Erstes Interview als Bayern-Trainer

Erstes Interview! Ancelotti über Taktik, Stars und Wiesn

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Carlo Ancelotti: „Deutsch ist nicht einfach ...“

München - Ab 1. Juli ist Carlo Ancelotti neuer Bayern-Trainer, doch schon jetzt ist er in aller Munde. Bei goal.com sprach der Italiener über seine neue Aufgabe.

Carlo Ancelotti über die italienische Trainerschule: Ich habe sie selbst als Spieler erlebt und kann sagen, dass sie sehr gut ist. Sie bringt einem viele Sachen bei. Außerdem vermittelt die italienische Liga Dinge, die man in keiner anderen Liga lernen kann. Es gibt dort im Vergleich zu anderen Ländern viele taktische Feinheiten, die einen weiterbringen. In Italien gibt es viel mehr Spielsysteme als in anderen Ländern. Das sorgt dafür, dass man besser nachdenken muss und jede Menge Erfahrung sammelt.

Carlo Ancelotti über das Abenteuer Bundesliga: Deutschland hat in den Jahren ab 2006 viel in den Fußball investiert. Sie haben die Stadien neu gebaut und sind auf europäischer Ebene wieder top geworden. Ich freue mich besonders auf die Atmosphäre in den Stadien. Das fasziniert mich am meisten.

Carlo Ancelotti über seine persönliche Entwicklung: Mein Charakter hat sich im Vergleich zum Beginn meiner Trainerkarriere nicht großartig verändert. Ich bin immer noch derselbe. Natürlich habe ich aus meinen Erfahrungen gelernt. Aber eigentlich ist der Job immer derselbe geblieben. Bei der zwischenmenschlichen Beziehung zu den Spielern hat sich mein Ansatz nicht verändert. Heutzutage hat man mehr Spieler, die man trainiert. Deshalb ist es vielleicht ein wenig komplizierter.

Carlo Ancelotti über Motivationsprobleme: Das ist die schwierigste Aufgabe für einen Trainer: die Mannschaft weiterhin zu motivieren. Denn innerhalb eines Teams gibt es immer Probleme zu lösen, ganz egal, ob es gut oder schlecht läuft. Wenn alles klappt, besteht das Risiko, dass man es zu locker angeht. Und wenn es nicht läuft, fehlt natürlich das Selbstvertrauen. Der Trainer muss dann für die Balance sorgen: Er muss der Mannschaft wieder Selbstvertrauen einimpfen, wenn sie nicht erfolgreich ist. Das ist José Mourinho nun in Chelsea zum Verhängnis geworden. Die Mannschaft hat nicht denselben Start wie in der letzten Saison hingelegt, als sie es allen nach einem schlechten Jahr zeigen wollte. In dieser Saison war es andersherum – und Mourinho musste für die fehlende Motivation der Spieler zahlen.

Carlo Ancelotti über die Angst vor dem Pep-Erbe: Das Wichtigste ist, eine gute Trainer-Spieler-Beziehung herzustellen und darüber die eigenen Ideen zu vermitteln. Man muss erreichen, dass die Spieler von den Ideen des Coaches überzeugt sind. Sachen einfach durchzudrücken, ist nie gut. Es ist wichtig, dass die Mannschaft an die Dinge, die der Trainer entscheidet, glaubt und dass alle diese Dinge akzeptieren. Heutzutage gibt es im Fußball nicht mehr die Unterschiede wie früher. Man spielt „totalen Fußball“. Es gibt nicht mehr die bestimmten Unterschiede, die vielleicht vorher einmal bestanden.

Carlo Ancelotti über die Angst vor dem Wiesn-Besuch in der Ledehose: Ich habe vor gar nichts Angst. Das wird eine interessante Erfahrung für mich, und ich freue mich darauf, ein neues Land mit vielen neuen Eindrücken kennenzulernen. Die Sache, die mir in den ganzen Jahren am meisten gebracht hat, war, dass ich verschiedene Kulturen erlebt, verschiedene Bräuche und Gewohnheiten kennengelernt habe. Das wird in Deutschland genauso und bestimmt sehr interessant sein. Und die Deutschstunden? Ich habe schon damit angefangen – und ich kann bestätigen, dass es nicht einfach ist!

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