Münchner Ex-OB tritt nach

Ude ledert gegen Hoeneß los

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Der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude hat in einem Interview gehörig gegen Uli Hoeneß nachgetreten.

München - Der jahrelange Kleinkrieg zwischen Bayern Münchens früherem Präsidenten Uli Hoeneß und Münchens Ex-Oberbürgermeister Christian Ude ist in die nächste Runde gegangen.

Christian Ude (66) gegen Uli Hoeneß (62). Der Alt-Oberbürgermeister und der Ex-Bayern-Boss sind sich seit über 15 Jahren in herzlicher Abneigung verbunden. Jetzt gibt’s allerdings richtig starken Tobak: Im einem Spiegel-Interview ledert Christian Ude (SPD) ungewohnt scharf gegen den Ex- Bayern-Boss, der demnächst seine Haftstrafe antreten muss.

Ursprung ihrer Dauer- Feindschaft sei „die blanke Geldgier eines Profifußballvereins, der in Gestalt seines Managers den Hals nicht vollkriegen konnte“, sagt Ude. Der Alt-OB bescheinigt dem langjährigen Macher des Vereins „eine klare, einfache Weltsicht“: Hoeneß wolle alle Titel gewinnen und die Einnahmen steigern. „Wenn es ein Hindernis gibt, walzt er es nieder.“ Und: „Für ihn gehören zum relevanten Teil der Menschheit nur die Bayern- Fans.“ Er habe Hoeneß „nicht ein einziges Mal mit Anstand und Gelassenheit verlieren“ sehen, kritisiert der Alt-OB.

Ude in Rage! Erst am Freitag hatte er bei seiner Abschiedsrede ein politisches Erdbeben in Gang gesetzt, das seine Partei noch immer erschüttert (siehe Text unten). Jetzt die Attacke gegen Hoeneß! Die große Watschn gegen seinen Intimfeind fällt mitten in den Bayern-Jubel nach dem gewonnenen Pokalfinale hinein–TausendeFans feierten am Sonntag am Marienplatz (siehe Sport). Udes Angriff ist auffallendpersönlich, erkritisiert sogar Hoeneß’ soziales Engagement. Zwar habe Hoeneß „immer eine große Solidarität und Hilfsbereitschaft für seine Anhänger gezeigt“. Aber der Ex-Bayern-Boss sei auch ein „Patriarch“ mit egoistischem Anspruch gewesen: Für sein soziales Engagement hätte Hoeneß erwartet, dass alle „dankbar und unterwürfig“ sein müssen – sonst werden sie automatisch zum „Feind“.

Die Steuerschuld von 28,5 Millionen Euro habe Ude „fassungslos“ gemacht. „Mir schoss durch den Kopf, wie oft er sich vor Entdeckung seiner Steuerstraftat zur Steuermoral geäußert hatte, und zwar äußerst selbstgerecht.“ Hoeneß sei ihm auch nicht als „Vertreter moralischer Qualitäten aufgefallen“. Als Oberbürgermeister habe er Uli Hoeneß „in all den Jahren als schärfsten Eintreiber von Steuergeldern erlebt – nicht für den Fiskus, sondern vom Fiskus.“ Also zugunsten des FC Bayern. Beim Bau der Allianz Arena gelang Hoeneß das nicht – Ude legte damals beim Bürgerbegehren fest, dass das Stadion privat finanziert werden muss. Daran entzündete sich ein erbitterter Streit.

Zu einer möglichen Rückkehr zum FC Bayern sagt Ude: „Es ist bemerkenswert, dass Hoeneß nach der Entdeckung seiner Steuerhinterziehung in einem unvorstellbaren Ausmaß noch immer glaubt, die Abteilung Attacke anführen zu müssen.“

Als Polit-Rentner muss Ude keine Konsequenzen seiner Aussagen fürchten. Aber: Seine Attacke trifft einen Mann, der am Boden liegt. Denn Hoeneß muss bald ins Gefängnis.

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

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Das Pokalfinale Borussia Dortmund - FC Bayern im Live-Ticker.

Andreas Thieme

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