Erster Kontakt in Zürich

Wie Pep: Ancelotti bot sich dem FC Bayern an

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Carlo Ancelotti soll sich beim FC Bayern angeboten haben.

München - Der FC Bayern ist mittlerweile eine Top-Adresse - auch für Fußballlehrer. Wie nun bekannt wurde, bot sich auch Carlo Ancelotti als Coach der Münchner an.

Weltfußballerwahlen, das sind für den FC Bayern keine besonders erfreulichen Veranstaltungen. Vor knapp zwei Jahren durfte Franck Ribery nur als Dritter aufs Podium, 2015 musste sich Manuel Neuer den üblichen Gewinnern Cristiano Ronaldo und Lionel Messi geschlagen geben, heuer ist gleich gar kein Münchner dabei. Man regt sich darüber kaum mehr auf, die alljährliche Gala in Zürich wird längst nicht mehr als sportlich relevant betrachtet, sondern als großes „Get Together“. Als Kontaktbörse der Großen im Weltfußball. Als Gelegenheit zum gegenseitigen Abtasten.

Im Januar 2015 ist es im Kongresszentrum zu einer Liaison gekommen. Carlo Ancelotti und der FC Bayern, das wusste man seitdem: Passt.

Für den damaligen Trainer von Real Madrid hatte es wie Bayerns Vertreter Neuer nicht zum Sieg gereicht. Ancelotti hatte Weltmeistercoach Joachim Löw artig gratuliert – und sich dann dem Gespräch mit Karl-Heinz Rummenigge gewidmet. „Da hat er mir signalisiert, dass er gerne einmal den FC Bayern trainieren wollte“, verriet der Bayern-Boss nach der Bekanntgabe von Pep Guardiolas Abgang und Ancelottis Verpflichtung der „Bild“-Zeitung. Es sei trotzdem eine „Herausforderung und Anstrengung“ gewesen, den 56-Jährigen endgültig von den Vorzügen des Deutschen Meisters zu überzeugen. „Halb Europa wollte ihn ja haben“, sagte Rummenigge.

Rummenigge spricht über Ancelotti ähnlich wie über Guardiola

Die Worte, die der Vorstandschef über den neuen Bayern-Trainer verlor, erinnern doch sehr an jene, die er vor knapp drei Jahren wählte, als Guardiolas Vertrag unterschrieben war. Damals sprach er davon, dass „Pep ein Faible für den FC Bayern“ habe, Ancelotti (der übrigens schon deutsch lernt und zuletzt am Telefon die Worte „wie geht es Euch?“ sprach) attestierte er nun, „unsere Spieler, die Kultur und die Geschichte unseres Klubs“ zu mögen. Guardiolas Unterschrift besiegelte damals „eine Partnerschaft, die beide wollen“; heute sagt Rummenigge: „Wir wollen Carlo, aber Carlo will auch den FC Bayern.“ Wie bei Guardiola geht es im Hintergrund nun um die Detailplanungen, wie beim Spanier steht aber auch bei Ancelotti fest: „Herrmann Gerland bleibt Co-Trainer.“ Ansonsten aber wird wohl alles umgebaut.

Nach der Weihnachtspause werden sich die Bayern akribisch rüsten für die Zeit nach Guardiola. Man hatte aber auch jetzt schon genug Puffer, um sich vorzubereiten. Bereits im September, sagte Rummenigge, habe er „plötzlich Zwischentöne vernommen, die man interpretieren musste“. Man habe sich das nicht anmerken lassen (sagt er) – das klappte aber nicht immer gut. Die Aussagen zur Zukunft des Trainers wurden zuletzt immer unkonkreter, Rummenigge sprach auf einmal von einer Entscheidung, die „so oder so“ ausfallen könne. Endgültige Gewissheit gab es dann auf der Weihnachtsfeier Anfang Dezember: „Dort hat er mir gesagt, dass er eine neue Herausforderung sucht. Er hat sich beinahe dafür entschuldigt.“

Rummenigge: "Sind nicht enttäuscht von Pep"

Guardiola hat den Abgang durch die Hintertür gewählt, bis heute hat er sich den Spielern nicht persönlich erklärt. Trotzdem ist man laut Rummenigge „nicht enttäuscht von ihm“. Es werde immer „Vereine geben, die auch mal mehr zahlen als der FC Bayern, gerade Vereine aus England“. Die Worte „ich glaube zu wissen, wohin er geht. Aber ich möchte die Verkündung ihm oder seinem neuen Arbeitgeber überlassen“ geben nicht viel Spekulationsspielraum. Eine Unterschrift bei ManCity ist mehr als wahrscheinlich. Dass Guardiola Spieler mitnimmt, schließt Rummenigge allerdings aus („läuft kein Vertrag aus“). Das hat man in Barcelona allerdings auch gedacht – wie schnell Thiago nach München folgte, ist bekannt.

Allerdings: Auch Guardiolas Lieblingsspieler hatte Zeit, sich vorzubereiten. Denn der ehemalige Barca-Coach hatte sein Interesse am FC Bayern schon zwei Jahre vor seiner Verpflichtung bekundet. Nicht auf einer Weltfußballerwahl wie Ancelotti. Sondern beim Audi Cup 2011 in München. Im Prinzip dasselbe: Sportlich kein Wert, großes „Get Together“ – und der Beginn einer Liaison. Vielleicht hält die mit Ancelotti ja länger als drei Jahre.

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