Der Weltmeister will ganz nach oben

Boateng: Seine Ziele, seine Probleme und Pep

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Jerome Boateng im Gespräch mit tz-Reporter Westerschulze.

München - Jerome Boateng will, dass Pep Guardiola bleibt. Das sagt er ganz deutlich im tz-Interview. Auch bei allen anderen Fragen redet der Weltmeister von 2014 nicht um den heißen Brei herum.

Herr Boateng, Sie sind Weltmeister, CL-Sieger, können im nächsten Jahr Europameister und zum vierten Mal in Folge Deutscher Meister werden – und sind erst 27 Jahre alt. Sie können der erfolgreichste deutsche Fußballer werden. Bedeutet Ihnen das etwas?

Boateng: Natürlich. Ich versuche immer, die höchsten Ziele anzustreben. Das gehört im Profisport dazu.

Welche Bedeutung hat der EM-Titel für Sie? Mit der U21 haben Sie den ja 2009 bereits gewonnen.

Boateng: Wenn man Weltmeister ist, will man auch bei der EM den Titel holen. Vor allem, wenn man ihn noch nicht gewonnen hat mit der A-Nationalmannschaft.

Dafür haben Sie bessere Auftritte als zuletzt gegen Irland und Georgien gefordert. Sind die Spiele jetzt abgehakt?

Boateng: Wir haben da schon noch einmal drüber gesprochen, aber jetzt ist der Fokus nach vorne gerichtet. Wir müssen uns darauf konzentrieren, als Mannschaft zusammenzuwachsen und das Zusammenspiel zwischen Offensive und Defensive zu verbessern.

Gerade die Außenverteidiger-Positionen gelten als Schwachstellen. Wäre es für Sie vorstellbar, da noch mal auszuhelfen?

Boateng: Also ich glaube nicht, dass ich das noch mal muss, denn ich bin sicher, dass wir gute Lösungen finden werden. Ich habe meine Stärken in der Mitte, das weiß auch der Bundestrainer.

Sehen Sie denn auf den Außen ein Problem?

Boateng: Was heißt Problem? Matthias Ginter spielt erst seit dieser Saison in Dortmund Rechtsverteidiger, und das macht er auch sehr gut. Jonas Hector auf links genauso. Beide sind noch jung, werden sich weiter entwickeln. Und wir haben noch andere Optionen. Antonio Rüdiger zum Beispiel oder Benedikt Höwedes.

Haben Sie Philipp Lahm noch mal versucht, zu überreden?

Boateng: Das haben schon ganz viele Leute getan. Aber Philipp hat da eine klare Meinung, die muss man respektieren.

Und Rafinha?

Boateng: Der könnte das auch spielen, das zeigt er ja beim FC Bayern. Aber das ist nicht mein Thema, das muss der Bundestrainer entscheiden.

Geben Sie ihm als Führungsspieler auch mal den ein oder anderen Rat?

Boateng: Nein, keiner von uns geht zum Trainer und sagt: ‚Trainer, mach das jetzt mal.‘ Etwas anderes ist es, wenn er von sich aus auf uns zukommt und uns um Rat fragt.

Wen sehen Sie als größte Konkurrenten mit Blick auf die EM im nächsten Jahr?

Boateng: Es sind einige gute Mannschaften dabei. Spanien wird wieder sehr gut sein, Italien ist bei Turnieren auch immer gefährlich. Und ich glaube, dass auch Frankreich als Gastgeber eine gute Rolle spielen wird.

Der DFB gibt – zumindest abseits des Platzes – derzeit keine gute Rolle ab. Beschäftigt die Spieler die WM-Affäre und der Rücktritt von Wolfgang Niersbach?

Boateng: Natürlich war das auch bei uns ein Thema. Aber keines, das uns belastet. Da kümmern sich die Verantwortlichen drum. Für uns ist es wichtig, dass wir uns auf unseren Sport konzentrieren und der sauber bleibt. Und zu dem Thema kann ich nur sagen: Solange noch nicht alles aufgeklärt ist, sollte man mit Anschuldigungen und Vorwürfen immer sehr vorsichtig sein.

Auch beim FC Bayern ist ein Thema noch nicht vollständig aufgeklärt – die Zukunft von Pep Guardiola. Wünschen Sie sich, dass er bleibt?

Boateng: Auf jeden Fall. Ich denke, dass sich das jeder aus unserer Mannschaft wünscht. Das haben wir ja deutlich gemacht.

Sind Pep und Jogi Löw zu vergleichen?

Boateng: Nein. Auch wenn ihre Spielidee sich vielleicht ähnelt, unterscheiden sie sich doch schon.

Löw schafft es immerhin, die Gegner aus der Reserve zu locken. Gegen den FCB ist ja nur noch mauern angesagt.

Boateng: Ich glaube, dass es für den Fußball nicht so schlecht ist, wenn der Gegner mitspielt. Ich will keinem Konkurrenten einen Vorwurf machen, wenn er nicht die Mittel hat und sich hinten reinstellt. Aber man kann doch wenigstens auf Konter spielen. Einfach nur den Ball rausschlagen und hinten stehen bleiben, das hat ja nicht viel mit Fußball zu tun. Man kann doch wenigstens versuchen zu kontern. Denn auch der FC Bayern hat in dieser Saison schon Gegentore kassiert, oder?

Interview: Sven Westerschulze

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