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Bremen-Kapitän Marco Friedl: „Am Wochenende lege ich meine Bayern-Verbundenheit ab“

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Von: Manuel Bonke, Philipp Kessler

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Marco Friedl spielte zwischen 2008 und 2018 beim FC Bayern. Am Samstag trifft er als Bremen-Kapitän auf seinen Ex-Verein. Das tz-Interview.

München - Die Bayern taumeln. Auch bei Bremen läuft es nicht rund. Am Samstag (18.30 Uhr) kommt es zum Duell der beiden Vereine. Das tz-Interview mit Ex-Bayern-Talent und Werder-Kapitän Marco Friedl (25).

Wer schießt sich am Samstag aus der Krise?

Marco Friedl: Natürlich lief es für Bayern zuletzt nicht so, wie sie sich das erhofft haben. Aber ob sie in der Krise sind, wenn sie in der Bundesliga auf dem ersten Platz sind, wage ich zu bezweifeln. Wir versuchen jedenfalls alles, damit wir die wichtigen drei Punkte einsammeln und einen Riesenschritt Richtung Klassenerhalt machen. Dafür brauchen wir eine Top-Leistung.

Am 20. September 2008 gelang Bremen der letzte Sieg gegen Bayern. Lange her…

Friedl: Tatsächlich. Ich kann mich aber auch gut an ein 1:1 vor zweieinhalb Jahren in München erinnern. Damals waren wir dem Sieg näher.

Um zu gewinnen, brauchen wir offensiv und defensiv einen Sahnetag. 

Marco Friedl

Wie kann Bremen Ihren Ex-Club besiegen?

Friedl: Wir wissen, dass Bayern am Samstag normalerweise mehr vom Spiel haben wird. Wir müssen darauf achten, ihnen so wenig Chancen wie möglich zu geben und ihnen ihre eigenen Stärken zu nehmen. Wir müssen versuchen, im eigenen Ballbesitz mutig zu sein und unser Spiel durchdrücken, um für Entlastung sorgen zu können. Klar ist auch: Um zu gewinnen, brauchen wir offensiv und defensiv einen Sahnetag. Darauf haben wir die Woche hintrainiert.

Welchen Spieler müssen die Bayern fürchten?

Friedl: Fülle und Duckschi sind sicher unsere zwei Spieler, die sehr gerne treffen. Fülle wird allerdings leider nicht rechzeitig fit für das Spiel und daher fehlen. Aber Fakt ist: Wir kommen über die Mannschaft. Unsere Einheit ist unsere Stärke. Die mannschaftliche Verfassung entscheidet, ob wir gut oder schlecht spielen.

Bremen ging als Neunter in die WM-Pause. Nun ist man nur noch sieben Punkte vor Relegationsplatz 16.

Friedl: Beim 4:2 gegen die Hertha in Berlin hat man gesehen, was wir leisten können. Momentan schenken wir die Spiele aber zu leicht her und lassen unnötig Punkte liegen. Beim 1:2 auf Schalke war unsere Leistung über 90 Minuten hinweg nicht gut. Unterm Strich haben wir verdient verloren. Wir haben uns alles selbst zuzuschreiben. Wir haben vergangenes Wochenende eine Riesen-Chance liegen lassen, dass wir vielleicht sogar vorzeitig in der Liga bleiben. Wir sind Aufsteiger und im Lernprozess. Dass nicht alles direkt funktionieren kann, ist klar. Aber wir hatten in den letzten Wochen ein, zwei schlechte Spiele zu viel.

Fürs Wochenende werde ich die FCB-Verbundenheit aber ablegen.

Marco Friedl

Von 2008 bis 2018 spielten Sie für den FC Bayern. Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit?

Friedl: Ich denke oft und gerne zurück. Ich habe fast mein halbes Leben dort verbracht. Zu Serge Gnabry habe ich noch viel Kontakt, auch zu Physios oder zum Zeugwart. Einige vom Ordnungsdienst kenne ich ebenfalls. Ich habe noch Bezug nach München. Deshalb ist der Verein immer in meinem Herzen. Fürs Wochenende werde ich die FCB-Verbundenheit aber ablegen.

Wie wollen Sie als Abwehrchef Ihre Ex-Kollegen stoppen?

Friedl: Bayern ist individuell hervorragend besetzt. Ein besseres Niveau kann man nicht haben. Man muss die Spieler stoppen wie jeden anderen auch: unangenehm sein, Stärke nehmen, wenig Raum lassen. Wir müssen um jeden Meter kämpfen.

Marco Friedl absolvierte zwei Pflichtspiele für den FC Bayern, in Bremen wurde er zum Leistungsträger.
Marco Friedl absolvierte zwei Pflichtspiele für den FC Bayern, in Bremen wurde er zum Leistungsträger. © IMAGO/Ulrich Wagner

Friedl spricht über die damalige Option einer Bayern-Rückkehr

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder mal Gerüchte über Ihre Rückkehr zum FC Bayern. Wie konkret war das Thema?

Friedl: Damals wäre das mit Rückkaufoption möglich gewesen. Jetzt nicht mehr. Ich bin sehr froh, meinen neuen Vertrag im vergangenen Sommer unterschrieben zu haben.

Bei Bremen stehen Sie noch bis 2026 unter Vertrag. Welche Ziele Sie mit Werder?

Friedl: Dieses Jahr ist es sehr wichtig, dass wir in der Liga bleiben. Wir haben noch schwierige Spiele vor der Brust. Unser Ziel ist der Klassenerhalt. In den nächsten Jahren wollen wir wieder eine Konstante in der Bundesliga sein und irgendwann auch wieder die internationalen Plätze angreifen.

Und persönlich?

Friedl: Das erste Jahr habe ich gebraucht, um mich zu akklimatisieren. Ich konnte mich seitdem leistungstechnisch deutlich stabilisieren und Stammspieler werden. Ich bin nach wie vor jung und möchte mich weiter verbessern.

Bei Werder sind Sie auch zum österreichischen Nationalspieler gereift.

Friedl: Es ist immer eine Riesen-Ehre, dabei zu sein. Natürlich hat es mich genervt, dass ich zuletzt nicht dabei sein konnte. Ich weiß aber, dass ich im Verein meine Leistungen bringen muss. Sollte ich nächste Saison wieder dabei sein, würde es mich sehr freuen. Interview: Philipp Kessler, Manuel Bonke

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