Die möglichen Gegner unter der Lupe

Champions League: Das blüht den Bayern jetzt

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Die Fans forderten Demut und der FC Bayern fiel nach dem 6:1-Sieg über Porto auf dem Rasen auf die Knie.

München - Auf welchen Gegner trifft der FC Bayern im Halbfinale der Champions League? Das wird bei der Auslosung der UEFA am Freitagmittag entschieden. Die tz hat vorab schon mal die potenziellen Kandidaten genauer unter die Lupe genommen.

Update vom 27. April 2015: Nachdem die Meisterschaft inzwischen gesichert ist, hat der FC Bayern noch immer zwei Eisen im Feuer - den DFB-Pokal und die Champions League. Bevor die Münchner aber auf den FC Barcelona treffen, gilt es am Dienstag im Halbfinale des DFB-Pokals Borussia Dortmund zu besiegen. Sie wollen das Spiel auf keinen Fall verpassen, haben aber kein Ticket fürs Stadion bekommen? Kein Problem: Das Duell der beiden Erzrivalen läuft im Free-TV. Außerdem wird es einen legalen Live-Stream in HD-Qualität geben. Alle Infos dazu finden Sie in unserem TV- und Live-Stream-Guide zur Partie FCB - BVB.

Für die Anhänger des FC Bayern ist sie inzwischen zur Routine geworden, spannend ist die Auslosung der K.o.-Duelle in der Königsklasse trotzdem immer wieder. Vier Mannschaften sind noch im Rennen, neben dem FC Bayern blicken auch der FC Barcelona, Real Madrid und Juventus Turin gebannt in die Schweiz. Ein leichtes Los gibt es nicht mehr, wenn heute um 12 Uhr in Nyon die verbliebenen vier Kugeln aus dem Topf gezogen werden. Nach der 6:1-Sternstunde gegen den FC Porto ist das Selbstvertrauen zurückgekehrt an die Säbener Straße, FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge will es mit jedem Konkurrenten aufnehmen. „Ich habe keinen Wunschgegner“, sagte der 59-Jährige, „aber ich glaube, wir sind auch nicht der Wunschgegner von allen.“

Paul Breitner wurde da schon deutlicher, der Markenbotschafter des FCB wünscht sich ein Duell mit den Madrilenen. „Da haben wir noch etwas gutzumachen“, meinte er angesichts des bitteren Ausscheidens im Vorjahr. Spuren hat das beim FCB aber nicht hinterlassen, wie Breitner mit der Mia-san-mia-Mentalität hinterherschob: „Im Grunde ist es egal, ob wir das im Halbfinale oder im Finale tun.“ Heute Mittag herrscht Gewissheit, die tz stellt vor der Auslosung die drei Konkurrenten noch einmal vor.

mic, sw

Gibt es die Rache an Real?

Es dauerte bis zur 88. Minute, bis das Santiago Bernabeu am Mittwochabend in seinen Grundmauern erzitterte. Erst dann fiel das erlösende 1:0 durch Javier Hernandez, das den Madrilenen das Ticket fürs Halbfinale bescherte – ausgerechnet gegen den Stadtrivalen Atletico. „Wir waren über beide Spiele die klar bessere Mannschaft“, meinte Toni Kroos. Für den Ex-Münchner könnte es ein Wiedersehen mit seinen ehemaligen Kollegen geben. Die brennen nach der bitteren Halbfinal-Klatsche im Vorjahr auf Revanche.

Chicharito jubelt nach seinem 1:0 für Real Madrid.

Einfach wird es für die Madrilenen nicht, das Endspiel zu erreichen. Ähnlich wie der FCB hat auch Real mit personellen Problemen zu kämpfen. Gegen Atletico musste Coach Carlo Ancelotti auf die verletzten Gareth Bale, Karim Benzema und Luka Modric verzichten. Vor allem der Ausfall des Letztgenannten wiegt schwer. Als der Kroate von November bis März ausfiel, büßte Real die Tabellenführung in der Liga ein. Selbst Superstar Cristiano Ronaldo sagt: „Modric entscheidet, wie wir spielen.“ Mit einer Bänderverletzung im Knie wird der 29-Jährige für beide Halbfinals ausfallen. Ancelotti strahlt aber nach wie vor das Selbstbewusstsein des Titelverteidigers aus: „Bei Real Madrid gibt es keine Probleme, es gibt nur Lösungen.“ Nachdem die Hauptstädter in der vergangenen Saison endlich La Decima, den ersehnten zehnten Landesmeister-Titel errungen hatten, träumen sie nun von dem Kunststück, als erste Mannschaft der Geschichte zweimal in Folge die Champions League zu gewinnen. Das gab es seit Einführung der CL noch nie.

Immerhin der Weltfußballer selbst steht noch zur Verfügung. Seine unglaublichen 39 Ligatore in nur 29 Spielen lassen Real noch auf den Titel hoffen, ähnlich wie in der Königsklasse. Der Portugiese bereitete das goldene Tor von Hernandez im Stadtderby mustergültig vor. Doch für die wirklich wichtigen Spiele wird der Mexikaner, Chicharito (zu deutsch: kleine Erbse) genannt, für zu leicht befunden. Bale und Benzema werden in der Offensive schmerzlich vermisst. Die Madrilenen müssen also auf ihre medizinische Abteilung hoffen.

Das kommt einem in München irgendwie bekannt vor…

Barça heiß auf den Henkelpott

Nach zwei Jahren ohne CL-Triumph giert der FC Barcelona nach dem Henkelpott. Und in ihrer derzeitigen Form sind die Katalanen auch der Top-Favorit auf den Titel. Das glaubt nicht nur Philipp Lahm im tz-Interview, sondern auch Zlatan Ibrahimovic. „Sie werden die CL wahrscheinlich gewinnen“, sagte der exzentrische Stürmerstar von Paris St. Germain, der gewöhnlich niemanden für besser befindet als sich und sein Team.

Schwer zu stoppen: das Sturmduo ­Suarez und Neymar.

Luis Enrique, früher selbst Spieler bei Barça, übernahm zu Saisonbeginn das Traineramt von Gerardo Martino. Ein Coach mit Stallgeruch – eine Konstellation, die die Katalanen mit Pep Guardiola über Jahre auf den Thron des europäischen Fußballs setzte. Dennoch hatte der 44-Jährige alle Hände voll zu tun. Es gab großen Ärger um unter der Hand gezahlte Gelder beim Neymar-Transfer, für verbotene Verpflichtungen von Jugendspielern brummte die FIFA dem Klub eine Transfersperre auf – all das nach einem Jahr, in dem Barça keinen Titel gewann.

Doch nach anfänglichen Schwierigkeiten, auch oder vor allem mit Superstar Lionel Messi, hat Enrique ein Top-Team geformt. Das ist, im Gegensatz zu den Vorjahren, zwar immer noch stark, aber nicht vollständig abhängig vom außergewöhnlichen Argentinier. Im Viertelfinale gegen Paris erzielte Luis Suarez im Hinspiel einen Doppelpack, Neymar im Rückspiel. Das Angriffstrio der Spanier präsentierte sich zuletzt in überragender Verfassung, zerlegte einen Gegner nach dem anderen. Seit dem 21. Februar sind die Katalanen mittlerweile ungeschlagen.

In der Primera Divison steht das Team um Altmeister und Kapitän Xavi, der den Klub ebenso wie Dani Alves im Sommer verlassen wird, nach 32 Spieltagen an der Spitze. Hinten hält ein Deutscher den Laden dicht – zumindest in der Königsklasse. Während Marc-Andre ter Stegen in der Liga nur auf der Bank sitzt, ist er in der CL ein sicherer Rückhalt für den viermaligen Henkelpott-Sieger.

Juve hofft auf Pogba

Der Außenseiter unter den Halbfinalisten. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren steht die Alte Dame wieder unter den vier besten Teams in Europa, nach dem sie im Vorjahr noch in der Gruppenphase ausgeschieden war.

Standfest? Juves Lichtsteiner (unten) gegen ­Monaco.

In der heimischen Liga ist Juve seit Jahren ohne Konkurrenz, die Mannschaft von Massimiliano Allegri steuert auf den vierten Titelgewinn in Folge zu. 2012 blieb man dabei sogar als bislang letzte Mannschaft einer Top-Liga eine komplette Saison ohne Niederlage. Auf der internationalen Bühne sieht es dagegen anders aus. Zwar überraschten die Italiener bei ihrem deutlichen Weiterkommen im Achtelfinale gegen den BVB, doch gegen den Überraschungs-Viertelfinalisten AS Monaco zitterten sich die Bianconeri eine Runde weiter.

Allegri legt viel wert auf eine stabile Defensive, Juves Mannschaft ist sehr ausgeglichen besetzt. Neben Torwart-Legende Gianluigi Buffon führt Altstar Andrea Pirlo das Team, ist Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Turiner. Ihm assistieren Claudio Marchisio und Arturo Vidal, früherer Leverkusener. Vorne konzentriert sich alles auf Top-Torjäger Carlos Tevez, der die Torschützenliste der Serie A mit 18 Treffern anführt und auch in der Königsklasse schon sechsmal zugeschlagen hat. Der eigentliche Star der Mannschaft fehlt jedoch verletzt. Mittelfeldmann Paul Pogba fällt seit dem Rückspiel beim BVB Mitte März schon verletzt aus. Bis zu den Halbfinalpartien will der Youngster wieder dabei sein, sicher ist sein Einsatz aber noch nicht. Der 22-jährige Franzose hat das Interesse der Top-Klubs aber längst geweckt, wie sein Berater Mino Raiola unlängst verriet: „Ihn wollen sieben Klubs, das ist sicher. Und zwar die, die ihn sich leisten können: Real, Barca, PSG, Bayern, Manchster United, Manchester City und Chelsea.“ Allesamt internationale Schwergewichte. Kein Wunder – Pogbas Marktwert taxiert Raiola nämlich auf 100 Millionen Euro.

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