Ex-Sportdirektor im tz-Interview

Nerlinger: "Reus passt perfekt zu den Bayern"

München - Im tz-Interview spricht Bayerns Ex-Sportdirektor Christian Nerlinger über das anstehende Supercup-Duell zwischen dem FCB und dem BVB sowie über die Rivalität der beiden Clubs und Transfergerüchte.

Christian Nerlinger hat die Seiten gewechselt. Seit Ende Juli ist der ehemalige Sportdirektor des FC Bayern (2009-2012) Geschäftsführer einer Sport-Marketing-Agentur. Die tz sprach vor dem Supercup zwischen dem FCB und Borussia Dortmund (18 Uhr, ZDF) mit dem 41-Jährigen, der in seiner Zeit als Profi das Trikot beider Vereine trug.

Herr Nerlinger, verfolgen Sie die Duelle Ihrer Ex-Klubs immer noch mit besonderem Interesse?

Nerlinger: Natürlich. Aber in erster Linie, weil dabei die beiden besten deutschen Mannschaften aufeinandertreffen. Die Duelle sind immer sehr spannend, der sportliche Reiz dieser Begegnungen ist groß. Kurz vor dem Ligastart ist es interessant zu sehen, wo die Mannschaften stehen.

Der Streit der Bosse bestimmt die Schlagzeilen aber mehr als das Spiel…

Nerlinger: Das mag sein, aber für mich steht das Spiel im Vordergrund. Auf das Geplänkel drumherum gebe ich nicht so viel. Man muss aufpassen, dass man den Bogen nicht überspannt. Ich denke, dass genug Giftpfeile geschossen wurden und man sich jetzt auf das Sportliche konzentrieren sollte.

Sprechen sich die Verantwortlichen der Vereine eigentlich ab, bevor sie sich öffentlich äußern? Oder geschieht so was spontan?

Nerlinger: Beides. Mittlerweile kommt man ja kaum noch drumherum, sich fast täglich zu äußern. Egal wo man sich bewegt, fast überall steht ein Mikro. Da gibt es schon mal die ein oder andere spontane Äußerung. Allerdings sind die Büros in der Vorstandsetage an der Säbener Straße eng miteinander verbunden. Da wird sicher auch das ein oder andere abgesprochen, was über die Medien transportiert werden soll.

Bis vor zwei Jahren waren Sie auch in diese Scharmützel involviert. Ist der Umgangston seitdem rauer geworden?

Nerlinger: Der FC Bayern und Borussia Dortmund sind zwei Top-Mannschaften und Konkurrenten. Durch die Transfers von Mario Götze und Robert Lewandowski vom BVB nach München hat sich das Verhältnis eindeutig verschärft. Schließlich waren beide Schlüsselspieler bei der Borussia. Bei solchen Transfers kommt automatisch eine gewisse Schärfe in das Verhältnis. Und die neuen Diskussionen um Marco Reus sorgen da sicher nicht gerade für Beruhigung.

Marco Reus ist einer der besten deutschen Spieler. Passt er zum FC Bayern?

Nerlinger: Marco passt perfekt ins Profil des FC Bayern. Er ist ein junger, deutscher Spieler und sicher auch einer der Besten. Das passt zum FCB. Wenn nach Götze und Lewandowski allerdings der nächste BVB-Star zu den Bayern geht, wäre das natürlich sehr brisant.

Und für den BVB der nächste schwere Verlust…

Nerlinger: Ich glaube schon, dass es Genickschläge sind, Spieler dieser Kategorie abgeben zu müssen. Aber im Fußball herrscht nun mal ein freier Markt und gerade bei auslaufenden Verträgen oder Ausstiegsklauseln besteht diese Gefahr.

Was halten Sie von Ausstiegsklauseln?

Nerlinger: Es scheint mittlerweile immer häufiger der Fall zu sein, solche Klauseln in den Vertrag einzubauen. In dem Moment machst du dich als Verein natürlich angreifbar. Auf der anderen Seite garantieren sie dem Verein eine gewisse Entschädigung.

Kann der BVB trotz der Abgänge Jahr für den Jahr dem FCB dauerhaft den deutschen Fußballthron streitig machen?

Nerlinger: Die Bayern bleiben ganz klar die Nummer eins, das haben sie in den beiden vergangenen Jahren deutlich untermauert. Aber die Borussia ist sehr gut aufgestellt. Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc und Jürgen Klopp haben ihre eigenen Zuständigkeitsbereiche und leisten hochwertige Arbeit. Klopp hat als Trainer außergewöhnliche Fähigkeiten. Die Frage ist nur: Was oder wer kommt nach Klopp?

Bei Ihnen kommt nach Ihrer Arbeit beim FCB jetzt der Geschäftsführerposten bei SAM-Sports. Sie haben die Seiten gewechselt…

Nerlinger: Ja, ich arbeite jetzt in einer Management-Agentur. Wir decken viele Bereiche ab, auch den der Spielerberatung. Ich kann meine Erfahrung aus dem Profifußball in die Arbeit einfließen lassen und profitiere sehr viel von der Power des ProSiebenSat.1-Mediakonzerns.

Der Weg ins Fußballgeschäft ist aber nicht ausgeschlossen, oder?

Nerlinger: Doch, ich habe eine Grundsatzentscheidung getroffen. Ich hatte gute Angebote von Vereinen aus dem In- und Ausland, aber ich habe gemerkt, dass ich selbstbestimmt arbeiten möchte. Das kann ich hier in der Agentur wunderbar. Es läuft super an und macht mir wahnsinnig viel Spaß. Meine Erfahrungen, die ich im Fußballgeschäft gesammelt habe, möchte ich auf diese Weise weitergeben.

Interview: Sven Westerschulze

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Rubriklistenbild: © Stefan Matzke / sampics-tz

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