Breitner: "Marks Autorität hat nicht gelitten"

Paul Breitner findet die Gelb-Rote Karte von Mark van Bommel alles andere als gerechtfertigt.
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Paul Breitner findet die Gelb-Rote Karte von Mark van Bommel alles andere als gerechtfertigt.

Er war Kapitän – wie Mark van Bommel. Er war Antreiber – wie Mark van Bommel. Doch anders als der aktuelle Spielführer flog Paul Breitner in seiner Bundesliga-Karriere (285 Spiele) nie vom Platz.

Am Samstag verfolgte der als Berater beim Rekordmeister tätige Ex-Nationalspieler das Spiel der Bayern in Dortmund. Der größte Aufreger: Mark van Bommels Platzverweis nach 23 Minuten, der auch nach dem Wochenende für jede menge Diskussionen unter Bayern-Fans und Experten sorgt. Die tz sprach mit Breitner über das 1:1 beim BVB und den Problem-Kapitän.

Herr Breitner, wie beurteilen Sie das 1:1 in Dortmund?

Paul Breitner: Ich denke, dass das Unentschieden hochverdient war. Die Mannschaft hat in der zweiten Hälfte zum Teil sehr gut gespielt und war dem 2:1 viel näher als die Dortmunder.

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Kann man mit dem Saisonstart bisher zufrieden sein?

Breitner: Der Uli hat nach dem HSV-Spiel einen richtigen Satz gesagt: Wenn wir ohne unsere wichtigsten Spieler einen HSV wegputzen würden, dann würde etwas nicht stimmen. Wir haben gewusst, dass es ein wenig dauert, bis wir ins Rollen kommen, bis die neuen Mechanismen eines Trainers richtig greifen.

Vor allem Demichelis’ Ausfall wiegt schwer.

Breitner: Micho hat natürlich letzte Saison gezeigt, dass er sicher zu den fünf besten Innenverteidigern weltweit zählt. Man merkt natürlich, wenn diese Klasse nicht da ist.

Der Aufreger des vergangenen Wochenendes: Der Platzverweis von Mark van Bommel. Wie haben Sie die Szene gesehen?

Breitner: Da kann ich mich einigen anschließen: Die erste gelbe Karte absolut verdient, absolut berechtigt. Nur muss man bei dieser Bewegung im Lauf sicherlich nicht eine zweite Gelbe geben.

War es für Sie eine natürliche Bewegung?

Breitner: Es gibt immer irgendwelche komischen Bewegungen, die man macht – ob man nun zum Kopfball hochgeht oder läuft. Es ist doch nicht denkbar, dass der Mark ein paar Minuten nach seiner ersten gelben Karte so offensichtlich eine zweite provozieren würde – also bitte.

Dafür ist er zu clever, zu erfahren?

Breitner: Nein, das macht doch einfach niemand. Kein Spieler holt unmittelbar nach einer gelben Karte zu einer offensiven Bewegung mit dem Arm aus.

Aber er sollte durch die Spielführer-Binde mehr in die Verantwortung genommen werden, wollte Vorbild sein.

Breitner: Da wird doch viel zu viel in diese Kapitänsbinde hinein interpretiert. Nach der Erfahrung aus dem letzten Jahr hat sich doch Mark so und so vorgenommen, mit ein paar Karten weniger auszukommen.

Aber leidet nicht die Autorität eines Kapitäns unter den Karten und der Unbeherrschtheit?

Breitner: Die Autorität leidet überhaupt nicht darunter. Sie würde auch nicht steigen, wenn er ein oder zwei gelbe Karten weniger hätte. Die wird durch ganz andere Dinge definiert: Durch Einsatz, durch Präsenz.

Van Bommel selbst spricht von einem Imageproblem. Können Sie ihm zustimmen?

Breitner: Er hat es bei den Schiedsrichtern sicher schwieriger als viele andere.

Kann man etwas dagegen machen?

Breitner: Man kann es überdenken, hinnehmen und darauf beruhen lassen. Je mehr darüber redet, macht man nur darauf aufmerksam – das bringt doch nichts.

Also muss der Verein auch nicht mit van Bommel sprechen, ihm ins Gewissen reden?

Breitner: Der Mark van Bommel hat soviel Erfahrung und soviel Klasse, dass das Dinge sind, die man ihm nicht erklären muss.

Auch Geldstrafen sind sinnlos?

Breitner: Ich muss doch keine Geldstrafen ausgeben, für etwas, das nicht ist oder war. Für mich war die zweite Aktion einfach keine gelbe Karte. Deswegen brauchen wir uns nicht über eine mögliche Strafe oder weiß der Teufel was unterhalten.

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Quelle: tz

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