Carles Rexach im tz-Interview

"Für Bayern könnte es schlimm werden"

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Carles Rexach (l.) beim Interview mit tz-Reporter J. Carlos Menzel Lopez.

Barcelona - Im tz-Interview verrät Barça-Legende Carles Rexach, wie Boateng, Benatia & Co Messi am besten stoppen können – zumindest un poquito.

Wenn einer weiß, wie man Lionel Messi aufhalten kann, dann Carles Rexach. Immerhin war er es, der den kleinen Dribbelfloh seinerzeit entdeckte und zu Barça holte – nachdem er kurzerhand einen Vertrag auf einer Serviette aufgesetzt und vom Papa des Argentiniers unterschreiben lassen hatte. Der 68-jährige Ex-Spieler und -Trainer der Katalanen ist darauf mächtig stolz. Kann er auch. Der tz verriet er nun bei einer Buchpräsentation in Barcelona, wie Boateng, Benatia & Co Messi am besten stoppen können – zumindest un poquito. Das Interview:

Señor Rexach, Sie haben Messi entdeckt und danach zu Barça geholt. Verraten Sie uns nun, wie man ihn am besten aufhalten kann?

Rexach (lacht): Ich werde mich davor hüten! Aber ich gebe Ihnen einen Tipp: Um Messi aufzuhalten, sollten die Bayern-Spieler zusehen, dass er gar nicht erst die Kugel bekommt. Spaß beiseite: Einen Spieler von dieser Qualität und vor allem von dieser Unberechenbarkeit kann keine Abwehr dieser Welt komplett ausschalten. Es ist schlicht nicht möglich, weil er sehr klug ist, sich stets gut platziert und immer wieder einen Ausweg findet.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten heute eine Abwehr gegen Messi einstellen. Was würden Sie ihr sagen?

Rexach: Nun zuallererst, dass sie den Kleinen doch bitte nicht aus den Augen lassen sollen. Ist er einmal untergetaucht und kriegt das Ding ohne Bedrängnis unter Kontrolle, hat das Unheil bereits seinen Lauf genommen. Er darf nie allein auf dem Feld sein, muss den Atem der Verteidiger zu jeder Sekunde spüren – dann tut auch er sich schwer. Und jetzt ist Schluss! Mehr Tipps gegen Messi gibt es nicht, nicht dass der Schuss noch nach hinten losgeht.

Fest steht, dass er nach einer kurzen Durststrecke vergangene Saison wieder stärker denn je ist. Wie kommt’s?

Rexach: Vergangenes Jahr ist einfach einiges zusammengekommen: die Pleite im WM-Finale, sein Fitnesszustand – man muss aber auch bedenken, dass er mittlerweile zehn Jahre auf Top-Niveau spielt. Da kann man sich auch mal einen kleinen Durchhänger erlauben, finde ich. Jetzt ist er aber zum Glück wieder ganz der Alte.

Und kann im Gegensatz zu 2013 im Vollbesitz seiner Kräfte gegen Bayern spielen. Hinzu kommt noch das Duell gegen Pep Guardiola, recht viel motivierter könnte la pulga also nicht sein, oder?

Rexach: Da könnten Sie recht haben, denn das 0:7 ist auch an ihm nicht spurlos vorübergegangen. Leo hat das nicht vergessen, genauso wenig, dass er gegen die Bayern nicht fit war. Jetzt scheint es so, als wären die Vorzeichen genau umgekehrt: heuer plagen die Münchner die Sorgen, und Messi könnte nicht fitter sein. Aber soll ich Ihnen mal etwas sagen?

Bitte!

Rexach: Es wird derzeit viel darüber spekuliert, dass Leo Guardiola eins auswischen will. Weil sich beide zum Schluss von Peps Ära bei Barça nicht mehr allzu gut verstanden haben sollen. Ich sage nur: Schwachsinn! Für Leo geht es darum, erneut ins Finale der Königsklasse einzuziehen. Das ist die einzige Motivation, die ihn bewegt – und wie ich finde, auch nicht die schlechteste.

Sie haben auch Guardiola selbst hautnah miterlebt, als Spieler wie als Trainer. Wer ist denn nun im Vorteil? Pep, weil er Barça kennt? Oder Barça, weil sie Pep kennen?

Rexach: Weder noch! Ganz im Ernst: In meinen Augen wird die Mannschaft den Kürzeren ziehen, die sich der anderen am meisten anpassen muss. Will heißen: Wenn am Ende die Bayern die Mannschaft sind, die Barça ihren Fußball aufzwingen, werden die Blaugrana leiden. Spielt Barça aber wie zuletzt in der Liga, könnte das ein schlimmer Abend werden für die Bayern.

Und auch für Guardiola selbst. Glauben Sie, dass er irgendwann nach Barcelona zurückkehren wird?

Rexach: Auf lange Sicht gesehen definitiv, und damit meine ich vielleicht in zehn Jahren. Das hier ist sein Klub. Wie ich finde, ist es seine Pflicht, irgendwann einmal zurückzukehren.

Interview: lop

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