Schachtjor leidet unter Ukraine-Krise

Bayern-Gegner Donezk: Champions League für 90 Cent

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Durch die Unruhen wurde auch die heimische Donbass Arena beschädigt (Foto). Aktuell spielt Schachtjor in Lviv. Das liegt 1200 Kilometer von der Krisenregion entfernt.

Donezk/Lviv - Bayerns Champions-League-Gegner Schachtjor Donezk muss in Lviv mit Billigtickets locken – dabei hat man in Luiz Adriano den besten Torjäger des Wettbewerbs.

Donezk, das haben Besucher der EM 2012 gelernt, ist zwar schwer zu erreichen, doch die Stadt in der Ostukraine hat durchaus Reize, die eine Reise wert sind. Der reichste Mann des Landes, Rinat Achmetow, hat einige seiner Millionen in eine Flaniermeile im Zentrum gesteckt, zu Füßen der obligatorischen Lenin-Statue haben sich dort edle Lokale breitgemacht. Das Stadion wurde von Achmetow auch modernisiert, aber all das wird der FC Bayern auf seiner Dienstreise zum Achtelfinale nicht sehen. Wegen der unruhigen Lage in der Ostukraine wird in Lviv gespielt, rund 1200 Kilometer weiter Richtung Westen.

Fern der Heimat haben die schwierigen Umstände denkbar günstige Tickettarife etabliert. Bei Ligaspielen reichen umgerechnet 90 Cent für den Eintritt, so billig gab es wohl noch nie einen Champions League-Vertreter zu sehen. In der Königsklasse werden die Preise zwar angehoben, aber den Alltag bestreiten die Stars von Donezk quasi für lau. Dabei kostet ihr Unterhalt eine Menge Achmetow-Kohle.

Schachtjors Marktwert beträgt rund 170 Millionen Euro, stolze 13 Brasilianer stehen auf der Gehaltsliste, und einer davon firmiert aktuell als bester Torjäger in Europas Elite: Luiz Adriano erzielte in der Gruppe B, die die Ukrainer hinter Porto und vor Bilbao bzw. Borissow als Zweiter beendeten, neun Treffer. „Ich kenne ihn gut, wir haben mit Barcelona schon gegen ihn gespielt“, sagt Pep Guardiola, „das ist ein sehr guter Stürmer mit guten Ideen.“

Porträt: Das ist Bayern-Gegner Schachtjor Donezk

Porträt: Das ist Bayern-Gegner Schachtjor Donezk

Bekannt wurde der 27-Jährige allerdings eher durch eine schlechte Idee. Vor zwei Jahren sorgte er mit einer bemerkenswerten Unsportlichkeit für Empörung in der Szene, als er beim 5:2 gegen den FC Nordsjaelland entgegen ungeschriebener Gesetze bei einem Schiedsrichterball ein Tor schoss. Als seine Kollegen den Dänen direkt danach ein Tor schenken wollten, intervenierte er, und als er später noch ein Erfolgserlebnis feierte, streckte er seine Zunge heraus. Die UEFA sperrte ihn für eine Partie. Diese Saison sorgt er nun für positivere Schlagzeilen: Vier Treffer gegen Borissow in nur 17 Minuten – Königsklassenrekord. Das 7:0-Siegtor markierte er auch noch; er ist damit neben Lionel Messi der Einzige, der fünf Mal in einer Champions League-Partie einnetzte.

Sie können sich schon sehen lassen, die Donezk-Stars in Lviv. Nur: Wie lange noch? Bei einem Test in Lyon versuchten sich kürzlich ein paar Brasilianer abzusetzen. Aus Angst wegen der Unruhen. So hübsch Donezk aufgemotzt ist – manchmal sind 1200 Kilometer Distanz nicht genug.

von Andreas Werner

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