Botschaft in sozialen Netzwerken

Ancelotti an die Bayern-Fans: "Es ist mir eine große Ehre!"

München - Seinen Dienst beim FC Bayern München tritt er zwar erst im Juli an, doch bei den ersten Fans hat sich Carlo Ancelotti jetzt schon beliebt gemacht.

„Es ist eine große Ehre für mich, in der kommenden Saison ein Teil vom FC Bayern zu sein“, verkündete der Italiener in sozialen Netzwerken und richtete in seinem Statement gleich einen Gruß an die Anhänger der Roten: „Mir bleibt nun nur noch, den Bayern-Fans und euch allen frohe Weihnachten und ein frohes neues Jahr zu wünschen.“

Nur wenige Minuten zuvor hatte FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge die Verpflichtung des 56-Jährigen zum Sommer bekannt gegeben, Ancelotti erhält beim Rekordmeister einen Dreijahresvertrag. „Carlo ist ein ruhiger, ausgeglichener Fachmann, der mit Stars umgehen kann und einen variantenreichen Fußball spielen lässt“, sagte Rummenigge und war zufrieden mit der Wahl des Pep-Nachfolgers. „Das haben wir gesucht, das haben wir gefunden. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit“, so der Vorstandsvorsitzende in der Presseerklärung weiter. Auch wenn der stoische Italiener auf den ersten Blick wie ein kompletter Gegenentwurf zum zappelnden Pep daherkommt, ist er für den FCB ein perfekter Nachfolger. Die tz erklärt warum.

Carlo Ancelotti: Das unterscheidet ihn von Pep Guardiola

Während Pep bei Spielen fast 90 Minuten an der Seitenlinie fuchtelt und Anweisungen gibt, verfolgt Carlo Ancelotti die Begegnungen seiner Mannschaft oft mit den Händen in der Hosentasche. Dass er dennoch ein kommunikativer Typ ist, hat „Carletto“ (Karlchen) schon oft genug bewiesen. Zu den Superstars seiner Teams hatte der Trainer immer ein gutes Verhältnis, in Paris schwärmte Zlatan Ibrahimovic ebenso von ihm wie Cristiano Ronaldo in Madrid. Der Weltfußballer nahm es Reals Vereinsführung im Sommer ziemlich übel, dass sie Ancelotti entließ. Die Galaktischen führte der Italiener 2014 nach zwölfjähriger Wartezeit zum langersehnten zehnten Champions-League-Titel, unvergessen war dabei seine taktische Lehrstunde im Halbfinale für Pep und dessen Bayern.

Ancelotti steht für Erfolg. Als einziger Trainer gewann er bislang drei Mal die Königsklasse, neben dem Triumph mit Real noch zwei Mal als Coach des AC Mailand (2003, 2007). Zudem holte er mit den Rossoneri die Meisterschaft und den Pokal, ebenso wie mit dem FC Chelsea in England. Auch mit Paris St. Germain wurde der Tortellini-Liebhaber Meister, ehe Real ihn aus seinem Vertrag herauskaufte. Im Gegensatz zu Guardiola verzichtet Ancelotti auch auf Experimente. Er richtet die Spieler nicht nach seinem System aus, sondern umgekehrt. Deshalb kommt es auch nicht selten vor, dass der Familienvater seine Stammelf über Wochen nicht verändert, während Pep zuletzt 99 Mal in Folge eine unterschiedliche Startelf auf den Rasen geschickt hatte.

Autorität ist Ancelotti wichtig, Respekt auch. Den fordert er aber nicht nur ein, sondern zollt ihn auch jedem seiner Spieler. Auch ein Grund, weshalb der Italiener sehr geschätzt wird. „Als er ging, waren alle traurig – auch die, die nicht gespielt haben und Grund gehabt hätten, ihn dafür zu kritisieren. Es fiel kein negatives Wort über ihn. Das ist außergewöhnlich“, hatte Real-Star Toni Kroos zuletzt in der Zeit über Ancelottis Abschied gesagt. Seit seiner Entlassung in Madrid lebt Ancelotti mit seiner zweiten Ehefrau Mariann in Kanada, ihrem Geburtsland. Dort verbringt er sein Sabbatical, bevor er im Sommer nach München kommt. Dann ist der ehemalige Weltklassespieler auch wieder näher an seiner Heimat, dem kleinen Ort Reggiolo im Norden Italiens. Mit der Region ist er auch heute noch sehr verbunden, half ihr nach einem Erdbeben 2012 durch finanzielle Unterstützung beim Wiederaufbau. Beim FC Bayern muss er in den nächsten drei Jahren nichts wieder aufbauen, aber er soll Großes erschaffen.

Carlo Ancelotti in Zahlen

Geburtsdatum: 10. Juni 1959 in Reggiolo/Italien.

Vereine als Spieler: FC Parma (1976-1979), AS Rom (1979-1987), AC Mailand (1987-1992).

Vereine als Trainer: AC Reggiana (1995-1996), ­FC Parma (1996-1998), Juventus Turin (1999-2001), AC Mailand (2001-2009), FC Chelsea (2009-2011), ­Paris St. Germain (2012-2013), Real Madrid (2013-2015), FC Bayern (vom 1. Juli 2016).

Erfolge als Spieler: Intercontinental Cup (1989, 1990), UEFA Super Cup (1989, 1990), Italienischer Meister (1983, 1988, 1992), Italienischer Pokalsieger (1980, 1984, 1986), Italienischer Super Cup (1988).

Erfolge als Trainer: Club-WM (2007, 2014), Champions League (2003, 2007, 2014), UEFA Super Cup (2003, 2007), Italienischer Meister (2004), Italienischer Pokalsieger (2003), Italienischer Super Cup (2004), Englischer Meister (2010), Englischer FA-Cup (2010), Englischer Super Cup (2009), Französischer Meister (2013), Spanischer Pokalsieger (2014).

FCB-Trainer in der Bundesliga

01.07.1965 - 30.06.1968 Tschik Cajkovski

01.07.1968 - 13.03.1970 Branko Zebec

14.03.1970 - 02.01.1975 Udo Lattek

16.01.1975 - 30.11.1977 Dettmar Cramer

02.12.1977 - 28.02.1979 Gyula Lorant

01.03.1979 - 16.05.1983 Pal Csernai

17.05.1983 - 30.06.1983 Reinhard Saftig

01.07.1983 - 30.06.1987 Udo Lattek

01.07.1987 - 08.10.1991 Jupp Heynckes

09.10.1991 - 10.03.1992 Sören Lerby

11.03.1992 - 27.12.1993 Erich Ribbeck

28.12.1993 - 30.06.1994 Franz Beckenbauer

01.07.1994 - 30.06.1995 Giovanni Trapattoni

01.07.1995 - 27.04.1996 Otto Rehhagel

29.04.1996 - 30.06.1996 Franz Beckenbauer

01.07.1996 - 30.06.1998 Giovanni Trapattoni

01.07.1998 - 30.06.2004 Ottmar Hitzfeld

01.07.2004 - 31.01.2007 Felix Magath

01.02.2007 - 30.06.2008 Ottmar Hitzfeld

01.07.2008 - 27.04.2009 Jürgen Klinsmann

28.04.2009 - 30.06.2009 Jupp Heynckes

01.07.2009 - 10.04.2011 Louis van Gaal

11.04.2011 - 30.06.2011 Andries Jonker

01.07.2011 - 30.06.2013 Jupp Heynckes

01.07.2013 - 30.06.2016 Pep Guardiola

01.07.2016 - Carlo Ancelotti (Vertrag bis 30. Juni

2019)

Sven Westerschulze

Rubriklistenbild: © Facebook

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