Internationale Reaktionen

Zeitung beschimpft Ancelotti als „Taktikniete“ und „Talent-Vernichter“

Das Medien-Echo auf die Entlassung von Carlo Ancelotti beim FC Bayern ist in ganz Europa gewaltig. Italien steht seinem Landsmann bei, in Spanien spielt auch Toni Kroos eine Rolle.

München - Der Tag nach der 0:3-Pleite in Paris wird in die Annalen des FC Bayern eingehen. Trainer Carlo Ancelotti wurde von den Verantwortlichen als Hauptschuldiger der sportlichen Entwicklung ausgemacht und musste seinen Hut nehmen. Noch nie wurde beim FCB zu so einem frühen Zeitpunkt in der Saison der Coach entlassen. Während Uli Hoeneß bereits Einblick über die Beweggründe der vorzeitigen Trennung zwischen dem deutschen Rekordmeister und seinem italienischen Übungsleiter gab, exerziert die in- und ausländische Presse den Abgang Ancelottis in unterschiedlicher Manier. Besonders in Italien fallen die Reaktionen natürlich entsprechend solidarisch mit dem erfolgreichen Signore aus. Besonders heftig titelte das schweizer Blatt „Blick“: „Ancelotti geht als Taktikniete, Talentvernichter und Missverständnis! Er war der falsche Mann zur falschen Zeit. Ancelotti hatte weder das Feuer noch einen Plan. Das Malaise allein Ancelotti anzulasten, wäre grundfalsch. Das Erfolgsteam der letzten Jahre hat seinen Zenit überschritten, kein Coach der Welt kann das ändern.“

Doch auch in anderen Medien gab es deutliche Worte für Ancelotti. Hier eine Zusammenstellung aus Europa - und übrigens Ländern, in denen Ancelotti allesamt bereits Spitzenklubs trainierte:

Pressestimmen: Deutsche Reaktionen auf die Ancelotti-Entlassung

"Carlo Ancelotti fliegt beim FC Bayern raus. Es ist das Ende eines Prozesses, zu dem der Italiener wohl selbst mehr beigetragen hat, als vermutet wurde. Denn mit seiner riskanten Aufstellung und Taktik bei der enttäuschenden Pleite bei PSG hat sich Ancelotti angreifbar gemacht. Bei Fans, Clubbossen und nicht zuletzt den eigenen Spielern." Focus.de

"Wenn es um die Qualitäten von Carlo Ancelotti geht, dann wurde bisher immer gelobt, wie gut er mit Super-Egos von Spielern wie Cristiano Ronaldo und Zlatan Ibrahimovic umging. Ein Händchen für die Stars habe der Italiener, hieß es. Zumindest war das bisher so. Jetzt spricht vieles dafür, dass ein wichtiger Grund, warum Ancelotti in München scheiterte, das Missverhältnis zu Teilen der Mannschaft war.“ Spiegel.de

"Am Ende ist Ancelotti seine vermeintliche Kernkompetenz zum Verhängnis geworden. Er, der angeblich alle Spielerkabinen der Welt im Griff hatte, hat die Bayern-Kabine auf spektakuläre Art verloren. Ribéry beleidigt, Müller brummig, Hummels irritiert, Lewandowski genervt, und jetzt auch noch Robben: Ancelotti hat es nicht verstanden, der Post-Lahm-und-Alonso-Elf irgendeine Art von Struktur und Hierarchie zu verpassen." Sueddeutsche.de

"Ancelotti ist auch das Opfer der Alphamänner... Carlo Ancelotti beging beim FC Bayern zweifelsohne Fehler. Er geht als unerfülltes Versprechen in die Klubhistorie ein, trägt aber nicht allein Schuld an der Malaise. Eitelkeiten prägen den Klub." Welt.de

Voller Euphorie wurde Carlo Ancelotti am 11. Juli 2016 als neuer Trainer des FC Bayern vorgestellt. Nicht mal 15 Monate später erfolgt die Trennung.

Italien: „Spielerrevolte wie jene in München ist in Ancelottis Karriere einzigartig“

"Eine Verschwörung bei Bayern, Ancelotti verraten und verjagt! Der Trainer wird Opfer einer gespaltenen Mannschaft." Corriere dello Sport

"Ancelottis Fehler im Sommer war es, Bayerns Kader zu überschätzen, eine Mannschaft mit zu vielen müden 30-Jährigen, die einst Spitzenspieler waren, aber jetzt nicht mehr den Unterschied machen. Der Fall Thomas Müller und Manuel Neuers Verletzung haben Bayern besonders stark zugesetzt. Damit ist Ancelottis Abenteuer in München viel früher als erwartet zu Ende gegangen." Corriere della Sera 

"Ancelotti-FC-Bayern: Eine Schock-Scheidung. Wo ist die deutsche Ernsthaftigkeit geblieben? Der Klub, der Ancelotti nach nur sechs Spieltagen rauswirft, ist ein Verein, der Planung und Ernsthaftigkeit zu seinem Stil gemacht hatte. Die Tatsache, dass Ancelotti Ende September rausgeworfen wird, wahrscheinlich wegen des Unmuts einiger Spieler, ist ein schlechtes Signal für den europäischen Fußball." Gazzetta dello Sport

"Endstation für Ancelotti in München. Eine Spielerrevolte wie jene in München ist in Ancelottis Karriere einzigartig. In München haben Carlos Methoden offenkundig nicht funktioniert. Ob Chelsea, Real Madrid, oder München: Ancelottis Beziehungen zu ausländischen Klubs enden immer auf traumatische Weise, nie am Ende des Vertrags." La Repubblica

"Ancelotti rausgeschmissen! Prominente Spieler der Mannschaft haben Ancelottis Rauswurf mitbestimmt. Die Diskussionen um Müllers Leistungen haben das Klima vergiftet. Hinzugekommen sind die schwankenden Leistungen, viel Kritik und die Spannungen unter den Spielern." Tuttosport

Englische Pressestimmen: „Ancelotti konnte nie aus dem Schatten Guardiolas treten“

„Ancelotti hat die Mannschaft taktisch nicht weiterentwickelt und das hat die Bayern-Bosse frustriert. Sie haben gesehen, wie Guardiola den Bayern ein unverkennbares Spielsystem eingeimpft hat. Ancelotti konnte nie aus dem Schatten seines Vorgängers treten und das hat ihn letztlich den Job gekostet.“ Guardian

„Liverpool-Fans sorgen sich um Jürgen Klopp. Der Deutsche wird als Nachfolger von Carlo Ancelotti gehandelt. Klopp hat Liverpool zurück in die Champions League geführt und die Fans wollen ihn auf keinen Fall zum FC Bayern ziehen lassen.“ Mirror

„Ciao Carlo. Bayern entlässt den Ex-Chelsea-Trainer. Seine Mannschaft hat den Fokus, die Intensität und zu viele Punkte verloren. Der Italiener musste den Preis dafür zahlen, dass er zu lässig war und die Unterstützung einiger Schlüsselfiguren verloren hat.“ Sun

„Ancelotti musste nach der Klatsche gegen Paris seinen Hut nehmen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge wünscht sich, dass erstmals nach Jupp Heynckes wieder ein deutscher Trainer das Ruder bei den Bayern übernimmt. Bei den Buchmachern ist Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann der Favorit auf die Ancelotti-Nachfolge. “ Daily Mail

Spanien: „Ancelotti hat keine Schuld an der Krise“

„Für Bayern war es einfach, "Carletto" zu feuern. Aber Ancelotti hat keine Schuld an der Krise. Bayern ist nicht mehr, was es mal war. Der FC Bayern hat es verpasst, große Spieler zu verpflichten und sich auf die Schwächung von Dortmund konzentriert. Ancelottis Team ist schlechter als die Mannschaften von Heynckes und Guardiola. Der Klub mit einem äußerst komplizierten Umfeld wurde von der Konkurrenz längst abgehängt. Die größte Sünde war es, Kroos an Real Madrid abzugeben.“ Marca

„Die heftige Niederlage gegen Paris hat noch zusätzlich Salz in Ancelottis Wunde gestreut, der schon in der vorherigen Saison oft kritisiert wurde. Die Medien hinterfragten, ob das Training nicht zu lasch ist und kritisierten auch, dass Ancelotti gewisse Spieler bevorzugte.“ AS

Von 2013 bis 2015 leitete Carlo Ancelotti (l.) die sportlichen Geschicke bei Real Madrid.

Frankreich: „Einige Führungskräfte haben das Vertrauen verloren“

„Nach sechs Spieltagen haben die Bayern-Bosse ihrem Ärger Luft gemacht und gegen Paris eine Trendwende gefordert. Doch es ist nichts passiert. Neben den schlechten Ergebnissen wurde Ancelotti wegen seiner mangelnden Ambitionen - trotz eines starken Kaders - kritisiert. Unter Ancelotti ließ das Spiel der Münchner keine klare Handschrift erkennen und wurde von vielen Experten als nicht variabel genug angesehen.“ France Football

„Es gibt viele Gründe für den schlechten Bayern-Start, der letztlich zu Ancelottis Entlassung führte. Gegen Paris traf Ancelotti einige merkwürdige Entscheidungen. So ließ er beispielsweise Robben und Ribery auf der Bank. Der Franzose verließ wutentbrannt das Stadion und wollte nichts sagen. Doch Ribery ist wie Robben ein sehr einflussreicher Spieler und seine Meinung hat sicherlich auch bei der Entlassung eine Rolle gespielt. Einige Führungskräfte wie Ribery, Robben oder Müller, haben allmählich das Vertrauen in den Italiener verloren.“ L'Equipe

pf/Video: Glomex

Rubriklistenbild: © MIS

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