Spielt er schon am Sonntag?

Ex-Bayer Christian Lell wechselt in die Kreisklasse

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Willkommen in Weyarn: TSV-Vorsitzender Albert Schweiger (l.) und Fußball-Abteilungsleiter Thomas Spiesl (r.) begrüßen Ex-Profi Christian Lell am Sportplatz.

Weyarn – Der ehemalige FC-Bayern-Profi Christian Lell (31) wechselt zum TSV Weyarn in die Kreisklasse. Wenn alles klappt, ist er schon am Sonntag spielberechtigt.

Einen ehemaligen Fußballprofi, der bis vor nicht einmal zwei Jahren noch in der Primera Division gegen den FC Barcelona spielte, stellen sich wohl manche anders vor. Gerade, wenn es sich um Christian Lell handelt. Dann kommt der 31-Jährige im schlichten VW Golf auf dem Sportplatz Weyarn vorgefahren. Dort wird Lell künftig Fußball spielen, in der Kreisklasse 2. Wenn der Deutsche Fußball-Bund das Spielrecht erteilt, wahrscheinlich schon am Sonntag im Heimspiel gegen den TSV Brunnthal.

Zustande kam der Kontakt über Karl-Heinz Wiesner. Der langjährige Gönner des TSV Weyarn und Lell lernten sich vor zwei Monaten im Urlaub auf Ibiza kennen und freundeten sich an. „Der Karl-Heinz hat mir das schmackhaft gemacht“, sagt Lell. „Ich hab’ ein paar Mal mittrainiert, und die Jungs sind klasse. Das passt alles.“ Um die Liga oder sportliche Ziele geht es ihm dabei nicht. „Soweit hab’ ich jetzt noch nicht gedacht. Für mich war wichtig, dass es hier regional ist, und dass ich bei meiner Familie sein kann. Insbesondere bei meiner Tochter."

Lell spielte bis Januar 2014 für den UD Levante in der ersten spanischen Liga. Zuvor stand er sieben Jahre beim FC Bayern unter Vertrag, mit dem er zwei Mal die Meisterschaft und den DFB-Pokal gewann. In der Bundesliga lief Lell zudem für den 1. FC Köln und Hertha BSC auf. Als der Vertrag mit Levante vor eineinhalb Jahren aufgelöst wurde, konzentrierte sich Lell auf seine Firmengruppe, die im Immobilien- und Yacht-Bereich tätig ist. Lell wohnt seitdem in Straßlach (Kreis München), Fußball gespielt hat er nicht mehr.

„Es gab ja gewisse Sachen, Vorfälle, Schicksalsschläge, die ein Jahr gebraucht haben, bis sie verarbeitet waren und alles wieder geregelt ist“, sagt Lell. Seine Schwester war 2014 an Mukoviszidose gestorben. Lell hat 2008 eine Stiftung für Betroffene der Stoffwechselkrankheit ins Leben gerufen. „Jetzt ist der Wille schon wieder da, den Ball am Fuß zu haben“, sagt Lell. Und in Weyarn fühlt er sich wohl. „Ich wohn’ ja auch selber bissl außerhalb von München am Land, und ich mag das."

Anfragen von höherklassigen Vereinen gab es natürlich auch. „Ich hätte im Winter oder diesen Sommer schon was machen können, aber da war ich einfach noch nicht so weit. Ich bin ein Mensch, der sich schon Ziele setzt. Aber hier beim TSV Weyarn, da will ich jetzt einfach nur kicken. Alles weitere wird sich ergeben."

Ziele mit seinem Neuzugang hat natürlich TSV-Trainer Hans-Werner Grünwald, der vor 26 Jahren direkt vom FC Bayern nach Weyarn kam. „Wir wollten unter die ersten fünf, sechs kommen“, sagt Grünwald. Jetzt sei mehr drin. „Wir können nicht Christian Lell holen und sagen, wir wollen unsere Platzierung halten.“ Der Transfer soll sich langfristig auszahlen. „Das ist ein Riesengewinn für uns. Für jeden einzelnen Spieler, sich einmal mit einem im Training zu messen, der schon höherklassig gespielt hat.“ So sieht das auch Wiesner. „Das ist für so einen Verein wie uns natürlich Wahnsinn.“ Und er denkt noch weiter: „Das ist jetzt vielleicht auch ein Zeichen an Spieler, die noch anderswo spielen, dass sie sehen: Hoppla, da passiert wieder was."

Der Zeitpunkt der Verpflichtung hätte jedenfalls nicht besser sein können. Am Sonntag kommt der Tabellenführer. „Gegen eine wirklich starke Brunnthaler Mannschaft wäre die Erfahrung von Christian Lell natürlich Gold wert“, sagt Grünwald. Noch liegt Lells Pass beim DFB-Kontrollausschuss, der dem Wechsel und damit der Re-Amateurisierung zustimmen muss.

Lell hofft jedenfalls auf einen Einsatz. „Ich freu’ mich jetzt, soweit das mit dem Pass alles passt, dass wir am Wochenende unser erstes Punktspiel haben“, sagt der Ex-Profi. „Und dann gleich ein Heimspiel gegen den Tabellenersten, da ist Vorfreude da. Ich hoffe, dass ich dann auch etwas Euphorie mitbringen kann in die Mannschaft. Und dann schau ma mal."

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