Eusebios Erben und der „Guttmann-Fluch“

Benfica: Das ist der Gegner der Bayern

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Einer der Last-Minute-Experten: Der Brasilianer Jonas. 

München - Benfica wurde zum Synonym für große Niederlagen – zuletzt gingen acht Euroapokal-Endspiele in Serie verloren. Das ist der Viertelfinal-Gegner der Bayern:

Die Liste von prominenten Bayern-Namen, die es schon einmal mit Benfica Lissabon zu tun bekommen haben, ist lang, imposant und dekadenübergreifend. Eigentlich fehlt in dieser historischen Aufzählung keiner der Granden, die jemals für die Münchner aufgelaufen sind: Beckenbauer, Müller, Maier, Hoeneß, Breitner, Rummenigge, Augenthaler, Kahn, Matthäus, Scholl, ja sogar Klinsmann muss man da nennen, zumal der Schwabe einst zwei Treffer gegen die Portugiesen schoss. 1995 war das.

Damals kreuzten sich letztmals die Wege, die älteren Treffen datieren aus den 70er- und 80er-Jahren. Zwei torlose Remis verzeichnen die Chronisten, außerdem vier Siege der Münchner, ziemlich hohe sogar: 3:1, zwei Mal 4:1 und 5:1. Nur einmal mussten sich die Bayern geschlagen geben: 2007 im Trainingslager in Dubai setzte es ein 3:4 im Elfmeterschießen. Verschmerzbar, obwohl man damit das Finale des Showturniers verpasste. Der Titel war üppig, wie in den Emiraten üblich, mit einer Million Dollar dotiert.

Benfica Lissabon hat über die Jahrzehnte hinweg einen großen Namen konserviert, es kommt ja nicht von ungefähr, dass die Portugiesen in jeder Dekade die jeweiligen Top-Stars des FC Bayern gefordert haben. Wenn nun die Generation um Philipp Lahm und Thomas Müller vorstellig wird, hat der Traditionsklub aber einiges von seiner einstigen Strahlkraft eingebüßt. Weit über ein halbes Jahrhundert schon wartet man in Lissabon auf einen internationalen Coup. Nachdem sie 1961 und 1962 den Meistercup gleich zweimal in Serie gewannen, verstauben einsame Pokale in der Vitrine. Benfica ist zu einem bedauernswerten Synonym für große Niederlagen geworden. Denn die letzten acht Europacup-Endspiele, die die Portugiesen erreichten, verloren sie allesamt. Einst brillierte bei Benfica der unvergleichliche Eusebio, „Schwarzer Panther“ riefen sie ihn, und der Klub bekam den Spitznamen „Adler“. Inzwischen wurden Lissabons Schwingen gestutzt.

Benficas historische Pleitenserie beschäftigt Freunde der Fußball-Mysterien schon länger. Nicht wenige vermuten als Ursache den sogenannten „Guttmann-Fluch“. Hintergrund: Als dem Trainer Béla Guttmann nach dem Europacup-Sieg 1962 zugesagte Prämien verweigert wurden, ging er im Streit und orakelte zum Abschied, der Klub werde „in Europa 100 Jahre keine Titel mehr gewinnen“. 1990 reiste Eusebio eigens zu Guttmanns Grab im neuen jüdischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs und bat, den Fluch aufzuheben – vergeblich, es setzte die nächste Final-Pleite, gegen Milan.

In der aktuellen Champions League-Saison schlossen die Portugiesen die Gruppenphase als Zweiter hinter Atletico Madrid ab, im Achtelfinale setzte man sich mit Last-Minute-Toren (1:0, 2:1) gegen St. Petersburg durch. Die Offensivkräfte Jonas, Nico Gaitan und Konstantinos Mitroglou sind die Stars des Teams – doch es gibt klangvollere Namen, die dieses Duell begleiten: Die der Bayern-Granden. Und der Name Belá Guttmann. 

Andreas Werner

Bayern-Gegner Benfica Lissabon im Porträt

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