Corona-Krise

Profi-Fußball wohl wieder ab 9. Mai: Bundesliga trotz Corona? Ein Pro und Contra

In der Bundesliga ruht wegen der Corona-Pandemie seit Mitte März der Spielbetrieb. Nun soll die Liga am 9. Mai fortgesetzt werden. Manuel Bonke und Jonas Austermann liefern ein Pro und Contra.

Pro Bundesliga-Neustart am 9. Mai: Verdiente Sonderrolle

Endlich wieder Bundesliga! Noch nie hatte dieser, in der Fußball-Sprache doch sehr geläufige Satz, mehr Aussagekraft als nach der Corona-Zwangspause. Die Liga startet voraussichtlich am 9. Mai wieder – und das ist gut so!

tz-Redakteur Manuel Bonke

Freilich hat der Fußball eine Sonderrolle in Deutschland. Das müsste der Sportwelt hierzulande aber schon vor der Virus-Pandemie bewusst gewesen sein. Das sollten sich auch die führenden Köpfe Fußball-Deutschlands eingestehen. Denn: Genau wegen dieser Sonderrolle kann die Bundesliga* ihren Spielbetrieb dem Anschein nach mit Geisterspielen aufrechterhalten. Dass diese Entscheidung viele Profi-Ligen aus anderen Sportarten jetzt übel aufstößt ist zwar verständlich, aber egoistisch. Oder sollten Baumärkte oder Gärtnereien aus Solidarität gegenüber Friseur-Salons weiterhin zugesperrt lassen?

Durch die Corona-Krise haben bereits zahlreiche Menschen ihre Jobs oder zumindest einen Großteil ihres Einkommens verloren – durch die Wiederaufnahme der Bundesliga kann wenigstens im deutschen Fußball-Kosmos der eine oder andere Arbeitsplatz gesichert werden: Oder sollen aus Solidarität noch mehr Menschen wegen des Virus unter Existenzängsten leiden müssen? Und was nicht vergessen werden darf: Für viele ist es eine langsame Rückkehr zur Normalität, wenn am Samstagnachmittag der Ball wieder rollt. Darum: Endlich wieder Bundesliga*!

Manuel Bonke

Contra Bundesliga-Neustart am 9. Mai: Extrawurst? Auf keinen Fall

tz-Redakteur Jonas Austermann

Quarantäne für den Fußball! Das haben Fans des FC Bayern* jüngst mit einem Banner an der Säbener Straße gefordert. Und ich bin als Fußballliebhaber und passionierter Amateurkicker der gleichen Meinung. Die Sportart Nummer eins in Deutschland darf in der Corona-Krise keine Extrawurst braten, sondern muss mit gutem Beispiel vorangehen.

Die Menschen in allen Bereichen der Gesellschaft stecken gerade zurück – einige haben ihre Jobs verloren, andere können ihre Liebsten nicht mehr besuchen, einige von ihnen sogar nie mehr. Aber die Bundesliga will ab Anfang Mai wieder so tun, als sei Deutschland in Sachen Corona-Bekämpfung über den Berg. Das ist nachweislich falsch! Und es vermittelt zudem die völlig falsche Botschaft, dass der Fußball auch nur annähernd so etwas wie systemrelevant sei.

Mir geht es nicht darum, ob nun genügend Tests für Spieler und weitere Teammitglieder vorliegen. Auch das Argument, dass einige Klubs ohne Saisonfortsetzung unmittelbar vor dem Aus stehen, lasse ich nicht gelten. Denn genau das, liebe Funktionäre, hättet ihr euch überlegen sollen, bevor die völlig ungesunde Abhängigkeit von den Rechteinhabern einst besiegelt wurde. Aus früherem Versagen jetzt die Rechtfertigung für überstürztes und unverantwortliches Handeln abzuleiten, ist nicht weniger als eine Bankrotterklärung. Statt „Weiter so!“ muss es jetzt heißen „So weiter?“. Ohne Fußballspiele wäre ja genug Zeit zum Nachdenken da...

Jonas Austermann

Rubriklistenbild: © dpa / Jan Woitas

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