagene Vero Boquete noch in der Hinterhand. Bald wird auch sie ihre Gegnerinnen nicht mehr nur tröstlich umarmen. Sondern viel eher ihr Leid vergrößern.

Text: Andreas Werner und Matthias Horner

Quelle: fussball-vorort.de

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