"Wollen nicht die Grüßonkels sein"

98-Coach: Das erwartet die Bayern in Darmstadt

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Dirk Schuster hat mit Darmstadt 98 ein echtes Fußballmärchen geschrieben.

München - Nach der Champions League erwartet den FC Bayern am Samstag der raue Bundesliga-Alltag: Bei Aufsteiger Darmstadt 98 ticken die Uhren noch etwas anders, Coach Dirk Schuster will nicht den "Grüßonkel" für die Bayern-Stars geben.

Nun ja, wie die Jungfrau zum Kinde kamen die Darmstädter nicht zum Aufstieg in die Bundesliga, doch der Durchmarsch, den die "Lilien" von der vierten in Deutschlands Eliteliga hingelegt haben, ist ein echtes Fußballmärchen. Die sensationelle Entwicklung ist zu einem Großteil Dirk Schuster zu verdanken. Der Ex-Profi, der beim Karlsruher SC seine erfolgreichsten Zeiten als Spieler erlebte, heuerte 2012 am Böllenfalltor als Trainer an und schrieb eine einzigartige Erfolgsgeschichte.

"Bayern und Darmstadt sind zwei verschiedene Welten"

Den vorläufigen Höhepunkt erreicht die Geschichte am kommenden Samstag, wenn der deutsche Rekordmeister zu Gast in Darmstadt ist. "Bayern gehört zu den besten Teams der Welt. Wenn man als Konkurrent von solchen Klubs wahrgenommen wird, macht einen das sehr stolz", erklärt Schuster im Interview mit dem kicker.

Der Coach des ungeschlagenen Überraschungsteams bastelt zwar noch an den Details, mit welcher Strategie die Bayern am 5. Spieltag in Bedrängnis gebracht werden sollen, ist aber klar. „Wo wir die Kampfzone auf dem Platz einrichten werden, ist noch nicht entschieden“, sagte Schuster, der seine Mannschaft aber nicht allzu defensiv einstellen will: „Sonst muss man irgendwann den Ball aus dem Netz holen - und nicht nur einmal.“

Am vergangenen Spieltag in Leverkusen feierte der Aufsteiger seinen ersten Bundesliga-Sieg seit 33 Jahren, dennoch sieht Schuster seine Mannschaft ganz klar in der Rolle des Davids gegenüber dem Münchner Goliath. "Der Respekt ist riesig, aber wir werden nicht mit Angst in das Spiel gehen. Wenn man das Große und Ganze miteinander vergleicht, ist es außergewöhnlich. So eine Mannschaft am Böllenfalltor begrüßen zu dürfen, gab es zuletzt vor ein paar Jahren, als sie hier ein Benefizspiel absolvierten. Damit haben sie uns gerettet. Bayern und Darmstadt sind zwei verschiedene Welten", sagt Schuster.

„Der Respekt ist riesig, aber wir werden nicht mit Angst in das Spiel gehen“

"Wir wollen nicht die Grüßonkels auf dem Platz sein"

Dennoch wollen die Außenseiter dem haushohen Favoriten ein Bein stellen - und den Heimvorteil nutzen, den das eher einem Amateurstadion als einem Bundesliga-Tempel gleichende Merck-Stadion mit seinem rauen Charme bietet. Die Luxus gewohnten Bayern-Stars müssen sich umstellen, darin sieht Schuster die Chance für Darmstadt. So erwarte die Münchner nicht nur eine "schöne Atmosphäre", sondern auch ein "Stadion, das etwas in die Jahre gekommen ist". Zudem verspricht er, dass seine Truppe "sich mit allem, was sie hat, versuchen wird zu behaupten und zu beweisen". Abseits des Spielfeldes werde man ein freundlicher Gastgeber sein, aber: "Wir wollen nicht die Grüßonkels auf dem Platz sein."

Allzu große Erfolgsaussichten räumt Darmstadt-Coach Schuster sich und seiner Mannschaft aber nicht ein. "Alles andere als ein Münchner Sieg ist großes Wunschdenken. (...) Wichtig wird sein, dass wir uns unabhängig vom Ergebnis teuer verkaufen und den Gegner vielleicht auch ein bisschen ärgern können. Was da auf uns zurollt, wird eine Riesenherausforderung, und es wird brutal schwierig zu bestehen."

Keine Kampfansagen aus Darmstadt

Ein Freundschaftsspiel wird die Bayern am Samstag in Darmstadt allerdings nicht erwarten. Die Profis vermeiden zwar die großen Kampfansagen, sind aber heiß auf die Stars von der Isar. „Ich freue mich darauf, die Bayern zu ärgern“, sagte Angreifer Marco Sailer. Mit dieser Einstellung gehen auch Kapitän Aytac Sulu und Jan Rosenthal in die Partie. „Wir nehmen es, als wäre es ein Bonusspiel“, sagte Sulu. Rosenthal verspricht auf jeden Fall vollen Einsatz: „Wir sind topfit und werden bis zur 90. Minute Gas geben.“

Das müssen die Darmstädter auch, um im Duell zwischen David (Kaderwert 19,1 Millionen Euro) und Goliath (559,25 Millionen) bestehen zu können. Denn während die Münchner mit Weltstars auflaufen werden, schicken die Lilien eine Truppe der „Gescheiterten“ ins Rennen - Spieler, die sich bei anderen Klubs nicht durchsetzen konnten und nun in Darmstadt eine zweite Chance erhalten haben. Dazu gehört auch Sulu. Bei 1899 Hoffenheim wurde der Deutsch-Türke einst ausgemustert, nun ist er in Darmstadt der Chef auf dem Platz. „Man hat hier die Chance bekommen, sich noch mal zu beweisen und das Vertrauen erhalten, was man vielleicht woanders nicht hatte“, antwortete der 29-Jährige auf die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis des Klubs. Von einem Fußballwunder bei den Lilien aus Darmstadt, die 2013 nur knapp dem Abstieg in die Regionalliga entronnen waren und im Sommer ihr Bundesliga-Comeback nach 33-jähriger Abstinenz gefeiert hatten, will er aber nichts wissen: „Was passiert, ist der Lohn für unsere Arbeit und unsere Demut.“

dh/sid

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