Verhältnis zu Pep doch gut?

Co-Matchwinner Martinez wischt Zweifel weg

München - Vor dieser Saison war das einer der ungewissen Faktoren: Würden Robben und Guardiola miteinander klarkommen? Spätestens jetzt gibt's eine Antwort. Und wie ist es mit Javi Martinez?

Auch bei einem jungen, drahtigen, gesunden Menschen wie Thomas Müller kann es dazu kommen, dass er auf der Felge läuft: „120 Minuten ziehen sich ganz schön hin“, meinte er. Zu Beginn der Verlängerung hatte er beim Kollegen Toni Kroos noch Erste Hilfe geleistet (bei Wadenkrampf Fußspitze Richtung Schienbein drücken – so hat er es als Kind im TV gesehen), kurz darauf musste er sich selbst therapieren: Müller machte an der Seitenlinie Lockerungsübungen, die nichts Lockeres mehr an sich hatten. Er war fertig – und dann erzielte er das 2:0.

Einer wie Thomas Müller kann zu diesem hochemotionalen Tor aber keine Nachbetrachtung liefern, die nicht von Ironie durchtränkt wäre. „Ich habe gehofft, dass Pizza den Ball durchbringen würde“, beschrieb er die Szene, in der sich der eingewechselte Claudio Pizarro anschickte, den glorreichen Pass zu spielen. „Andererseits habe ich gehofft, dass er ihn nicht durchbringt – dann habe ich nicht diesen elend langen Weg vor mir.“ Gewonnen hätten die Bayern ja auch ohne dieses Tor. Müller weiter: „Ich habe dann clever ab der Mittellinie Tempo rausgenommen, damit ich vor dem Tor ruhig bin.“

Wenn Müller fröhlich ist, zündet er seine Witze in noch höherer Frequenz, wenn Arjen Robben besonders gelöst ist, zeigt er das mit seiner Kopfbedeckung. Seit der ersten großen Feier mit ihm aus dem Jahre 2010 weiß man: Es ist ein aufgeschnittener und zur Badehaube umfunktionierter Fußball, den er dann trägt. Und lange nicht mehr absetzt.

Der Lauf des Holländers hält seit nun über einem Jahr an, er ist nicht mehr nennenswert verletzt, er hat zwei Finalspiele gegen Dortmund (Champions League 2013, nun DFB-Pokal 2014) entschieden – diesmal in neuer Rolle noch dazu: Mittelstürmer. Also nichts mit über die rechte Seite kommen, nach innen ziehen, mit links schießen. Der neue Robben war für Dortmund eine Gefahr, weil er mit seiner Schnelligkeit die langen Zuspiele erwischte – und beim Tor war er der klassische Knipser.

Vorige Saison war Robben kein bedingungsloser Stammspieler, das ergab sich erst in den letzten Wochen damals. Zuvor waren Robben-Geschichten ums Schnellduschen und ums schweigende Verlassen der Stadien gegangen. Ego Robben.

Das hat sich geändert. Er wollte am Samstagabend nicht im Mittelpunkt der Ovationen stehen. „Nicht ich persönlich fühle mich belohnt“, sagte er, „wir haben das zusammen gemacht, sind gegrätscht, gelaufen und haben manchmal auch guten Fußball gespielt“. Arjen lobt alle, Arjen ist für alle da.

Vor dieser Saison war das einer der ungewissen Faktoren: Würden Robben und Guardiola miteinander klarkommen? Offensichtlich tun sie es. Die Zweifel sind, was andere Spieler und ihre Wertschätzung durch den Trainer betrifft, größer. Bei Javi Martinez etwa.

Doch ihn betraute Guardiola im Pokalfinale mit einer zentralen Rolle in der Dreierkette. Martinez spielt Verteidiger eher unwillig, lieber Mittelfeld, doch diesmal soll er zu seinem Trainer gesagt haben: „Super, mit Jerome und Dante an meiner Seite fühle ich mich wohl.“ Der Spanier durfte in dieser Konstellation offensiver agieren und seine Stärken einbringen. Er war Co-Matchwinner.

Vielleicht mag ihn Pep Guardiola ja doch ein bisschen.

Günter Klein

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Nach Ancelotti-Trennung: Inter will Vidal im Winter holen
Nach Ancelotti-Trennung: Inter will Vidal im Winter holen
Vorsicht, Bayern! Am Mittwoch geht es schon um alles
Vorsicht, Bayern! Am Mittwoch geht es schon um alles
Bayern empfängt Celtic: So knackt Jupp die Schotten
Bayern empfängt Celtic: So knackt Jupp die Schotten

Kommentare