Ex-Profi im Interview

Privilegien für Fußball-Stars? DAZN-Experte Gunesch: „Mal wieder einen halben Gang zurückschalten“

Karl-Heinz Rummenigge feiert die Meisterschaft des FC Bayern.
+
Karl-Heinz Rummenigge feiert die Meisterschaft des FC Bayern.

Am Dienstag startet die K.o-Phase in der Champions League. DAZN-Experte Ralph Gunesch gibt im Exklusiv-Interview seine sportliche Einschätzung ab und appelliert zudem an die Fußball-Bosse.

  • Ralph Gunesch spricht im Exklusiv-Interview über die K.o-Phase in der Champions League
  • Der DAZN-Experte gibt eine sportliche Einschätzung für die deutschen Teams ab
  • Zudem fordert er aber die Fußball-Bosse auf, wieder etwas mehr Demut an den Tag zu legen

München - Eigentlich hat man sich als Fußball-Fan immer darauf gefreut, wenn die K.o.-Phase in de Champions League begonnen hat. Doch in Zeiten von Corona ist dies natürlich auch etwas anders. DAZN-Experte Ralph Gunesch hat sich trotz allem zu den Chancen der deutschen Teams geäußert.

Dabei traut er vor allem einem Team eine große Überraschung zu und erklärt, auf was sich der FC Bayern gegen Lazio Rom einstellen muss. Außerdem fordert Gunesch im Fußball-Business wieder etwas mehr Demut und Dankbarkeit für die ganzen Privilegien. Lesen Sie nun den zweiten Teil des Interviews - zu Teil I mit dem DAZN-Experten geht‘s hier lang.

Champions League während Corona-Krise? DAZN-Experte Gunesch fordert - „Mal einen halben Gang zurückschalten“

Herr Gunesch, am Dienstag geht es in der Champions League mit der K.o.-Phase weiter. Viele Spiele können aufgrund der Corona-Lage nicht in den jeweiligen Ländern stattfinden, sondern werden auf einem neutralen Boden ausgetragen. So reist beispielsweise RB Leipzig nach Budapest, um dort gegen den FC Liverpool zu spielen. Ein schwieriges Thema in der aktuellen Zeit...
Ralph Gunesch (DAZN): Ich möchte jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich würde mir wünschen, dass sich der Fußball und die Leute, die sich in den vergangenen Tagen immer mal zu der Thematik geäußert haben, ihrer ungeheuren Luxussituation und ihrem unfassbaren Privileg bewusst sind. Vielleicht wäre es besser, wenn man in diesem Zusammenhang wieder etwas mehr Dankbarkeit und Demut an den Tag legt. Denn die Privilegien, die der Fußball in unserer aktuellen Situation in der Gesellschaft genießt, die sind schon enorm. Als es im Mai mit der Bundesliga weiterging, hat man viel von Demut und Dankbarkeit gesprochen. Aktuell hat man sich vielleicht etwas zu sehr an die Privilegien gewöhnt, weshalb ich gewisse Aussagen nicht nachvollziehen kann. Sie entstehen aus einer Sicht heraus, die nicht zudem passt, wie das Leben eines normalen Bürgers aktuell aussieht. Ich würde mir daher wünschen, dass man da wieder einen halben Gang zurückschaltet. Vielleicht sollten man sich mal wieder ins Bewusstsein rufen, was es bedeutet, in der aktuellen Zeit, seinen Beruf europa- oder sogar weltweit ausüben zu dürfen – und dass fast völlig uneingeschränkt und unter Beugung sämtlicher Bedingungen
Kommen wir zum Sportlichen: Wie schätzen Sie die Chancen der deutschen Klubs auf das Erreichen des Viertelfinals ein?
Gunesch: Gänzlich unterschiedlich würde ich sagen. Vor allem bei Borussia Mönchengladbach hat man sich Anfang Dezember bei der Auslosung sehr über Manchester City gefreut. Ähnlich wie damals bei der Gruppenauslosung über Real Madrid und Inter Mailand. Vielleicht hat man sich vor acht Wochen auch noch größere Chancen ausgerechnet. Aktuell ist ManCity aber ein krasses Brett und hat 15 Siege in Folge gefeiert. Da müsste in zwei Spielen schon sehr viel zusammenkommen, auch wenn ich die Gladbacher wirklich stark einschätze
Genau gegenteilig sieht es bei RB Leipzig gegen den FC Liverpool aus…
Gunesch: Absolut. Nach der Auslosung im Dezember hat Leipzig im ersten Moment geschluckt. Inzwischen erwischt man Liverpool in einem mentalen und personellen Zustand, in dem man sich auf jeden Fall was ausrechnen kann. Das Selbstbewusstsein der Reds ist aktuell nicht das allergrößte, da ist durchaus etwas drin. Aber klar, es ist eine unverändert schwere Aufgabe. Zumal RB zuletzt auch nicht immer überzeugen konnte.

Champions League: Gunesch glaubt nicht an den BVB - Sevilla „einen Schritt weiter“

Kommen wir zum BVB. Da sieht‘s ja aktuell trotz des Trainerwechsels von Lucien Favre zu Edin Terzic alles andere als gut aus. Wie schätzten Sie deren Chancen gegen den FC Sevilla ein?
Gunesch: Bevor ich zum BVB komme, muss ich erstmal die Andalusier loben! Jeder, der Fußball liebt, sollte sich die Spiele des FC Sevilla anschauen. Das macht richtig, richtig Spaß. Die Truppe von Julen Lopetegui spielt einen wunderbar gepflegten und auch erfolgreichen Fußball. Sie haben mit Ivan Rakitic einen richtig geilen Zocker hinzubekommen, der über große internationale Erfahrung verfügt. Man sieht der Mannschaft einfach gerne beim Fußball zu
Ralph Gunesch fordert den Fußball in der Corona-Krise wieder zu etwas mehr Demut auf.
Also wird‘s schwer für den BVB?
Gunesch: Ich schätze die Chancen für Borussia Dortmund auf 45 Prozent ein. Die Andalusier sind international vielleicht schon einen Schritt weiter, weil sie von ihrer vorhandenen Struktur extrem profitieren. Der BVB hat sich in den vergangenen zwei, drei Jahren erst neu erfunden, mit den vielen, jungen und extrem talentierten Spieler wie Jadon Sancho, Erling Haaland oder Giovanni Reyna. In Sevilla ist man in der Hinsicht schon gefestigter, was letztlich den entscheidenden Ausschlag geben könnte

FC Bayern gegen Lazio Rom: Gunesch verrät, wie die Italiener zu schlagen sind

Sollte Dortmund nun im Achtelfinale scheitern, könnte die Luft für Edin Terzic nicht schon wieder dünn werden...
Gunesch: Ich glaube nicht, dass man beim BVB in der Hinsicht noch einmal tätig wird. Selbst, wenn man jetzt sang- und klanglos rausfliegen würde. Da müsste schon sehr, sehr viel schieflaufen
Und zum Abschluss noch zum FC Bayern. Wir hatten im ersten Teil unseres Interviews schon über Lazio Rom gesprochen.
Gunesch: Klar, da sehe ich die Bayern vorne. Lazio hat eine gute Mannschaft, sie haben eine gute Offensive. Aber das weiß man beim FC Bayern. Sie werden wissen, wie man Ciro Immobile verteidigt und Sergej Milinkovic-Savic aus dem Spiel nimmt. Spannend wird zu sehen sein, wie mit welcher Ernsthaftigkeit die Bayern an die Sache rangehen. Damit meine ich nicht, dass sie die Römer unterschätzen könnten, sondern eher, wie sehr zeigen wollen, in welche Richtung es geht. Wenn sie nur ein bisschen das November-Dezember-Gesicht zeigen, dann wird Lazio das bestrafen

Interview: Florian Schimak

Auch interessant

Kommentare