Wie Guardiola die Ausfälle auffangen wird

Biograf erklärt: "Peps Problem kommt im Februar..."

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Pep Guardiola muss sich nach den Ausfällen von Lahm & Co. etwas einfallen lassen.

München - Pep Guardiola gibt es selbst zu. Mit Philipp Lahm verliert er seinen „wichtigsten Spieler. Wie Pep mit der Verletztenmisere umgehen wird, verrät sein Biograf Martí Perarnau. Das tz-Interview mit dem Ex-Leichtathleten und Autor.

Señor Perarnau, steht Pep Guardiola nach den Ausfällen von Alaba und Lahm vor der schwierigsten Aufgabe, seit er Trainer beim FC Bayern ist?

Martí Perarnau: Taktisch gesehen auf jeden Fall! Vor einem Jahr hatte Bayern in dieser Phase auch viele Verletzte, aber die Ausfälle waren bei Weitem nicht so schwerwiegend. Mit Lahm, Alaba und Thiago muss Pep auf die essenziellen Spieler im Zentrum verzichten, dort, wo er die Kontrolle über das Spiel haben will. Und die stehen ihm mindestens bis zum Frühjahr 2015 nicht zur Verfügung, also kann man schon sagen, dass er jetzt die komplizierteste Phase durchlebt, seit er in München ist.

Wie geht Guardiola mit solchen Situationen um?

Martí Perarnau: Pep konnte schon immer mit den problematischsten Situationen am besten umgehen. Warum? Weil er eben so ist! Wenn sich Schwierigkeiten auftun, schraubt er die Anforderungen an sich selbst noch mal um ein Vielfaches hoch und wächst so über sich hinaus. Er wird noch länger am Schreibtisch sitzen, noch kreativer sein wollen und noch härter schuften, um eine Lösung zu finden. Ein Beispiel dafür sind die zwei Champions-League-Siege mit Barça. 2009 standen ihm auf einmal keine Innenverteidiger mehr zur Verfügung, und so machte er kurzerhand Yaya Touré zum Innenverteidiger. 2011 passierte dasselbe, da beorderte er Mas­cherano in die Abwehrmitte. Beide Male ging sein Plan auf, Barcelona triumphierte.

Denken Sie nicht, dass der FCB noch mal auf dem Transfermarkt aktiv wird?

Martí Perarnau: Das kann ich mir nicht vorstellen. Als sich Javi Martínez verletzte, war es etwas anderes. Kurz zuvor war klar geworden, dass Toni Kroos zu Real Madrid gehen würde, und so ging er zu den Bossen und bat um zwei neue Spieler. Es ging einfach nicht anders. Im Moment kann ich mir das nicht vorstellen. Es gibt ja auch kaum Spieler, die in dieser Saison noch nicht in der Champions League gespielt hätten, gut sind und gleich morgen kommen könnten. Abgesehen davon, dass Pep nicht der Typ dafür ist. Ich denke, dass er eher Spieler umfunktionieren oder am System basteln wird, das passt mehr zu ihm.

Können die Ausfälle vor allem für die entscheidenden Monate im Frühjahr ein Problem werden?

Martí Perarnau: Durchaus! Zum ersten Mal, seit Pep hier ist, war die Mannschaft sehr nah dran an dem, was er von ihr will. Das hat er ja selbst so gesagt und das hat sich ja vor allem auch bei den beiden Spielen gegen Rom gezeigt. Dieses Mittelfeld mit Alaba, Alonso und Lahm – das war schon sehr nah dran an der Perfektion. Und jetzt? Geht mit Alaba und Lahm der Kern seines Spiels flöten. Gut ist, dass die Winterpause gleich um die Ecke ist und dass Schweinsteiger bald wieder auf dem Platz stehen wird, aber das dickste Problem kommt dann erst noch: das Achtelfinale in der Champions League.

So?

Martí Perarnau: Es findet bereits im Februar statt, bis dahin wird Philipp noch verletzt und Alaba noch nicht in Topform sein. Was also tun, wenn du mit dieser hinkenden Truppe auf Barcelona triffst? Oder auf Paris? Das kann durchaus passieren – und das ist ein großes Problem.

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Also wird Guardiola über Weihnachten mehr Zeit an der Taktiktafel als am Weihnachtsbaum verbringen?

Martí Perarnau: Auf jeden Fall, aber er wird mit Sicherheit gleich damit beginnen, über Lösungen nachzudenken. Das heißt jetzt nicht, dass es schon gegen Hoffenheim neue Erkenntnisse gibt. Auch nicht gegen City. Diese Spiele muss er über die Bühne bringen wie es geht, damit er intern anfangen kann, sich über die Lösung des Lahm-Alaba-Problems Gedanken zu machen.

Wie könnte diese denn aussehen? Irgendeine Idee?

Martí Perarnau: Der erste Spieler, der mir durch den Kopf schoss, als ich von Lahms Verletzung hörte, war Rafinha. Er könnte einen Teil von Lahms Arbeit in der Zentrale übernehmen. Ich sage ‚könnte‘, nicht dass er es tun wird. Sicher bin ich mir, dass es eine Überraschung in de kommenden Wochen geben wird. So wie damals, als er Lahm ins Mittelfeld zog. Diese Experimente, egal ob sie gut ausgehen oder nicht, muss er jetzt machen, um im Februar eine solide Alternative für das Achtelfinale zu haben. Das Viertelfinale findet erst im April statt und ist wieder eine andere Geschichte. Bis dahin sind wohl Thiago & Co. wieder fit.

Im Halbfinale könnte es wieder gegen Real gehen. Steckt der Stachel vom Aus vergangene Saison noch tief bei Guardiola?

Martí Perarnau: Nein. Wir sprechen oft, das Thema kommt aber nur selten auf. Wichtig war, wie das Team damals reagierte, neue Kraft schöpfte und das Pokalfinale trotz der Verletzten gewann. Das hat Pep viel bedeutet. Sollte es im CL-Halbfinale wieder gegen Real gehen, wird das aber natürlich wieder hochkochen.

Zumal es im Moment die zwei spielstärksten Mannschaften sind.

Martí Perarnau: Ich würde da noch einen Schritt weitergehen und behaupten, dass Real derzeit stärker ist. Aber es sind Momente. Bei jedem Klub. Denn hätte das Spiel Bayern-Real im Februar stattgefunden, als Thiago der Star der Bundesliga war, wäre vielleicht Bayern weitergekommen.

Interview: J. Carlos Menzel Lopez

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