"Nie ein Freundschaftsspiel"

BVB vs. FCB: Chronologie eines Mega-Zoffs

+
Zwischen Watzke und Hopfner fliegen momentan die Fetzen. Auch zwischen Klopp und dem FC Bayern gab es schon Stress.

München - Ein Darlehen aus dem Jahr 2004 sorgt für Streit zwischen den Bayern und dem BVB. Und das so knapp vor dem Bundesliga-Kracher der beiden Rivalen. Es ist nicht das erste Mal, dass zwischen den Klubs die Fetzen fliegen.

„Es war schon einmal besser“, gesteht Hans-Joachim Watzke. Gemeint ist das Verhältnis zwischen Borussia Dortmund und Bayern München. Das sieht der BVB-Chef ganz nüchtern. Nicht nur, dass der Pott-Klub den Münchnern in den letzten drei Jahren wohl etwas zu sehr auf die Pelle gerückt ist. Immer wieder fliegen zwischen den beiden Rivalen gehörig die Giftpfeile. Momentan sorgt ein heikles Thema für ordentlich Zoff, doch das ist nur ein Punkt auf der langen "BVB vs. FCB"-Liste.

Eine Chronologie

Jahr 2004: Die Dortmunder sind finanziell angeschlagen. Doch von der Konkurrenz aus dem Freistaat bekommen sie ein Darlehen über insgesamt zwei Millionen Euro. Damals ist bei den Bayern noch Karl Hopfner für die Finanzen zuständig. Dieses Darlehen wird ein Jahrzehnt später für Ärger sorgen.

23. April 2013: Der Wechsel von Mario Götze wird bekannt gegeben. Das sorgt nicht nur bei den BVB-Fans für Unmut. Auch Hans-Joachim Watzke wirkt angenervt. Er stellt klar: "Wir sind natürlich über alle Maßen enttäuscht, betonen aber, dass sich sowohl Mario als auch sein Berater absolut vertragskonform verhalten haben." Doch dann folgt ein Seitenhieb in Richtung Isar-Stadt: "Vom FC Bayern München hat sich bis zum heutigen Tag in dieser Angelegenheit kein Offizieller bei Borussia Dortmund gemeldet." Der Sport Bild sagt Watzke: "Ich glaube, dass Bayern seit vielen Jahren das gleiche Erfolgsschema verfolgt. Dazu gehört auch, den Konkurrenten zu schwächen."

4. Mai 2013: Kurz vor dem Champions-League-Finale in Wembley treffen die beiden Rivalen in der Bundesliga aufeinander - und das wird richtig hässlich. Rafinha fliegt in der 65. Minute mit Gelb-Rot vom Platz, nachdem er Kuba in einem Duell mit dem Arm an den Kopf stieß. Anstatt einfach vom Platz zu gehen, drückt Rafinha dem Dortmunder noch den Finger in die Backe. Die BVB-Bank tobt, Klopp schickt Rafinha wild gestikulierend in die Kabine. Das passt Matthias Sammer gar nicht. Er stellt sich an den Rand der Trainerzone und schreit ordentlich mit. Klopp folgt der "Aufforderung", stellt sich Nase an Nase mit Sammer und liefert sich mit ihm ein Wortgefecht. Klopp später: "Er sagte, ich solle den Spieler in Ruhe lassen. Und noch was, was ich nicht verstanden habe." Bayern-Keeper Manuel Neuer nach Abpfiff: "Dortmund gegen Bayern kann nie ein Freundschaftsspiel sein."

FCB vs. BVB: "Sie wollen uns zerstören"

4. Januar 2014: Der nächste Dortmunder ist im Bayern-Sack! Robert Lewandowski unterschreibt bei den Münchnern. Der Verein twittert: "Offiziell: Bayern verpflichtet Robert Lewandowsi (25)! Stürmer unterschrieb soeben 5-Jahresvertrag bis 2019."

31. Januar 2014: Ein frustrierter Hans-Joachim Watzke gibt der Sport Bildein Interview und macht seinem Ärger Luft. Nach dem Lewandowski-Coup schimpft er: "Jetzt schlagen sie zurück. Sie wollen uns zerstören, dass wir nie wieder eine Gefahr darstellen, indem sie sich an unseren Spielern bedient haben."

6. März 2014: Der FC Bayern dominiert die Bundesliga. Doch warum ist das so? Bei Sport1plaudert Sportvorstand Matthias Sammer (spielte von 1993 bis 1998 selbst bei den Schwarz-Gelben und gewann mit ihnen die Champions League) über seine Sicht der Dinge. "Vielleicht sind wir von der Qualität - aber auch von der Mentalität her - im Moment anderen überlegen. Und vielleicht ist das die Message nach draußen: Wird denn wo anders auch jeden Tag akribisch trainiert, als würde es kein Morgen geben?"

7. März 2014: BVB-Coach Jürgen Klopp lässt die Stichelei gegen sich und den Rest der Liga nicht auf sich sitzen. "An Matthias Sammers Stelle würde ich jeden Morgen, bevor ich das Münchner Trainingsgelände betrete, Gott danken, dass jemand auf die Idee gekommen ist, mich dazu zu nehmen", sagt Klopp. "Ich glaube nicht, dass der FC Bayern einen Punkt weniger hätte, wenn Sammer nicht da wäre. Oder gibt er Pep Tipps wie man gut trainiert?"

Watzke: "Hoeneß war nicht Mutter Theresa"

Anfang April 2014: In einem Interview mit der spanischen Sport-Zeitung AS widerspricht Watzke der Darstellung der Bayern, das im Jahr 2004 geliehene Geld ohne Sicherheiten gegeben und größtenteils auf eine Zinszahlung verzichtet zu haben. "Hoeneß hat meinem Vorgänger zwei Millionen geliehen, mit acht Prozent Zinsen. Er war nicht Mutter Theresa." Die zwei Millionen hätten außerdem nichts genutzt, da der Verein sowieso schon bankrott war. Somit hätten die Bayern den BVB nicht wie dargestellt vor dem Entzug der Bundesliga-Lizenz bewahrt.

9. April: Im Inneren von Karl Hopfner brodelt es nach dieser Aussage gewaltig, er bezeichnet den BVB-Boss als Lügner. "Was Herr Watzke da behauptet hat, ist die absolute Unwahrheit", poltert er und bezieht sich dabei auf die angebliche Acht-Prozent-Verzinsung. Dann zieht Hopfner noch einen Vergleich, der sitzt: "Baron Münchhausen wäre ja noch geschmeichelt." Auch die Sticheleien in Richtung Hoeneß gehen ihm gehörig gegen den Strich, er bezeichnet die Kommentare als "äußerst diskreditierend" und "beschämend".

10. April:  Jetzt mischt auch Karl-Heinz Rummenigge mit und bezeichnet die Aussagen Watzkes als "eigenartige Wahrnehmung der Fakten." Er könne sich sehr genau an einen Anruf aus Dortmund erinnern: "(Manager) Michael Meier hat gesagt: Wenn Bayern München die zwei Millionen nicht zur Verfügung stellt, könnten sie am Monatsende die Gehälter nicht zahlen." Zur Reaktion Hopfners sagt Rummenigge: "Wir wollen da eigentlich keinen Stress machen. Es war ja nur eine Antwort von Karl Hopfner auf die Darstellung letzter Woche." Damit solle das Buch auch langsam zugeschlagen werden. "Das ist zu lange her, um es immer wieder aufzuwärmen."

10. April: Watzke räumt im Interview mit dem kicker  (Donnerstagsausgabe) einen Irrtum ein: "Der Zinssatz war in der Tat niedriger, als ich irrtümlicherweise in einer spontanen Reaktion auf die Frage angegeben hatte."

11. April: Aber auch einen Tag nach Rummenigges mehr oder weniger versöhnlichen Worten sitzt Klub-Boss Watzke der "Baron von Münchhausen" noch tief in den Knochen. "Mich persönlich zu diskreditieren, ist nicht korrekt. Bei allem, was im letzten Jahr um die Bayern-Verantwortlichen herum passiert ist, hätte es für mich zig Gelegenheiten und Hunderte von Anfragen gegeben, einen von denen persönlich zu diskreditieren", motzt der 54-Jährige bei Sky. Das habe er aber nie gemacht. Noch nicht. "Wenn wir meinen, wir sollten diese Ebene jetzt betreten, dann können wir das auch machen.“ Vielleicht folgt dann am 12. April noch ein Kapitel in der Chronologie des Mega-Zoffs - wenn der FC Bayern in der Allianz Arena die Dortmunder empfängt.

mes (mit Material von dpa und sid)

Auch interessant

Meistgelesen

Nach Pleite in Gladbach: Nun schreitet der Sportdirektor ein - Salihamidzic kündigt „Klartext“ an
Nach Pleite in Gladbach: Nun schreitet der Sportdirektor ein - Salihamidzic kündigt „Klartext“ an
Mit einem neuen Zitat tut Pep Guardiola den FCB-Fans verdammt weh 
Mit einem neuen Zitat tut Pep Guardiola den FCB-Fans verdammt weh 
FCB-Vereinslegende kann‘s immer noch - und beschert jetzigem Klub den Titelgewinn
FCB-Vereinslegende kann‘s immer noch - und beschert jetzigem Klub den Titelgewinn
Wer wird Bayern-Trainer? Hansi Flick schwärmt von einem Kandidaten
Wer wird Bayern-Trainer? Hansi Flick schwärmt von einem Kandidaten

Kommentare