DAZN-Moderator im Interview

FC Bayern vor Saisonstart gegen Schalke 04 - Experte Schlüter (DAZN): „Leroy Sané muss seine Weltklasse noch beweisen“

Alexander Schlüter mit einem Mikrofon in einem leeren Stadion.
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Alexander Schlüter moderiert für DAZN die Champions League und die Bundesliga.

Alexander Schlüter (DAZN) spricht im Interview vor dem Saisonstart über den Triple-Erfolg des FC Bayern, die Erwartungen an Leroy Sané und die Gefahr für die Bundesliga.

München - Endlich geht es wieder los! Am Freitag um 20.30 Uhr eröffnen der FC Bayern und der FC Schalke 04 die neue Bundesliga-Saison. Gerade einmal 26 Tage nach dem beeindruckenden Triumph in der Champions League ist der Triple-Sieger aus München schon wieder geordert.

Dabei hat das Team von Trainer Hansi Flick nicht nur eine kurze Saisonvorbereitung hinter sich, auch die Nebengeräusche um die auslaufenden Verträge von David Alaba und Thiago sorgten für kräftig Unruhe an der Säbener Straße. Am Donnerstag bestätigte der FC Bayern, dass man sich mit dem FC Liverpool über eine Ablöse für den 29-jährigen Spanier einig ist.

Ob all diese Probleme den FC Bayern am Freitagabend gegen den FC Schalke (live ab 20 Uhr auf DAZN) beeinträchtigen? Wenn es nach DAZN-Kommentator Alexander Schlüter geht, prallt die Unruhe am Rekordmeister ab. Der charismatische Niedersachse spricht im Exklusiv-Interview mit tz.de zudem über die Vorfreude auf die neue Saison, die Erwartungen an Leroy Sané und die große Gefahr für die Bundesliga durch die vielen Abgänge in Richtung Premier League.

FC Bayern: DAZN-Experte Alexander Schlüter im Interview - „Leroy Sané muss seine Weltklasse noch beweisen“

Herr Schlüter, am Freitag beginnt wieder die Bundesliga. Die Partie des FC Bayern gegen Schalke 04 ist unter anderem auch auf DAZN live zu sehen. Wie groß ist die Vorfreude bei Ihnen?
Alexander Schlüter (DAZN): Sehr groß. Das Champions-League-Turnier in Lissabon ist zwar noch gar nicht so lange her, aber es hat mir derart großen Spaß gemacht, weil es ja auch von RB Leipzig und vor allem vom FC Bayern geprägt wurde, dass ich mich jetzt schon wieder riesig auf die Bundesliga freue.
Aufgrund der Corona-Unterbrechung wurde die Champions League, die ab 2021 fast ausschließlich auf DAZN zu sehen sein wird, im August in einem neuen Modus ohne Hin- und Rückspiel und an einem Ort ausgespielt. Auch FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge zeigte sich von diesem Format begeistert. Ist das ein Model für die Zukunft?
Alexander Schlüter (DAZN): Ich muss zugeben, dass ich nicht erwartet hätte, dass dieses Turnier in Lissabon so viel Spaß macht. Da muss man auch mal ein Lob an die Veranstalter aussprechen, die das unter den Hygieneauflagen der UEFA perfekt organisiert haben. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen kann, dass es die K.o.-Runde der Champions League nochmals in solche einem Format geben wird, wenn hoffentlich bald wieder so etwas wie Normalität herrschen sollte. Auch wenn die Spiele teils spektakulär waren, darf man auch nicht vergessen, dass so ein klassischer Modus ebenfalls seine Reize hat. Ich erinnere nur mal an das Jahrhundertspiel im vergangenen Jahr, als der FC Liverpool gegen den FC Barcelona das 0:3 aus dem Hinspiel an der Anfield Road noch sensationell umgebogen hat. Vor allem ist es doch auch ein Fest für die Fans, wenn sie im heimischen Stadion ihren Klub in der Königsklasse unterstützen können. 
Fans ist ein gutes Stichwort! Aufgrund der Coronavirus-Pandemie werden die Stadien zum Bundesliga-Start noch immer nicht voll sein. Wie sehr vermisst man selbst als Moderator die Fans?
Alexander Schlüter (DAZN): Keine Frage, die Fans gehören dazu und müssen ins Stadion, solange das mit dem Hygienekonzept vertretbar und machbar ist. Auch wenn ich das Spiel ohne Zuschauer auch genießen kann. Wir alle spielen nach dem Regeln, die die DFL und die Regierung in dem Fall vorgibt. Bislang funktioniert das Gesamtkonzept einwandfrei, aber natürlich wünscht man sich irgendwann wieder ein volles Stadion.
Der Triple-Triumph des FC Bayern ist noch nicht einmal vier Wochen her. Glauben Sie, dass die Flick-Elf mental schon wieder voll auf der Höhe ist und diese Gier wieder an den Tag legt, mit der sie das Triple holte?
Alexander Schlüter (DAZN): Ich sehe da keine Probleme, ganz im Gegenteil. Ich habe die Befürchtung, dass auf die Schalker da eine ganze Menge zukommen wird. Der FC Bayern ist beim Champions-League-Turnier mit einem Selbstvertrauen aufgetreten, dass man so von einer internationalen Top-Mannschaft ewig nicht mehr gesehen hat. Meiner Meinung nach wird es kein Problem werden, am Freitag gegen den FC Schalke mental hochzufahren, weil die Bayern noch auf der Euphoriewelle getragen werden. Insofern könnte es sogar ein Vorteil sein, dass das Finalturnier noch gar nicht so lange her ist. Natürlich war der Sieg über Paris Saint-Germain der emotionale Höhepunkt, aber das Selbstverständnis des FC Bayern ist noch immer vorhanden - und wurde durch das Triple nochmals gestärkt.

DAZN-Kommentator Alexander Schlüter im Interview: „Bei Alaba stehen die Zeichen auf Abschied“

Bei aller Euphorie an der Säbener Straße gibt auch auch Probleme bei den Bayern. David Alaba hat seinen Vertrag beim FC Bayern noch immer nicht verlängert, auch Thiago wird den Rekordmeister wohl verlassen. Nun gibt es nach den Aussagen von Uli Hoeneß im SPORT1-Doppelpass mächtig Ärger. Beschäftigt so etwas eine Mannschaft nicht?
Alexander Schlüter (DAZN): Bei David Alaba stehen die Zeichen auf Abschied. Ich deute auch die Aussagen von Uli Hoeneß vom vergangenen Sonntag als ein Zeichen der Frustration. Das ist meines Erachtens auch verständlich, wenn man bedankt, dass der FC Bayern David Alaba zu dem Spieler gemacht hat, der er nun ist - und es dem Akteur trotz aller sportlichen Erfolge am Ende des Tages doch offenbar nur ums liebe Geld geht. Aber dennoch glaube ich, dass die Mannschaft so gefestigt ist, dass sie solch einen Verlust auffangen könnte.
Bei all dem Chaos geht fast unter, dass mit Leroy Sané nach langem Hin und Her der Wunschspieler von Manchester City an die Säbener Straße gewechselt ist. Was erwarten Sie von ihm?
Alexander Schlüter (DAZN): Für Leroy Sané ist es natürlich eine besondere Situation. Der FC Bayern war nach der Corona-Pause super erfolgreich und hat zwar auch in der Offensive geglänzt, aber vor allem im Spiel gegen den Ball überragend agiert. Ob das Leroy Sané auf absolutem Weltklasse-Niveau kann, das muss er erst noch zeigen. Da hat er noch Luft nach oben und muss sich an die Spielweise des FC Bayern erst gewöhnen. Aber klar, nach vorne ist Sané natürlich ein Pfund!
Auch der Borussia Dortmund hat abermals eine spannende Mannschaft mit vielen talentierten Spielern wie Jadon Sancho, Erling Haaland oder auch Jude Bellingham oder Giovanni Reyna. Können die Dortmunder Teenager dem FC Bayern in dieser Saison gefährlich werden?
Alexander Schlüter (DAZN): Der BVB wird eine Mannschaft sein, die in dieser Saison unfassbar viel Spaß machen wird. Es wird eine Augenweide sein, die jungen Wilden in der Offensive kicken zu sehen. Gespannt darf man auch auf den jungen Moukoko sein, wenn er denn eingesetzt wird. Da sind so viele Jungs, auf die ich mich in der kommenden Saison als neutraler Beobachter freue. Allerdings wird es nicht reichen, den FC Bayern zu ärgern. Ich erwarte sogar eher, dass der Abstand noch ein bisschen größer wird.  

Bundesliga: Dieses Team könnte für Alexander Schlüter (DAZN) für eine Überraschung sorgen

Welchem Team trauen Sie in dieser Bundesliga-Saison eine Überraschung zu?
Alexander Schlüter (DAZN): Wenn es um den Bayern-Verfolger Nummer eins geht, finde ich Borussia Mönchengladbach richtig spannend. Die gehen in ihr zweites Jahr mit Marco Rose, der auch eine besondere Art des Fußballs spielen lässt, zudem haben sie keine Leistungsträger verloren und sogar noch zwei Wunschspieler hinzubekommen. Bereits in der vergangenen Saison haben die Gladbacher unter Beweis gestellt, dass sie richtig guten und auch erfolgreichen Fußball spielen können. Die Borussia muss man auf dem Zettel haben.
Wer wird Meister, wer steigt ab?
Alexander Schlüter (DAZN): Es gibt Wege, die risikoreicher sind, als sein Geld auf den FC Bayern als Meister zu setzen. (lacht) In Sachen Abstieg wird es knifflig. Da muss man sehen, wie Max Kruse bei Union Berlin einschlägt. Wenn ich mich aber festlegen müsste, würde ich auf den FC Augsburg tippen, der mit Philipp Max sehr viel Qualität verloren hat. Außerdem glaube ich, dass Arminia Bielefeld wieder runter muss.

Bundesliga: DAZN-Kommentator Schlüter schlägt Alarm - „Wenn Spieler wie Volland oder Koch die Liga verlassen ...“

Mit Kai Havertz und Timo Werner hat die Bundesliga zwei absolute Top-Stars verloren. Auch Thiago zieht es nun in die Premier League. Blöd gefragt: Ist die Bundesliga nicht mehr in der Lage, die ganz großen Kicker zu halten?
Alexander Schlüter (DAZN): An sich ist das ja nichts Neues. Außer dem FC Bayern München kann sich auf dem Transfermarkt kein Bundesligist auf lange Sicht gegen die internationale Konkurrenz wehren. Dass jetzt Leute wie Havertz und Werner die Liga verlassen, sollte man aber eher als Auszeichnung sehen, weil das zwei absolute Top-Talente auf internationaler Ebene sind. Kritisch sehe ich eine andere Sache.
Die da wäre?
Alexander Schlüter (DAZN): Wenn Spieler wie Robin Koch, Luca Waldschmidt oder Kevin Volland Vereine wie den SC Freiburg oder Bayer Leverkusen ins Richtung Ausland verlassen, das ist schon ein bisschen alarmierend. Offenbar war kein Bundesligist in der Lage, die Angebote von Benfica oder Monaco zu matchen. Das ist eine gefährliche Tendenz dahingehend, dass die Bundesliga irgendwann zu einer „Ausbildungs-Liga“ verkommt.

Interview: Florian Schimak (smk)

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