So schlug sich der Rekordeinkauf

Zwischenbilanz für Corentin Tolisso: Von desaströs bis bockstark

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Corentin Tolisso überzeugt beim FC Bayern durch seine Vielseitigkeit.

Im Sommer wechselte Corentin Tolisso für die Rekordsumme von 41,5 Millionen Euro von Olympique Lyon zum FC Bayern. Knapp ein halbes Jahr später ist‘s Zeit für ein Zwischenfazit.

München - Corentin wer? Vermutlich die wenigsten Bayern-Fans konnten mit dem Namen Corentin Tolisso im Juli 2017 etwas anfangen. Dass der deutsche Rekordmeister damals für einen recht unbekannten Akteur aus Frankreich über 40 Millionen auf den Tisch legt, hatte nicht nur die Anhänger der Münchner überrascht. Ganz Fußball-Deutschland fragte sich: Wer ist dieser Mann von Olympique Lyon, der sich mit seiner Ablöse von 41,5 Millionen Euro zum Rekordtransfer der Bundesliga aufschwang. 

Seit fünf Monaten ist Tolisso nun an der Säbener Straße. In dieser Zeit erlebte der 24-Jährige einen unruhigen FC Bayern. Ein durchwachsener Saisonstart, interne Probleme und ein 0:3 in Paris führten zur Entlassung von Carlo Ancelotti, der sich sehr für die Verpflichtung von Tolisso ausgesprochen haben soll. Es folgte Jupp Heynckes und der brachte die Bayern im Herbst wieder zurück in die Spur. 

Tolissos Vorteil: Er kann‘s überall

Und Tolisso? Der 24-Jährige sucht aktuell noch seinen Platz im Ensemble des FC Bayern. Anfangs unter Ancelotti war er stets gesetzt, wusste aber nicht restlos zu überzeugen. Unter Heynckes saß er dann erst einmal auf der Bank, doch aufgrund seiner Vielseitigkeit und der vielen Verletzten war Tolisso zuletzt fast schon unverzichtbar. 

Egal ob auf der Acht, der Sechs, im rechten Mittelfeld oder wie zuletzt überragend in Anderlecht als Rechtsaußen (ein Tor, eine Vorlage): Tolisso wies nach, warum er in Lyon „Schweizer Taschenmesser“ genannt wurde. Er ist universell einsetzbar. 

So hat der Rechtsfuß nach gut einem Drittel der Saison letztlich mehr als ordentliche Werte vorzuweisen. Zwölf von 14 Spielen in der Bundesliga absolvierte er, davon sieben von Beginn an. Nur Robert Lewandowski, Joshua Kimmich und Mats Hummels kamen häufiger zum Einsatz. Zwei Treffer und zwei Assists gelangen Tolisso dabei in der Liga. 

Variabel, aber nicht unverzichtbar

International durfte er bis auf die Partie zu Hause gegen Celtic Glasgow in jedem Champions-League-Spiel von Beginn an ran. Dabei reichte seine Performance-Palette von einem desaströsen Auftritt in Paris bis zu einem bockstarken Spiel beim RSC Anderlecht

Man darf aktuell festhalten: Tolisso und der FC Bayern befinden sich auf einem guten Weg, sind allerdings noch in ihrer Findungsphase - unverzichtbar ist er also noch nicht. Wer im Sommer ob der horrenden Ablöse Wunderdinge erwartet hatte, dürfte bislang enttäuscht worden sein, allerdings werden dies auch die Wenigsten getan haben. Intern gibt man dem Rekordtransfer sowieso genügend Zeit. 

Anders als beim anderen prominenten Neuzugang James Rodriguez, der viel mehr im öffentlichen Fokus steht und von dem sich die Zuschauer Spektakel und technische Kabinettstückchen erhoffen, ist Tolisso mehr der Mann fürs Klare. Wenn man so will, ist er die jüngere Version von Arturo Vidal. 

Es fehlt noch was bis Chanel

Auch wenn er mit einer Empfehlung von 14 Saisontoren aus Lyon nach München kam und er zuletzt schon bewiesen hat, dass er auch in der Offensive glänzen kann, ist seine Giftigkeit in den Zweikämpfen sein großer Trumpf. Auffällig ist neben seiner Flexibilität und Kopfballstärke (zwei seiner drei Saisontore erzielte er per Kopf) zudem seine Schnelligkeit, seine Passsicherheit und seine Spielübersicht – also alles, was einen kompletten Mittelfeldspieler ausmacht. 

Als Karl-Heinz Rummenigge im Sommer bei der Präsentation von Tolisso erklärte, dass in Deutschland „bislang nur Coco Chanel bekannt“ sei und er hoffe, dass „bald auch Coco Tolisso sehr bekannt sei wird“, muss man konstatieren, dass der Franzose auf einem guten Weg ist, aber während Chanel als eine herausragende Persönlichkeit in der Modegeschichte gilt, muss Tolisso noch ein paar Highlights setzen, ehe man ihn als eine herausragende Persönlichkeit in der Geschichte des FC Bayern anerkennt.

fs

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