FC Bayern gegen Werder Bremen

Pizarro gegen Lewandowski: Das Duell der Super-Stürmer

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Viel Liebe für seinen Sport: Pizarro denkt auch mit 37 Jahren nicht ans Aufhören. Warum auch? 

München - Es steht das Duell der derzeit besten Stürmer der Liga an: Claudio Pizarro (Werder Bremen) gegen Robert Lewandowski (FCB). Und Pizarro ist natürlich heiß auf sein Jubiläumstor.

Es ist nicht unbedingt ungewöhnlich, dass Claudio Pizarro vor Spielen von Werder Bremen gegen den FC Bayern der gefragteste Mann ist. Aber diese Woche, da sind die vielen Termine selbst dem routinierten und eigentlich immer positiv gestimmten Peruaner zu viel geworden. Interviews hier, Interviews da, „ich bin ein bisschen im Stress“, sagte er, als er die vielen Anfragen sortierte, die ihn in der vergangenen Woche erreicht hatten. Er musste einige absagen. Probleme, die man normalerweise als aufstrebender Spieler in den Mittzwanzigern hat. Pizarro hat sie mit 37.

Es wurde in der letzten Woche vom Duell der beiden besten Stürmer der Liga gesprochen, als sich Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang im Topspiel zwischen Bayern und Borussia Dortmund gegenüberstanden. Eigentlich aber findet dieses Treffen erst am Samstag statt. Der beste Torjäger des laufenden Jahres nämlich ist Claudio Pizarro. Er führt die Liste der Rückrunde mit neun Treffern vor Lewandowski (8) an. Aubameyang hat seit dem Jahreswechsel in der Liga gerade mal vier Treffer erzielt.

Manuel Neuer sagt: "Ich freue mich, ihn wiederzusehen"

Ich freue mich, ihn wiederzusehen. Ich weiß aber auch, dass er einen Lauf hat“, sagt Manuel Neuer im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Bayern-Keeper kennt Pizarro gut, die beiden haben sich in vielen Trainingseinheiten an der Säbener Straße zwischen 2012 und 2015 gegenseitig geärgert. Einen klaren Sieger gab es bis zu Pizarros Abgang im vergangenen Sommer nicht. Deshalb weiß Neuer: „Das Wichtigste wird sein, Claudio außerhalb des Strafraums zu lassen – denn im Strafraum ist er eiskalt.“

Ob es Zufall ist oder nicht: Dass Pizarro nun ausgerechnet gegen den FC Bayern, seinen zweiten Heimat-Klub, das 101. (Jubiläums-)Tor im Bremer Trikot schießen könnte, ist eine dieser berühmten Geschichten, die nur der Fußball schreiben kann. Sein 100. Tor in Grün-Weiß hat er in der vergangenen Woche beim 4:1 gegen Hannover erzielt, seitdem ist er sich „sicher, dass ich auch den 101. schaffe“. Gelingt es tatsächlich, würde er den Bremer Rekordtorschützen und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Marco Bode einholen. Der sagt diplomatisch: „Wenn seine Tore helfen, die Liga zu halten, ist es okay mit dem Rekord.“

Im Moment steht Bremen auf dem 13. Platz, drei Punkte vor dem Relegationsrang. Und es ist nicht vermessen zu sagen, dass Claudio Pizarro am jüngsten Aufschwung der Nordlichter den größten Anteil hat. Neuer beschreibt seinen ehemaligen Teamkollegen als „Freund des Balles. Wenn er im Strafraum genug Platz hat, um an den Ball zu kommen, sich zu drehen und zu schießen, dann ist das so gut wie immer ein Tor.“ Das mussten in den letzten Wochen einige Bremer Gegner spüren. Bayern will es morgen Abend (18.30 Uhr) nun besser machen.

Neuer wünscht Pizarro den 101. Treffer, „aber erst ab dem Spieltag danach“, sagt er lachend. Denn dann wird auch er zum Pizarro-Fan. Wie der inzwischen 37 Jahre alte Nationalspieler sein Niveau hält, beeindruckt die gesamte Liga. Der Stadionsprecher in Bremen taufte den Familienvater neulich zum „besten 37-Jährigen der Welt“. Weil er einfach unbekümmert das macht, was er kann. Sich fit halten. Nach vorne schauen. Tore schießen.

Am Bremer Trainingsgelände ist Pizarro der Erste, der kommt, und der Letzte, der geht

Obwohl Pizarro in Bremen vor einem dreiviertel Jahr begrüßt worden war wie ein König, hatte es in den ersten Monaten nach seiner Rückkehr nicht wenige Skeptiker gegeben. Nach schleppenden Vertragsgesprächen in München hatte er sich alleine fithalten müssen, kam mit Trainingsrückstand, den er nur langsam aufholte. Er galt als bestbezahlter Bankdrücker der Liga – ehe er doch alle überraschte. Der Schlüssel zum Erfolg: Eine Ernährungsumstellung, die der Italiener Giuliano Poser angeleiert hat. Auch Lionel Messi und Gonzalo Higuain vertrauen dem Wissenschaftler, der Pizarro verordnete, auf Kartoffeln, Tomaten, Auberginen, Weißmehl, Milch und Brot zu verzichten. Die Pfunde purzelten – Trainer Viktor Skripnik sagt: „Jetzt sieht man, wie fit und wie spritzig er ist.“

Am Bremer Trainingsgelände ist Claudio Pizarro der Erste, der kommt, und der Letzte, der geht. Der Mann, der für Bayern 87 Tore erzielt hat, ist dankbar für die Chance, die ihm sein Herzensklub in Bremen trotz des fortgeschrittenen Alters gegeben hat. Im Moment spricht alles dafür, dass er den Einjahresvertrag, der ihm im Sommer vorgelegt wurde, verlängern wird.

Übrigens: Pizarros ehemalige Teamkollege Ze Roberto hat vor wenigen Tagen angekündigt, seine Karriere im Winter mit 42 Jahren beenden zu wollen. Nimmt man ihn als Maßstab, hat der Bremer noch einiges vor sich. Also doch: Ein aufstrebender Fußballer im besten Alter.

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