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Fußball im Reich der Mitte

China-Experte Li Zhang: Bayern hat viel aufgeholt

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Peking - Li Zhang, Journalist von Titan Sports, verrät in der tz, welche Bedeutung der Fußball bei den 1,3 Milliarden Chinesen hat.

Nicht nur der FC Bayern nutzt seine Saisonvorbereitung, um in China die Werbetrommel zu rühren. Auch Vereine wie Real Madrid, Valencia oder die beiden Mailänder Vereine AC und Inter sind in Fernost unterwegs – dabei gibt es in China populärere Sportarten.

Wie populär ist Fußball eigentlich? In China stehen doch andere Sportarten im Vordergrund.

Li: Fußball zählt definitiv nicht zu den traditionellen Sportarten in China (lacht). Volkssport Nummer eins ist hier Tischtennis. Aber trotzdem verfolgen viele Menschen auch Sportarten, in denen wir nicht so erfolgreich sind. Auch da gibt es für den Fußball harte Konkurrenz mit der NBA. Viele Leute lieben Basketball. Aber der Fußball ist dann doch noch ein bisschen beliebter.

Die Bayern selbst sprechen von 90 Millionen Fans in China. Sind sie damit Spitzenreiter der europäischen Topklubs?

Li: Genaue Zahlen kann ich leider nicht nennen. Der FC Bayern ist hier sehr beliebt – aber nicht dominant die Nummer eins. Real Madrid, Barcelona oder Manchester United hatten da schon noch einen Vorsprung. Doch in den vergangenen fünf, sechs Jahren hat der FCB ziemlich viel aufgeholt und ist mit denen auf der gleichen Stufe in China. Das ist schon beeindruckend.

Wie viel gibt es von der Bundesliga denn in China zu sehen?

Li: Im chinesischen Fernsehen läuft die Bundesliga schon seit 1995. Gerade in den letzten Jahren, mit den Erfolgen des FC Bayern und der Nationalmannschaft, hat der deutsche Fußball und damit auch die Bundesliga sehr viele Fans hinzugewonnen. Die Premier League wird nicht von CCTV übertragen, ein zusätzlicher Vorteil für die Bundesliga. An der Premier League kommt sie aber trotzdem nicht vorbei, die ist unter den Fans die Nummer eins.

Muss sie sich auch vor der italienischen und spanischen Liga verstecken?

Li: Überhaupt nicht. Die Serie A hat in den vergangenen Jahren eine Menge Prestige eingebüßt. Der AC Mailand ist immer schlechter geworden, Inter auch. Der italienische Fußball ist auf dem absteigenden Ast. Die spanische Liga dagegen ist auch sehr beliebt – hauptsächlich allerdings wegen Real Madrid und FC Barcelona. Ihr Problem ist aber die schlechte Sendezeit. Die Spiele in Spanien finden immer sehr spät statt, bei uns ist es dann meist zwei oder vier Uhr in der Nacht. Die Bundesliga dagegen ist auf einem guten Weg. Sie steht nach der Premier League an zweiter Stelle.

Jetzt tourt der FCB eine Woche durchs Land. Wie ist er in den anderen 51 Wochen des Jahres präsent?

Li: Vor allem durch die Spiele in der Bundesliga. Der Klub profitiert unheimlich von der TV-Übertragung der Liga. CCTV darf pro Spieltag drei Partien übertragen. Fast immer ist eine der drei Begegnungen die der Bayern. Die Fans können also so ziemlich jedes Spiel zu Hause vorm Fernseher sehen. Darüber hinaus ist der Klub auf seinen Social-Media-Kanälen sehr aktiv und die Chinesen lieben Social Media. Der FC Bayern ist übrigens auch der einzige europäische Topklub, der mit Total Soccer zusammenarbeitet. Die Sendung läuft jeden Montagabend zwei Stunden auf CCTV5. Rund sieben Millionen gucken zu und jeden Montag gibt es zehn, 15 Minuten exklusive Berichte über den FC Bayern.

Wie groß ist das Potenzial, das auf dem chinesischen Markt schlummert?

Li: Für den FC Bayern ist es sehr groß. Der deutsche Fußball hat in China ohnehin einen sehr guten Ruf, der sich durch den WM-Titel im letzten Jahr noch mal verbessert hat. Unsere Regierung legt immer mehr Wert auf Fußball, das ist auch für die europäischen Topklubs eine gute Nachricht, denn der Sport gewinnt damit noch mehr an Bedeutung. Vereine wie ManU oder Bayern können davon auch profitieren.

Real hat Trainer an die Fußball-Akademie in Guangdong geschickt, um Talente zu finden. Ist das der richtige Weg?

Li: Wir müssen noch ein bisschen abwarten. Der FCB ist da ein bisschen vorsichtiger als Real. Die Münchner wollen nichts Falsches auf dem asiatischen Markt machen. Sie werden ihre eigenen Pläne und Konzepte entwickeln, so etwas geht nicht von heute auf morgen.

Wie kann man die Chinesen denn für den FC Bayern begeistern?

Li: Indem man als gutes Vorbild dient. Wir wollen unseren Fußball nachhaltig entwickeln. Wir wollen nichts kopieren, sondern uns an erfolgreichen Beispielen orientieren. Und ich glaube, dass der deutsche Fußball ein sehr gutes Beispiel ist. Seit Anfang des Jahrtausends hat er sich wunderbar entwickelt. In Deutschland wird viel Wert auf die Jugendarbeit gelegt, das kommt in China gut an.

Interview: Sven Westerschulze

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