Duo lässt "Robbery" fast vergessen

Costa und Coman: Bayern spart 38 Millionen

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Angekommen – zumindest auf dem Platz: Stand jetzt sind Costa (l.) und Coman eine Bereicherung für Bayern.

München - Der FC Bayern hat im Sommer mit den Verpflichtungen von Douglas Costa und Kingsley Coman ein Schnäppchen gemacht - statt den völlig überteuerten Kevin de Bruyne zu holen. Das Duo lässt Absenz von Ribéry und Robben fast vergessen

Es gab sie, diese Zeit, in der man beim FC Bayern an einer Verpflichtung von Kevin de Bruyne interessiert war. Sehr sogar. Wenn einer 21 Vorlagen in einer Saison gibt und noch dazu im direkten Duell an drei (Gegen-)Treffern beteiligt ist, muss er eigentlich nach München kommen. So schreibt es das Fußball-Gesetz. Das Problem: Der Belgier war begehrt, die Summe für einen Transfer vom VfL Wolfsburg hoch, die Rahmenbedingungen nicht perfekt. Man nahm letztendlich Abstand von der Millionen-Investition und schlug am Ende woanders zu.

30 Millionen Euro für Douglas Costa und sieben Millionen Euro für das Leihgeschäft von Kingsley Coman wurden auf den Tisch gelegt. Stand jetzt, nach sieben Runden in der Bundesliga und vor dem zweiten Gruppenspiel in der Champions League heute Abend gegen Dinamo Zagreb (20.45 Uhr/Sky), kann man sagen: Der FC Bayern hat sich nicht verzockt. Im Gegenteil. Die Herren der Chefetage bekamen am Montag sogar ein Sonderlob von Pep Guardiola für ihre Transferpolitik. Die 37 Millionen Euro für die neue Flügelzange seien gut investiert worden: „Denn sie können die Qualität erreichen, die Franck Ribéry und Arjen Robben seit Jahren hier beim FC Bayern haben.“ Und dabei wurden verglichen mit de Bruyne sogar noch 38 Millionen gespart.

Robben gegen Dortmund vielleicht wieder im Kader

Es war in den letzten Wochen auffällig, dass es seit der Verletzung von Arjen Robben ruhig geworden ist um die einst so gefürchteten Außenstürmer, ohne die man sich den FC Bayern lange gar nicht hätte vorstellen können. Ribéry trainiert weiter vor sich hin, ein Comeback-Zeitpunkt ist nach wie vor ungewiss. Über Robben sickerte nun durch, dass er sich auf dem Wege der Besserung befindet und vielleicht am Sonntag gegen Dortmund, sicher aber nach der Länderspielpause zurückkehren wird. Allerdings: Eile besteht nicht. Die Bayern haben ihre Hausaufgaben im Sommer gemacht und genau dort nachgerüstet, wo Bedarf bestand. Im Moment werden Ribéry und Robben nicht vermisst. Weil Coman und Costa da sind.

„Das Eins gegen Eins – das war im letzten Jahr nicht immer möglich. Wir hatten wenig Dribblings ohne Arjen und Franck“, sagt Guardiola mit Blick auf die Endphase der vergangenen Saison. Damals fehlten ihm ohne die verletzten Stars Überraschungsmomente, die nötig gewesen wären, um wenigstens in einem Wettbewerb das Finale zu erreichen. Auch jetzt sagt der Katalane, dass er auf eine schnelle Rückkehr von Ribéry und Robben hoffe. Aber nicht, weil er den beiden eine Einsatzgarantie geben will. Sondern weil „vier Außenstürmer von dieser Qualität für ein Top-Team wichtig sind“. Er mag es, in diesem Bereich die Qual der Wahl zu haben.

Läuft Costa Ribéry den Rang ab?

Der Weg zurück ins Team wird vor allem für Ribéry nicht leicht. Denn Costa hat sich deutlich schneller in München eingefunden als erwartet. Zehn Tore hat der Brasilianer bereits in der Liga aufgelegt, das hat nach sieben Spieltagen vor ihm noch keiner geschafft. Nun fordert Guardiola allerdings noch mehr eigenen Zug in den gegnerischen Strafraum. „Er denkt nicht nur an sich, das ist gut. Aber er muss auch wissen, dass Tore für ihn selbst wichtig sind“, sagt der Coach. Ein Treffer ist dem 25-Jährigen bisher in der Liga gelungen: „Er ist jung, er kann noch lernen – aber wir brauchen seine Tore.“

Costa kommt meist über links, von dort aus sind seine Flanken gefragt. „Wenn er aber rechts spielt, kann er auch selbst schießen“, sagt Guardiola. Der Bayern-Trainer experimentiert deshalb viel mit seinen beiden Neuen. In Mainz tauschten sie auf seine Anweisung hin etwa am Ende der schleppenden ersten Halbzeit die Seiten, Costa suchte den Abschluss von rechts tatsächlich öfter als vom anderen Flügel. Ein Tor gelang ihm aber im Gegensatz zu Coman nicht. Der Franzose schoss das 3:0, sein zweiter Treffer im Bayern-Trikot. „Er hilft uns auf dem Platz. Er ist einer, der Spiele entscheiden kann“, sagt David Alaba über den 19-Jährigen. Jerome Boateng ist sich sicher: „Wir werden noch viel Spaß an ihm haben.“

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Ob das auch gegen Zagreb der Fall sein wird, ist allerdings nicht sicher. Die voraussichtlichen Ausfälle von Arturo Vidal und Sebastian Rode wirken sich auf die Aufstellung der Offensivreihe kaum aus. Und Coman hat noch nicht den Status eines Stammspielers (wie Costa). Zweimal durfte er von Beginn an ran, „er muss jeden Tag Selbstvertrauen gewinnen und lernen“, sagt Guardiola.

Das ist vielleicht der kleine Unterschied zu de Bruyne, der bereits auf Topniveau gekommen wäre. Ansonsten aber spricht nicht mal die Statistik für den Belgier. Denn was 21 Vorlagen am Ende wert sein werden, wenn einer wie Costa nach sieben Spieltagen bereits zehn gegeben hat (und Coman noch eine dazu), kann man schon jetzt grob überschlagen.

Hanna Schmalenbach

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