Beckenbauer, Cruyff...

Berühmte Väter: Nicht zu gewinnende Vergleiche

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Gianluca Gaudino, Sohn von Ex-Profi Maurizio, wird eine große Zukunft prophezeit.

FC Bayern München - Stephan Beckenbauer hatte keine Chance. Den Vergleich konnte er nicht gewinnen, niemand hätte das gekonnt.

„Das war schlichtweg unmöglich“, sagte Stephan Beckenbauer, nachdem seine „eher bescheidene Profikarriere“ (so die „Hamburger Morgenpost“) zu Ende war.

Immerhin standen in seiner Bilanz zwölf Erstliga- und zwölf Zweitligaeinsätze, 22 in der damals noch drittklassigen Regionalliga. Was aber ist das gegen einen Vater, der als einer der weltbesten Fußballer gilt, als Lichtgestalt, der „Kaiser“ genannt wird?

Der Name Beckenbauer elektrisierte. Wo Stephan auch hinkam, jeder schaute, ob er den Ball genauso genial schlagen kann wie einst der Vater, Trainer erwarteten viel zu viel oder hatten zu viel Respekt vor dem Sohn des Kaisers. „Ich war ein Spieler, den man in den Hintern treten musste“, bekennt Stephan Beckenbauer und bedauert, zu spät an Hermann Gerland geraten zu sein: „Der scherte sich nicht um Namen.“

Man soll den Kindern die Chance geben, „ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln“, fordert Ski-Ikone Rosi Mittermaier von der Öffentlichkeit, erzählt von den Tagen nach dem ersten Sieg ihres Sohnes Felix in Kitzbühel: „In einer Illustrierten zeigten sie große Fotos von Christian und mir, von Felix ein ganz kleines.“ So etwas, sagt Christian Neureuther, sein ein „Stich ins Herz“.

Felix hat es trotzdem geschafft, auch wenn er eine Zeit brauchte, um aus dem Schatten der berühmten Eltern zu treten. Das schaffen nicht viele. In der Bundesliga gibt es nur wenige Söhne einst erfolgreicher Väter, Oliver Kahn ist heute weit berühmter als sein Vater Rolf, der einst elf Erstligaspiele für den Karlsruher SC bestritt. Auch Christian Nerlinger übertrumpfte seinen Vater Helmut. Jordi Cruyff dagegen kam, obwohl sehr talentiert, nicht annähernd an die Erfolge von Johan Cruyff heran.

Niklas, Sohn von Oliver Kreuzer, spielt heute 3. Liga bei Dynamo Dresden, Alessandro, Sohn von Kalle Riedle, kickt nach vergeblichen Anläufen in Deutschland wieder in der Schweiz. Philipp, Sohn von Martin Max, schaffte es immerhin schon in Liga zwei zum KSC. Große Hoffnungen ruhen nun auf Gianluca, Maurizio Gaudinos Sohn. Als A-Jugendlicher hat er schon seine ersten Profi-Einsätze absolviert.

Manchen fehlt auch der unbedingte Willen, der starke Antrieb, um das zu schaffen, was die Eltern erreicht haben. So jedenfalls sieht es im Nachhinein Stephan Beckenbauer, der mal sagte: „Vielleicht habe ich nicht kapiert, was für eine Chance ich hatte, habe mir mehr Gedanken um das schöne Leben gemacht. Ich hatte wohl den Kopf nicht dafür.“ Als Felix Neureuther Ähnliches drohte, hat ihm die Erfahrung des Vaters geholfen: „Er hat mir die Augen geöffnet, mir erklärt, was es heißt, Profi zu sein.“

Und aus der Last war ein Vorteil geworden.

Dieser Artikel erschien auf der Jugendsportseite des Münchner Merkur. Diese Jugendsportseite erscheint alle Drei Wochen am Freitag. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter Huebner-Rosen-heim@t-online.de

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